PR-Alltag zwischen Maschinenbau und Königshäusern

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Letztens wurde mir wieder einmal klar, warum ich meinen Beruf so mag. Wo sonst als in unserer Branche darf man sich so regelmäßig auf neue Themen und spannende Menschen einlassen? Mein Arbeitstag letzten Dienstag: Morgens die Medienresonanz eines Kunden aus dem Finanzbereich auswerten. Mittagessen mit Kunden aus dem Maschinenbau. Abends ein informelles Treffen mit einer ehemaligen Kundin, die jetzt in ihrer Arbeitszeit Brettspiele in die Medien bringt. Und dazwischen: Ein Vortrag zu Journalismus in Zeiten der digitalen Revolution an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Ravensburg. Dorthin wird unsere Agentur zu fachnahen Veranstaltungen eingeladen, seitdem eine der Studentinnen bei uns die Praxisphase ihres Studiums absolviert hat.

Ehrlicherweise muss man sagen, dass der tatsächliche Vortrag mit dem Thema, das der Titel suggerierte, nicht ganz so viel zu tun hatte. Und ich gebe es offen zu, ich hatte mich bereits im Vorfeld heimlich gefragt, was gerade der stellvertretende Chefredakteur einer der wohl altbackensten traditionsreichsten Zeitschriften, der „Frau im Spiegel“, schon zu diesem Thema sagen könnte. Dennoch: Wer will schon zum wiederholten Mal das Sterben der Printmedien oder den Umgang mit digitalem Content diskutieren? Für mich persönlich herrlich erfrischend, stattdessen von Andreas Englert zu erfahren, wie Paparazzi-Schnappschüsse von Promis wirklich zustande kommen (damit die fotografierende Zunft sich auch ordentlich positionieren kann, informieren die Pressereferenten rechtzeitig, wann der Kaffee bei Starbucks geholt oder die Kleinen am Kindergarten abgeliefert werden). Oder wie man auch ohne direkte Quellen am Königshof die vorhandenen Informationen interpretiert (plötzlich sind bei der gebärfähigen Prinzessin im offiziellen Terminkalender die Verpflichtungen nicht mehr auf sechs, sondern nur noch auf drei Monate getaktet). Die Queen? „Gibt nie und niemandem Interviews.“ Seine Meinung zu Monaco? „Das Neuperlach am Meer.“

Andreas C. Englert, stellvertretender Chefredakteur „Frau im Spiegel“ und „Frau im Spiegel – Royal“ (Foto: Elisabeth Ligendza, DHBW Ravensburg)

Andreas C. Englert, stellvertretender Chefredakteur „Frau im Spiegel“ und „Frau im Spiegel – Royal“
(Foto: Elisabeth Ligendza, DHBW Ravensburg)

Und wie sieht der Journalist die eigene Zukunft? „Ich habe nie mit Masterplänen gearbeitet“, antwortet Englert. Schließlich hätte er vor zehn bis zwanzig Jahren ja auch nicht gewusst, wo er einmal sitzen würde. Die Frau-im-Spiegel-Redaktion ist von 45 auf 12 Leute geschrumpft, das Konsumverhalten der Leser hat sich verändert. Das hat auch Auswirkungen auf die Arbeit mit den PR-Verantwortlichen und wie Inhalte für das Blatt generiert werden. Nichtsdestotrotz, so Englert, werde in den kommenden Jahren eher ein größerer Bedarf an Kommunikationsfachleuten bestehen. Denn eines sei nach wie vor gleich geblieben: die Anforderung, eine Schaltstelle, ein Katalysator, ein Trichter für Kunden zu sein – gerade dann, wenn immer mehr Informationen durch den digitalen Äther fließen.

Zum Schluss gab es für alle Teilnehmer noch ein offizielles Skript der Veranstaltung: die aktuelle Ausgabe der „Frau im Spiegel ROYAL“, eine Produktlinienerweiterung mit eigener App und männlichem Käuferanteil von 40 (!) Prozent (im Vergleich zu neun Prozent bei der „normalen“ Frau im Spiegel). Eine nette Abwechslung zu den langweiligen Veranstaltungsunterlagen, die man sonst von solchen Terminen mitnimmt – und diese hier hat sogar eine reelle Chance, im Büro von den Kolleginnen durchgeblättert zu werden. Der Queen sei Dank.

Über Elke Brown

Kommunikative Kontakterin, kreative Texterin und Frau für alles Technische bei candid communications. InDesign-, WordPress- und Pixelwelten-Fan.

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Am 8. November 2013
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3 Antworten auf "PR-Alltag zwischen Maschinenbau und Königshäusern"

  1. Andrea sagt:

    Ich bin wohl nicht das richtige Zielpublikum für die Royal-Ausgabe dieses Blattes. Nach dreißig Sekunden Durchblättern hatte ich genug gesehen. Da gefallen mir die Yacht-Magazine, die wir dank unseres Maschinenbau-Kunden regelmäßig bekommen, schon viel besser! 🙂

  2. […] unseren Alltag in der PR-Branche auszeichnet, darüber haben schon meine Kolleginnen Elke und Jasmin hier berichtet. Natürlich beherrschen E-Mails, Telefonate, Schreiben, Recherchieren […]

  3. A.Ebner sagt:

    Herr A.C. Englert jagt nicht unbewiesenen und verlogenen Gerüchten nach,was gerne Senationsjounalisten immer tun.Man kann den Unterschied feststellen,wenn man selbst seriös recherchiert.Danke,daß es noch Leute wie Herrn Englert gibt.

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