Werbeplakat mit Claus Kleber

Sind Claus Klebers blaue Augen echt?

candid on tour, Fachliches Kommentare (4)

Alles Berechnung. Also diese Überschrift zumindest. Glaubt man nämlich dem ZDF, dann müssten jetzt die Zugriffszahlen für diesen Blogpost durch die Decke gehen. Denn Claus Klebers Augen, so hat uns der nette Mann vom Besucher-Service versichert, die elektrisieren die Massen. Vor allem die weiblichen Massen: Mitglieder diverser Kegelclubs oder fröhliche Kaffeekränzen. Zugegeben, die gehören traditionell  nicht unbedingt zur Leserschaft unseres Blogs. Aber wir helfen eben, wo wir können.

Mainzelmännchen im ZDF-SendezentrumZurück also zu Claus Kleber, dem Anchorman des Heute Journal. Oder besser: zu unserem Besuch beim ZDF. Auf der Suche nach Inspiration und neuen Impulsen reisten wir bekanntlich vor kurzem durch die Pfalz und klopften auch auf dem Mainzer Lerchenberg an. Nein, uns ging es dabei nicht um neue Impulse in Sachen Zielgruppe 60+. Wir wollten einfach mal wissen, wie das so funktioniert, das Fernsehmachen. Wie man es schafft, die Ereignisse dieser Welt pünktlich um 21.45 Uhr auf  30 Minuten zu komprimieren. Und wie man das in Zukunft so machen will, wo man sich doch auch bei Facebook und Twitter super informieren kann und alle nur noch Youtube gucken.

Gesagt, getan. Oder besser: gesagt und teilweise getan. Denn zum einen schaffte es nur ein Teil der candid-Impulssucher zum ZDF. Der Rest musste sich mit dem letzten Strom im Akku unseres Elektroautos zur nächsten Zapfsäule ins nahegelegene Industriegebiet retten – beim ZDF scheint die Elektromobilität noch nicht angekommen zu sein. Und zum anderen, weil die Zukunft bei unserem ZDF-Besuch nur am Rande Thema war. Doch dazu später mehr.

Aufwändige Kulissen und teuere Technik

Sendezentrale des ZDFJetzt erst einmal hinein ins ZDF, in diesen mächtigen Betonklotz mit dem schweren, drückenden Charme der 80er Jahre, in dessen Inneren dann aber doch so viel Moderne steckt, moderne Technik vor allem. Und natürlich: teure Technik. Das, so berichtete der Herr vom Besucher-Service, stellten in den Führungen, die das ZDF täglich anbietet, gerne männliche Besucher im gesetzten Alter, häufig mit pädagogischem Hintergrund, gleich zu Beginn fest. Um dann über den Rundfunkbeitrag zu lamentieren, über den mangelnden Anspruch: kein Tiefgang, nur Herzschmerz, Volksmusik und Sport. Willkommen bei den Öffentlich-Rechtlichen! Wir waren allerdings nicht gekommen, um zu lamentieren oder den Rundfunkbeitrag zu beklagen (Warum auch? Einmal pro Woche 37 Grad und das Auslands-Journal sowie zu Weihnachten Das Traumschiff rechtfertigen die 17.50 Euro pro Monat allemal – finde ich).

Wir wollten staunen. Und taten das auch: über die aufwändigen Kulissen, über die digital gesteuerten Scheinwerfer an den Studiodecken und über die Kameras, die locker mal den Wert einer kleinen Eigentumswohnung haben. Wir schauten uns an, wo Katrin Müller-Hohenstein ihre Samstagabende verbringt, und erfuhren, dass es beim ZDF keine Boulevard-Sendungen im Programm gibt. Die nennt man dort nämlich „nachrichtenergänzende Magazine“.

Viel Technik im ZDF-Studio

Fernsehen vs. soziale Medien?

Eigentlich hätten wir auch gerne gewusst, wohin die Reise dieses großen Dampfers ZDF geht. Wo man sich in 20 Jahren sieht, wo lineares Fernsehen vermutlich der Vergangenheit angehört. Wie man dazu steht, dass News heute längst hinaus in die Welt getwittert wurden, ehe Claus Kleber Krawatte und Jackett für die nächste Sendung angelegt hat. Und noch lieber hätten wir natürlich vom Anchorman höchstpersönlich gesprochen: über seriöse Nachrichten in Zeiten von Twitter, Facebook & Co. und über die Schnelligkeit als Maßstab für guten Journalismus. Dazu kam es leider nicht. Wir hatten ja auch ein echt straffes Programm an diesem Tag.

Müssen wir eben damit vorlieb nehmen, was er vor einigen Monaten in der Süddeutschen Zeitung niedergeschrieben hat: „Was tun, wenn’s brennt?“ Claus Kleber greift in dem Gastbeitrag die Kritik auf, die traditionellen Fernsehprogrammen im Allgemeinen und den Öffentlich-Rechtlichen im Besonderen immer wieder begegnet: dass sie zu langsam sind, zu träge, um dem immer schneller werdenden Nachrichtenfluss in den sozialen Netzwerken Schritt zu halten.

Was Claus Kleber so zwitschert

Claus Kleber ist beileibe keiner, der im Gestern stehen geblieben ist. Keiner, der wie manch ältere Journalisten-Kollegen gerne das Internet abschalten würden – oder wenigstens die Kommentarfunktionen. Kleber twittert. Regelmäßig. Er kommentiert und antwortet. Seine ersten Tweets im Jahr 2014 waren Spiegel Online sogar eine eingehende Betrachtung wert. Inzwischen sind es fast 600. Doch er kennt die Grenzen des überbordenden Informations- und Bilderflusses auf diesen Kanälen. Er erklärt in seinem SZ-Beitrag, was es braucht, um aus diesem stetigen Fluss an Meinungen und Beobachtungen eine wertvolle Nachricht zu machen: die Einordnung. „Was nützt mir ein Panzer, wenn ich nicht weiß, wohin und für wen er rollt? Was sagen mir Bilder einer Schlägerei, Töne von Schüssen oder der Blitz eines vorbeidonnernden Kampfjets?“ Man dürfe die Dinge nicht rahmenlos sehen, sagt er in Anlehnung an eine Aussage das Journalisten Peter von Zahn. Heute drohe diese „Rahmenlosigkeit“  jedoch zum Wesen unserer Information zu werden.

Es sei also niemandem geholfen, wenn sich die Öffentlich-Rechtlichen „auf ein Rattenrennen mit Social Media“ einließen. Oder Netzfunde unreflektiert weitergäben. „Denn Gewicht verschaffen solchen Videos erst die traditionellen Medien“, so Kleber. Aber was wollen diese traditionellen Medien tun, um ihren Mehrwert dem Publikum zu vermitteln, gerade dem jungen? Was müssen sie machen, damit die Relevanz ihrer Einordnung überhaupt noch wahrgenommen wird? Claus Kleber setzt auf die Wirkung von „Abstand, Professionalität und kühlem Verstand“ – etwas, was „in einer immer mehr verwirrenden Welt kein Periscope-Video und kein Whatsapp bieten kann: für zig Millionen Menschen die gut überlegte Balance zwischen nah dran/sofort und dem Bild im großen Rahmen“. Hoffentlich behält er Recht.

Entscheidende Details

In den USA scheint hier schon einiges verloren zu sein. Laut einer Studie der Stanford University  könnten vor allem High-School-Absolventen immer weniger zwischen echten Nachrichten und gesponserten Informationen unterscheiden. Der Wert einer Nachricht werde weniger an den Quellen bemessen, sondern eher an der Bebilderung und an der Frage, wie viele Details eine Geschichte beinhaltet.

Apropos Details: Auch in diesem Post ging es ja eingangs um ein entscheidendes Detail: um Claus Klebers blaue Augen. Ja, die sind natürlich echt – versicherte zumindest der Herr vom Besucher-Service. Und er erzählte auch vom großen Interesse an Claus Klebers eigenwilliger Schieflage, wenn er am großen Heute-Journal-Tisch steht. Die war sogar der SZ schon mal einen Beitrag wert. Aber das ist eine andere Geschichte. Vielleicht für unsere nächste Inspirationsfahrt. Vielleicht nach Hamburg. Zu Ingo Zamperoni. Gibt es bei der ARD eigentlich eine Elektrozapfsäule?

Über Monika Schmich

Themen erfassen. Schnell umsetzen. Mit der Zielgruppe im Blick. Journalismus trifft PR.

» candid on tour, Fachliches » Sind Claus Klebers blaue Augen...
Am 15. Dezember 2016
Von
, , , , , , , ,

4 Antworten auf "Sind Claus Klebers blaue Augen echt?"

  1. Christine Hofmann-Brand sagt:

    „Vor allem die weiblichen Massen: Mitglieder diverser Kegelclubs oder fröhliche Kaffeekränzen.“ Ok. Dann habe ich jetzt eine Zuordnung für mich: denn ja, auch ich habe mich – und das ist wenige Wochen her – gefragt, ob „die“ echt sind. Oder durch gute Beleuchtung nur unterstützt. Aber warum, mit welchem Ziel dann? Unterstelle ich doch den „Öffentlichen“ genau diesen Rahmen, der hier auch angesprochen ist…

    Wieder mal hab ich einen eurer Texte – diesen Beitrag – zu Ende gelesen. Bin dem roten Faden gefolgt, hatte die blauen Augen längst vergessen, bis die Rede wieder drauf zurück kam. Was ich „unterwegs“ alles aufgenommen habe, welche Gedanken in mir angestoßen wurden… Das würde den Rahmen hier sprengen. Kurz: Anregend! Und: Kurzweilig. Danke … und: Kompliment dafür!

  2. Elke sagt:

    In Anbetracht der ganzen anderen News, die mich grad am anderen Ende der Welt erreichen, ist der Post besonders passend: Kontext!

    P.S.: Darf ich als Nicht-Abonnent den SZ-Artikel bei Gelegenheit von dir leechen?

  3. Monika sagt:

    Klar. Aber ein eigenes Zeitungs-Abo ist natürlich auch nicht schlecht 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »