Sommerloch

„Ein Löwe auf der B17 gesichtet“ – Das Sommerloch steuert auf Augsburg zu

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Wenn Yvonne mal wieder ausgebüxt ist, Braunbär Bruno die Wälder in Bayern unsicher macht oder, wie gestern im Radio zu hören war, ein Löwe sein Revier auf der B17 aufschlägt, dann ist es wieder soweit: Das Sommerloch hält Einzug in die deutsche Medienwelt. Besonders beliebt in der nachrichtenarmen Zeit, wenn die Fußballsaison noch nicht begonnen hat, und die meisten Deutschen in den Urlaub aufbrechen, sind die berühmt-berüchtigten Sommerloch-Tiere. Doch nicht nur die lustigen Tiergeschichten haben die Chance auf wochenlange Berichterstattung, denn auch politische Hinterbänkler beanspruchen zu dieser Zeit ihren Platz auf den Titelseiten. Irrwitzige Forderungen wie eine Deo-Pflicht für Arbeitnehmer oder das Eindeutschen des beliebten Ferienziels Mallorca wurden zu Dauerbrenner in den Sommerlöchern der letzen Jahre. Wer wohl in diesem Jahr das Rennen macht und zum Star 2013 gekürt wird, bleibt noch abzuwarten…

Alle reden über das Sommerloch…doch gibt es dies überhaupt noch? Wir haben in unserem Journalisten-Bekanntenkreis nachgefragt:

„Ich würde sagen ja, ich finde den Begriff aber irreführend. Ein Loch verweist doch immer auf einen Mangel, ein Nichtvorhandensein. Es ist aber keineswegs der Fall, dass in den Sommermonaten plötzlich weiße Felder in der Zeitung auftauchen. Nur weil im Rat der Stadt Essen keine Ausschüsse tagen oder die Bezirksvertretungen Sitzungspause haben, heißt das ja nicht, dass das politische Geschehen komplett zum Erliegen kommt. Es gibt immer etwas, worüber es sich zu schreiben lohnt. Allerdings ist es meiner Meinung nach schon so, dass Journalisten in den Sommermonaten einen Tick kreativer sein müssen, um die Zeitung interessant zu machen.“ (Sascha Bolder, freier Mitarbeiter WAZ/Borbecker Nachrichten)

„Ich denke schon, dass es das Sommerloch gibt. Die nachrichtenarme Zeit hat aber auch gute Seiten. Wir Journalisten haben theoretisch die Chance, tiefgründiger zu recherchieren und so schaffen es auch mal etwas andere Themen ins Blatt.“ (Daniela Fischer, Volontärin bei der Augsburger Allgemeinen Zeitung)

„Nein, das gibt es nicht. Die Welt, die Menschen und ihre Geschichten fallen in kein Loch.“ (Ulrike Schuster, freie Journalistin)

Mag man die Existenz des Sommerlochs nun bejahen oder verneinen. Sicher ist, dass es in den Sommermonaten aus Ermangelung an sportlichen und politischen Ereignissen ruhiger wird. Dies eröffnet allerdings auch Möglichkeiten. Startups und Firmen sowie Organisationen und Kampagnen, die Aufmerksamkeit suchen, sollten das Sommerloch gezielt für die eigene PR nutzen. Eine Garantie für das Erscheinen der Meldung in der Zeitung gibt es zwar auch dann nicht, allerdings sind die Erfolgsquoten in die Medien zu gelangen deutlich höher.

P.S.: Hier noch ein kleines Update für alle, die Angst vor dem entlaufenen Löwen auf der B17 haben. Keine Sorge, es handelte sich hierbei nur um eine Verwechslung. Der Hund, der einem Löwen wirklich ähnlich sieht, ist wieder wohlbehalten bei Frauchen.

Über Jasmin La Marca

Die Augs(ch)burgerin mit italienischem Migrationshintergrund liebt es, Texte fürs Netz zu schreiben. Bloggen, skypen, twittern und natürlich facebooken: Social Media – *thumbs up* --> gefällt mir

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Am 18. Juli 2013
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Eine Antwort auf "„Ein Löwe auf der B17 gesichtet“ – Das Sommerloch steuert auf Augsburg zu"

  1. Sandra sagt:

    Nachdem wir vor etwa einem halben Jahr beschlossen hatten, uns zum 10. Geburtstag von candid einen Blog zu schenken, haben wir irgendwann Themen gesammelt und einen Redaktionsplan erstellt. Ein Thema, das ich unbedingt behandelt sehen wollte war das „Sommerloch“ und ich beauftragte unsere Volontärin Jasmin, das in die Hand zu nehmen. Das Ergebnis ist oben zu sehen. Gut geworden, wie ich finde: ein aktueller Einstieg, ein paar Journalistenzitate eingeholt und schön geschrieben.

    Auf Twitter stolperte ich nun heute über einen Tweet von Gabriele Horcher, der Agenturchefin von Möller Horcher. „Interner Pitch. Sich fühlen wie ein Kunde“ – spannendes Thema, dachte ich mir und las den Eintrag im „O-Ton“ , wie sich der Agenturblog von Müller Horcher nennt. Und weil mir Thema und Ton gefielen, fing ich an, weiter im Blog zu stöbern – wie das eben so ist, wenn man sich beim Surfen inspirieren lässt und auf einmal von einem Thema zum nächsten gelangt.

    Ein Bild ließ mich innehalten. Erst gestern hatte ich es gesehen – in Jasmins Blogpost. Ich hatte es noch gut in Erinnerung, weil es so gut ausgewählt war und hervorragend zum Thema passte. Das dachte sich wohl auch Marco Pfohl, der schon am 4. Juli (also vor uns) zum gleichen Thema einen Beitrag geschrieben hatte. Sucht man nach „Sommerloch“ bei Pixelio erscheint das Motiv denn auch auf der ersten Trefferseite . Plagiat? Dazu sind die Beiträge zu unterschiedlich und für die journalistische Sorgfalt von Jasmin lege ich meine Hand ins Feuer. Zufall? Mag ich auch nicht so recht glauben. Ich meine eher, die typische Denke von PR-Leuten und Journalisten hat dazu geführt. Jetzt, wo der Sommer endlich da ist, drängte sich das Thema förmlich auf und das Bild aus der bekannten kostenfreien Datenbank lag nahe. Ich hoffe, die Kollegen von Möller Horcher sehen das ebenso. Gratulation übrigens nach Offenbach zu einem informativen Agentur-Blog!

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