Pressemitteilung landet im Mülleimer.

Pressemitteilung ade: Wie es auch ohne Journalisten geht!

Fachliches Kommentare (4)

Answer Lang, Leiter der Unternehmenskommunikation der Wiener Linien„Journalisten nachtelefonieren, Konferenzen veranstalten und Pressemitteilungen versenden. Die typischen Instrumente in der Kommunikationsarbeit finden bei uns in dieser Form immer seltener statt“, sagt Answer Lang, Leiter der Unternehmenskommunikation der Wiener Linien. Beim PR-Lunch in den Räumlichkeiten der Stadtwerke Augsburg verriet der gelernte Journalist, warum es in fünf bis zehn Jahren wohl keine Presseaussendungen an Journalisten mehr geben wird.

Brand Journalism: Warum der Elfenbeinturm der Journalisten bröckelt

Wer eine Neuigkeit aus seinem Unternehmen veröffentlichen möchte, verfasst eine Pressemitteilung, die er dann an die Medien faxt. So und nicht anders sah die Kommunikation vor gar nicht allzu langer Zeit aus. Allein das Faxgerät regt sofort zum Schmunzeln an. Jedoch liegen zwischen damals und heute gerade mal 20 Jahre. Internet und Smartphone veränderten maßgeblich die Mediennutzung der Menschen. Konnte der Zeitungsleser früher nur durch einen Leserbrief aktiv seine Meinung äußern, kann er jetzt ganz einfach durch die verschiedenen Social-Media-Kanäle Stellung beziehen. Er kann selbst zum Kommunikator werden. „Und genau das sollten auch die Unternehmen tun“, rät Lang. Themen in bestimmten Medien zu platzieren, stehe bei den Wiener Linien nicht mehr im Fokus. Vielmehr würden eigene Kanäle wie Youtube, Facebook, Twitter, der Blog oder auch die Kundenmagazine genutzt, um die eigene Story zu erzählen. Die sinkenden Zahlen bei Zeitungslesern, Radiohörern oder auch Fernsehzuschauern bestätigen die Strategie. „Wir haben unsere Organisation neu strukturiert und denken nun im Newsroom-Prinzip“, erklärt Lang. Hauptakteur dabei ist die Geschichte, die dann in den vorhandenen Medien erzählt wird.

Schlüsselerlebnis: Wie aus keiner Geschichte doch eine wird

Geschichten zu platzieren, ist nicht immer einfach. Wer kennt das Szenario nicht. Der Zeitungsredakteur sieht darin einfach keine Story. Auch der freundliche Busfahrer in Wien konnte die Medien nicht überzeugen. Answer Lang und sein Team übernahmen die Kommunikation kurzerhand selbst. Über den eigenen Youtube-Kanal präsentierten sie ihren Abonnenten ein Porträt über den Arbeitsalltag des Berliner Busfahrers. Und es funktionierte. Das Video wurde mittlerweile über 28.000 Mal (Stand: 21.09.2016) angesehen und vor allem auf Facebook wurde der Deutsche zum Star. Jetzt interessierten sich auch die Medien wie der Tagesspiegel oder der Österreichische Rundfunk für den freundlichsten Busfahrer in Wien und berichteten. „Wir versuchen uns von den Medien unabhängig zu machen und kommunizieren unsere Geschichten selbst“, sagt Lang. Dass das funktioniert, ist spätestens mit dem Busfahrer-Video unumstritten. Ganz außen vor bleiben die Medien bei den Wiener Linien selbstverständlich nicht. „Ab und an schicken wir selbstverständlich auch noch eine Pressemeldung raus.“ Allerdings gehe er davon aus, dass es die Pressemitteilung in spätestens zehn Jahren nicht mehr geben wird. Aussagen, in welche Richtung sich die Kommunikation weiterentwickelt, kann er nicht treffen. Eins ist gewiss: Es bleibt spannend.

Über Jasmin La Marca

Die Augs(ch)burgerin mit italienischem Migrationshintergrund liebt es, Texte fürs Netz zu schreiben. Bloggen, skypen, twittern und natürlich facebooken: Social Media – *thumbs up* --> gefällt mir

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Am 22. September 2016
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4 Antworten auf "Pressemitteilung ade: Wie es auch ohne Journalisten geht!"

  1. Markus M. sagt:

    …macht Euch diese Entwicklung Sorge? 😉

    • Jasmin sagt:

      Nein, das macht uns keine Sorgen. Wir sehen darin eher eine Chance für die PR, wenn die Unternehmen an den Medien vorbei direkt mit ihren Zielgruppen kommunizieren. Wir helfen Ihnen dann dabei die Kommunikation professionell zu gestalten.

  2. mal ein Diskussionsbeitrag: https://www.newsaktuell.de/pdf/whitepaper_recherche2016_newsaktuell.pdf?dl=1

    Presse-Information ist noch nicht „out“ – vielleicht ist die Lehre aus dem Vortrag: Das eine tun, aber das andere nicht lassen

  3. Danke liebes Candid-Team für diesen schönen Beitrag.
    Das Ende der Pressemeldung wurde schon sooooo oft ausgerufen – im Grunde ist es wie mit der „alten Tante E-Mail“ an sich: „Hoffnungslos veraltet“ und dennoch werden auch im Angesicht von WhatsApp, Facebook Manager & Co. mehr verschickt als jemals zuvor. Nun kann man sagen: Aber die Jungen tun das doch nicht mehr. Klar, nur herrschen in der Unternehmenskommunikation (zu der wir in diesem Fall schon mal großzügig auch die immer seltener werdende Spezies der „waschechten“ Journalisten hinzuzählen dürfen) andere Regeln. Hier regieren aus gutem Grund Outlook & Co. WORAUS Journalisten ihre Anregungen holen, ob sie eine virale Kampagne, oder einem wirklich relevanten Presse-Event oder einer substanziellen Pressemeldung aufgreifen – das ist doch gerade ihr Job, und der ist eben inzwischen noch ein wenig vielstimmiger geworden! „It´s the content, stupid“ möchte man rufen, und nicht der Kanal alleine entscheidet, welche Message eines Unternehmens, Verbands o.ä. Aufmerksamkeit „andocken“ lässt.
    Vielleicht ist inzwischen schon wieder ein Gegentrend auszumachen: Man merkt auch als Leser wie viele Inhalte nur noch ungefilterte PR darstellen und registriert, dass es außerhalb der derzeit viel beschriebenen „autistischen Blasen“, in denen sich Mikro-Grüppchen nur noch um die immer gleichen Themen und die eigene Meinung kreisen, wirklich relevante, kontroverse Themen gibt, mit frischen Einschätzungen und Kommentaren angereichert. Ein Plädoyer für einen Journalismus also, der trotz allgegenwärtiger Steilvorlagen immer noch eine eigene Haltung, intelligente Schlüsse und eine pfiffige Schreibe schafft beizusteuern – statt „Pressemitteilungen“ abzuschreiben, die keine News beinhalten und nur die Aufmerksamkeit abtöten.

    Nun könnte man sagen, so schreibt halt ein PR-Mann, der mit dem MediaNetworkManager eines der im deutschsprachigen Raum bei PR-Agenturen und Pressestellen führenden Kontaktemanagement- und Versandsysteme inspiriert hat. Doch der Erfolg gibt uns recht.Wenn die amerikanischen Social Media auch im Zusammenhang mit UK hierzulande in aller Munde sind, dann kurioserweise nicht zuletzt deswegen, weil sie AUCH höchst effizient für sich selbst klassische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit betreiben (lassen).

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