Heute möchte ich euch eine Geschichte erzählen…

Fachliches Kommentare (1)

Theoretisch ist alles ganz einfach: Man nehme einen Helden, stelle ihm ein paar Hindernisse in den Weg und führe ihn am Ende zur Lösung. Fertig. So einfach ist die Sache mit dem Geschichtenerzählen. Zumindest in den Lehrbüchern. Und seit wir neudeutsch vom Storytelling sprechen und inzwischen das crossmediale Scrollytelling als Trend gehypt wird, will jeder nur noch eins: Geschichtenerzählen. Aber ist das wirklich neu? Und immer zielführend, wenn es darum geht, Botschaften zu transportieren? Die „Helden“ unserer Geschichte wollten es genau wissen.

Es war einmal …

Es war einmal eine junge PR-Mitarbeiterin namens Jasmin, die sich mit ihrer Chefin Sandra an einem heißen Sommertag auf eine lange und beschwerliche Reise (Fuggerexpress) aus dem schwäbischen Augsburg in die bayerische Landeshauptstadt (München) begab. Dort mussten sie viele Hindernisse (Großstadt) überwinden, bis sie schließlich sicher und wohlbehalten den Turm des Wissens (Münchener Presseclub) erreichten.

Spannend, emotional, lehrreich. Das alles können Geschichten sein. Schon als Kinder faszinierten uns die Märchen über schöne Prinzessinnen, die von ihrem Traumprinzen befreit werden mussten und dann glücklich bis ans Ende aller Tage lebten. Die Zutaten für ein gutes Märchen bzw. eine gute Geschichte haben sich bis heute nicht geändert: Und genau nach demselben Prinzip funktioniert es auch heute noch – in der Erwachsenenwelt. Denn egal, ob jung oder alt, Geschichten werden immer gerne gehört. Heute nennen wir es einfach nur anders: Wir sprechen von Content, Storytelling und seit fast drei Jahren ist uns nun auch das Scrollytelling ein Begriff, was sich aus dem Storytelling entwickelte. Der Trend zu mehr in Text eingebetteten Bildern und Videos, verbunden mit dem bequemen und mobil einfach zu handhabenden Scrollen statt Klicken findet sich dort wieder. Eine Geschichte, multimedial aufbereitet, soll den Leser noch mehr in den Bann ziehen und emotional abholen.

Der Turm des Wissens

Warum ich heute etwas über Geschichten erzähle? Ganz einfach. Die Veranstaltung der Nachwuchsjournalisten in Bayern und Journalistinnenbund „Digitales Erzählen: von Storytelling zu Scrollytelling“ in den Räumlichkeiten des Münchener Presseclubs am 21. Juli 2015 inspirierte mich hierzu. Die freien Journalistinnen Angelika Knop und Katharina Brunner referierten über das Hype-Thema: Warum wir schon immer Geschichten erzählen, warum gerade heute, warum nun auch die Medienwelt sich auf die Stories stürzt und welche Tools man für den Bau einer solchen Scrollytelling-Geschichten verwenden kann (WordPress Aesop, Atavist, Pageflow und Linius). Ein wirklich interessanter und informativer Abend. Vielen Dank dafür und auch für die schönen Beispiele gut aufbereiteter multimedialer Geschichten:

  •  Snow Fall: Der Scrollytelling-Hype begann im Dezember 2012 in den USA. Hier stellte die New York Times „Snow Fall – The Avalanche at Tunnel Creek“ online. Eine Geschichte über Ski- und Snowboardfahrer, die auf der Abfahrt über den Tunnel Creek von einer Schneelawine überrollt werden.
  • Killing Kennedy: Hier werden die Lebensläufe von John F. Kennedy und seinem Mörder Lee Harvey Oswald gegenüberstellt.
  • Oktoberfest-Attentat vom Bayerischen Rundfunk: Multimediale Story über die Hintergründe, Daten und Fakten zum Bombenanschlag auf das Oktoberfest am
    26. September 1980.

Und die Moral von der Geschicht‘ …

Und was ist die Moral von der Geschichte über die Geschichten? Eines ist klar, eine Neuheit ist es nicht. Denn wir Menschen haben schon immer gerne Geschichten gehört, es liegt in unserer Natur. Nur Gerede? Keineswegs. Wissenschaftliche Studien belegen, dass unser Gehirn Zahlen, Daten und Fakten einfacher abspeichert, wenn sie schön verpackt in einer Geschichte daherkommen. Das ist auch die Grundlage des Gedächtnistrainings: Menschen, die sich eine lange Zahlenabfolge merken sollen, tun sich leichter, wenn sie jeder Zahl einen Gegenstand zuordnen und diese Gegenstände, dann in ihrer Geschichte beispielsweise bei einem Spaziergang durch den Raum ablaufen.
Schlussendlich sind Geschichten überall zu finden. Man muss nur nach ihnen graben und sie herauskitzeln. Auch Firmen und Unternehmen können so interessante Stories erzählen, die dann auch wirklich gelesen werden. Ein schönes Beispiel ist der Finanzreport von Bosch „Quality of Life“ aus dem Jahre 2014. Und keine Angst, Programmierkenntnisse sind durch die bereits vorher erwähnten Tools nicht notwendig. Das kann jeder, also traut euch.

Über Jasmin La Marca

Die Augs(ch)burgerin mit italienischem Migrationshintergrund liebt es, Texte fürs Netz zu schreiben. Bloggen, skypen, twittern und natürlich facebooken: Social Media – *thumbs up* --> gefällt mir

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Am 23. Juli 2015
Von
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Eine Antwort auf "Heute möchte ich euch eine Geschichte erzählen…"

  1. Sandra sagt:

    Eine tolle Übersicht über Scrollytelling-Beispiele hat Sonja Kaute zusammengetragen: http://stift-und-blog.de/scrollytelling-longstory-reportage-web-storytelling/

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