Online Lebensmittel bestellen

Plätzchenzutaten aus dem Internet

Augschburg, Pinnwand Kommentare (11)

19.37 Uhr: Ich hetze durch die lange Regalreihe. Noch 23 Minuten bis Ladenschluss. Schnell mit dem Wagen vom Obstabteil vorbei an den Backzutaten zu den Kühlwaren. Wo zum Teufel ist…

Zwei Wochen später. 22.17 Uhr: Ich sitze zuhause am PC, in Jogginghose und mit Hausschuhen an den Füßen, in der Hand eine Tasse Tee. Auf dem Schreibtisch die Einkaufsliste für die Weihnachtsbäckerei. Mokkabohnen – check. Zitronat– check. Lebkuchengewürz – check. Klicken genügt, Einkauf erledigt. Kein Zeitdruck, kein frustriertes Suchen, kein Gedrängel. Und auch kein „Sehr verehrte Damen und Herren, in wenigen Minuten schließen wir.“ Ich kaufe online Lebensmittel. Zum ersten Mal.

Online Lebensmittel bestellen in Augsburg?

Seit ein paar Monaten verzichte ich bewusst auf ein Auto. Das macht es etwas komplizierter, größere Mengen Lebensmittel einzukaufen und heim zu transportieren. Einfacher wäre da ein Lieferservice. Mit dieser Einstellung bin ich nicht die Einzige: Schon jeder dritte Verbraucher in Deutschland hat 2014 Lebensmittel online bestellt. Ganz so einfach ist es in Augsburg nicht: Lieferanten von fertigen Kochboxen wie HelloFresh liefern nur vormittags in meine Ecke. Also genau dann, wenn ich im Büro bin und das Paket nicht annehmen kann. Außerdem geht es oft um mehr als nur frisches Essen. Damit fällt auch die Rollende Gemüsekiste weg. Denn was ist, wenn ich neben Vitaminen auch Nudeln brauche? Oder Marmelade? Und wenn wir schon dabei sind: Shampoo? WC-Reiniger? Müllbeutel? Solche Wünsche erfüllen die Lieferdienste von Allyouneedfresh und Edeka24. Zumindest theoretisch. De facto bringt aber DHL die Einkäufe, was heißt: irgendwann (!) zwischen 8 und 16 Uhr. Prima, wenn man einen Home-Office-Tag einlegen kann. Für alle anderen: sehr unpraktisch.

Im Test: Lieferservice von Rewe

Nach einigen Recherchen ist mein Plätzchen-Zutaten-Bote der Lieferdienst von Rewe geworden. Er ist nämlich der einzige, der auch nach 18 Uhr liefert und zwar innerhalb eines zweistündigen Zeitfensters, das ich mir selbst aussuchen darf. So kann ich entspannt nach Hause fahren und die Sachen entgegennehmen. Was bis 23 Uhr des Vortags bestellt wurde, kommt am nächsten Tag an. Die Bestellung selbst funktioniert genauso, wie man es aus anderen Onlineshops kennt. Dabei gilt ein Mindestbestellwert von 40 Euro für die Waren, die bis direkt vor die Tür gebracht werden – bei den ersten drei Bestellungen sogar frei Haus.

Technische Umsetzung lässt Wünsche offen

Die Auswahl an Artikeln und Marken ist ordentlich. Bei den meisten Artikeln sind die Nährwerte angegeben. Ansonsten sind die Produktbeschreibungen teilweise aber recht dürftig und Produktfotos lassen sich nicht vergrößern. Wenn man sowieso immer dieselben Marken kauft, fällt das nicht weiter auf. Bei unbekannten Produkten ist es aber lästig, woanders nach Infos suchen zu müssen. Hier sollte Rewe dringend nachbessern.

Prinzipiell empfehle ich, nur an einem Rechner oder zumindest mit dem Tablet einzukaufen. Auf dem Handybildschirm wird es schnell unübersichtlich. Die Suche funktionierte mit Firefox, Explorer und Chrome, allerdings nicht in allen gleich gut. Mal gab es Probleme bei Artikeln mit Umlauten („Ofenanzünder“, „Kuvertüre“), die nur über Umwege gefunden werden. Ein andermal zickte die Artikelvorschau.

Die Lieferung

Meine Bestellung kam am nächsten Tag an – und zwar verlässlich innerhalb des vereinbarten Zeitfensters. Zwar hatten sie keine Mokkabohnen mehr in dem Rewemarkt, aus dem die Waren kamen. Dafür wurde ein Ersatzartikel mitgeschickt. Einen solchen gibt es ohne Aufpreis, falls er teurer ist als der bestellte. Insgesamt war alles sehr sorgfältig in Papiertüten verpackt; Artikel, die gekühlt werden müssen, in einer extra Plastiktüte. Damit hatte ich natürlich sehr viel mehr Plastik-/Papierabfall, als wenn ich mit Korb/Kisten einkaufen gehe. Immerhin brachte der freundliche Lieferant alles direkt bis in meine Küche. Ein großes Plus!

Eindeutiges „Ja“ für den Online-Lieferservice

Nach dem Testlauf mit einem Online-Lieferservice habe ich entschieden: Die Zeiten, in denen ich Zwölferpacks Toilettenpapier, Saftflaschen und Waschmittelcontainer in der Straßenbahn nach Hause schleppe, sind für mich endgültig vorbei. Ich kann den Lieferservice absolut empfehlen – eine echte Erleichterung für berufstätige Menschen, die unabhängig von Ladenöffnungszeiten einkaufen möchten. Gerade bei Trockenwaren oder Drogerieartikeln geht man kein Risiko ein. Gekühlte oder sogar gefrorene Artikel kommen ohne Unterbrechung der Kühlkette nach Hause – jeder Lieferwagen ist entsprechend ausgestattet, wie mir der Lieferant bestätigte. Ein kleines „aber“ bleibt für mich jedoch. Denn auch, wenn ich den Rewe-Mitarbeitern zutraue, Gemüse und Obst für mich auszusuchen und zu packen: den gelegentlichen Besuch auf dem Stadtmarkt oder im (Bio-)Laden will ich mir dann doch nicht nehmen lassen. So viel Zeit muss einfach sein.

 

Das Ergebnis im Überblick:

Nerviges Popup für Postleitzahl
Keine/ungenaue Produktbeschreibungen
Produktfotos lassen sich nicht vergrößern
Einkauf verursacht mehr Abfall (Tüten)
Mindestbestellwert 40 Euro
+ Einkaufen zu jeder Zeit
+ Lieferung bis 22 Uhr, Terminblock (zwei Stunden) frei wählbar
+ Alles aus einer Hand
+ Bestellvorgang intuitiv
+ Weniger unnütze Impulskäufe
+ Gute Auswahl an Artikeln
+ Gemüse auch einzeln bestellbar (z.B. zwei Karotten)

 

Über Elke Brown

Kommunikative Kontakterin, kreative Texterin und Frau für alles Technische bei candid communications. InDesign-, WordPress- und Pixelwelten-Fan.

» Augschburg, Pinnwand » Plätzchenzutaten aus dem Internet
Am 17. Dezember 2015
Von
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11 Antworten auf "Plätzchenzutaten aus dem Internet"

  1. Markus Meier sagt:

    Wie Du richtig schreibst: Sollten wir uns alle noch die Zeit nehmen, auch einen Einkauf als „sinnliches Erlebnis“ zu zelebrieren -> Stichwort „Stadtmarkt“. In Deinem Fall super praktisch – ich habe noch den Luxus eines Autos und der zeitlichen Möglichkeit, die Einkäufe so zu legen, wie ich will.
    Danke für Deinen Bericht und Deine Erfahrung 🙂

    • Elke sagt:

      …eben. Mit so vielen Leckereien direkt um’s Eck…und mal schauen, wenn das mit dem SWA carsharing gut klappt, bin ich vielleicht auch mal wieder per Auto unterwegs. Darüber berichte ich dann demnächst 😉

  2. Liebe Elke, das klingt ja super. Ich werde wohl nicht auf mein Auto verzichten. Aber wenn man immer bei Lidl oder Netto einkauft sind manche Artikel, die man dann bequem online bestellt sicher sinnvoll. Werde bei Gelegenheit testen. Bin auch schon gespannt auf deinen Car-Sharing Bericht.

    • Elke sagt:

      Naja, ich bin eigentlich nicht so der Lidl-/Netto-/Discounter-Einkäufer – vielleicht war Rewe mir auch deswegen sympathisch, weil sie in Richtung Markenartikel gehen. Aber keine Ahnung, wenn Lidl der einzige Dienstleister gewesen wäre der auch abends und bis zu mir raus liefert – Klopapier und Waschmittel hätte ich von da wohl auch genommen. 😉 Solltest du es tatsächlich ausprobieren, dann lass mich wissen, wie dein Eindruck war.

  3. Matthias sagt:

    Liebe Elke,
    danke für den Bericht und die Erfahrung. Ich stehe diesen Lieferdiensten sehr kritisch gegenüber. Auch Amazon will ja wohl in Kürze in den Lebensmittelmarkt einsteigen. Klar, es erscheint erst einmal praktisch, wenn man nach 20 Uhr einkaufen kann. Da ich allerdings die Ladenschlusszeiten für sehr wichtig halte (sowohl wochentags als auch am Sonntag) werden diese durch Lieferdienste wie Rewe „ausgehebelt“, wenn das Bestellte bis 22 Uhr ausgeliefert wird. Was das für die Heerschar an Lieferdienstfahrern, meist zu Dumpinglöhnen, unter extremem Zeitdruck bedeutet, wird dabei aber selten beleuchtet.

    Für schwere Waren nutze ich Fahrradanhänger oder Carsharing Autos. Mit drei Carsharing Anbietern im Augsburger Stadtgebiet sind wir da schon recht gut versorgt und es gibt vom Mini-Auto bis zum großen Transporter für jede Lebenslage ein Fahrzeug.

    Noch ein weiterer Aspekt: Es entstehen gerade bei Kühlwaren Unmengen an Verpackung und Energiebedarf (Plastik, Styropor, Kühlung durch Trockeneis) dieser Aufwand steht den oft nur sehr wenigen Kühlartikeln in keinem Verhältnis gegenüber.

    • Flo sagt:

      Zum Verpackungsoverhead: Ich habe von einer Testbestellung bei Amazon gehört (Podcast), da war nun wirklich jeder Artikel nochmals extra verpackt. Das geht definitiv in eine sehr falsche Richtung. Dabei könnten kleinere, lokale Dienste hier vielleicht mit einem exakt gegenteiligen Verfahren punkten, indem sie die (überflüssigen) Verkaufsverpackungen gleich entsorgen. Dies würde freilich einen erhöhten Personalaufwand und eine noch auszutüftelnde Lösung im Transport bedingen, was sich zwangsläufig auf den Preis auswirkt.

    • Elke sagt:

      Hallo Matthias,

      ich verstehe die Argumente durchaus. Das mit den gestressten Fahrern stimmt wohl – aber dann dürftest du auch nichts bei Amazon und Konsorten bestellen, oder bist du da dann auch so konsequent? Falls ja: Respekt!

      Bei mir ist die große Herausforderung, dass ich es nach der Arbeit einfach nicht schaffe, noch einkaufen zu gehen (von Tür zu Tür Büro –> zur mir nach Hause brauche ich 50 Minuten). Wenn ich hier in der Innenstadt gehe, muss ich alles mit der StraBa+Bus heimschleppen. Wenn ich bei mir draußen gehe, habe ich meist nicht mal eine halbe Stunde zum Einkaufen. Am Wochenende bin ich nur jedes zweite Mal hier, da fällt der Einkauf auch flach. Eine Alternative wäre das carsharing. An Weihnachten probiere ich das von SWA zum ersten Mal aus. Optimal finde ich es aber nicht, auch wegen den Ladenöffnungszeiten und wegen der Einschränkung, dass ich das Leihauto wieder da abgeben muss, wo ich es ausgeliehen habe. Wenn man es über Nacht leiht, wird es nämlich ganz schön teuer. Da kann ich dann auch mit dem Taxi fahren. Das hab ich tatsächlich auch schon überlegt, also zum Laden mit dem Bus zu fahren und dann mit dem Taxi heim. Ich bin eben gerade am ausprobieren, was für mich am besten funktioniert. Der Lebensmittel-Onlineservice ist da nur ein Teil des größeren Puzzles…

      • Flo sagt:

        „Bei Anruf Auto“ gibt’s ja auch, vielleicht passt es da mit den Abgabestellen besser?

        • Elke sagt:

          Die hatte ich tatsächlich schon mal ausgecheckt (ebenso wie das carsharing in Königsbrunn) – die Stellplätze sind aber noch weiter weg als die vom SWA carsharing. Und als Öffi-Kunde kriege ich bei letzteren natürlich noch ein paar „Goodies“. Ich werde die Konkurrenten trotzdem im Auge behalten. Man weiß ja nie, wo die nächste Station hinkommt… 😉

  4. Flo sagt:

    Insbesondere der REWE Lieferdienst fällt mir in Augsburg in erster Linie durch das Parken auf Radwegen auf. Direkt hinter DHL, DPD, UPS und Hermes. Und Baustellenfahrzeugen, nur-mal-schnell-zur-Bank-Parkern und und und. Ich selbst bestelle regelmäßig bei Amazon und kann mir insofern keinen erhobenen Zeigefinger erlauben. Aber Lieferdienste sind dennoch schon ein Problem und noch mehr Lieferdienste werden es nicht geringer machen – insbesondere, da sie wohl nicht in gleichem Maße tatsächlich zu einer Abschaffung des Privat-PKW führen. Zum Glück habe ich selbst keinen Bedarf, mir Lebensmittel liefern zu lassen. Ich kann diese entweder in kleinen Mengen mit dem Rad, in größeren Mengen per Rad und Anhänger erledigen und natürlich auch auf Wegen, die sowieso mit dem Auto zurückgelegt werden (soll’s geben – wenn auch nicht von mir 😉 mit einbauen.

    Ein weiterer Punkt, der mich an Essens-Lieferdiensten zweifeln lässt: Er verleitet zu Großeinkäufen. Großeinkäufe verleiten zu Verschwendung, etwa durch zu große Verpackungseinheiten, durch zu lange Planungszeiträume. Was potenziell zu mehr weggeworfenen Lebensmitteln führen kann. Das liegt freilich in unseren Händen, aber das machen wir ja auch heute ohne großen Anteil an Lieferdiensten mehr als schlecht – und ich befürchte, gelieferte Großeinkäufe verstärken dieses Verhalten tendentiell.

    • Elke sagt:

      Hallo Flo, ich gebe zu, dass ich bei meiner Testbestellung nur ein paar frische Lebensmittel dabei hatte (Käse, Clementinen, Brot) und hauptsächlich „Trockenware“ liefern lassen wollte. Sprich das Zeug, das voluminös und schwer ist (Waschmittel, Klopapier, Küchenrolle, Tragl Bier…), bzw. was ich auch sonst gekauft hätte (Nachfüllseife, Shampoo, Senf, Quark, Jogurt…). Von daher war das zwar ein Großeinkauf, aber der virtuelle Einkaufswagen sah auch nicht anders aus als der „echte“. Und man kann ja auch z.B. einzelne Tomaten kaufen und muss nicht das Kilopaket nehmen. Verschwendung kann ich daher nicht gelten lassen.

      Abgesehen davon: Es ist ja nicht das Ziel, ALLES online zu bestellen. Für mich ist es ein Teil des Puzzles – ich werde nach wie vor am Stadtmarkt und im Bioladen einkaufen. Und auch mal was mit der StraBa heimkarren. Oder mit dem Fahrrad. Oder mir ein Leihauto holen. Aber wenn die Zeit wirklich knapp ist, das Wetter ätzend und ich mehr als nur eine Kiste voll Sachen brauche – dann ist so ein Lieferdienst halt schon praktisch!

      Was die Menge an Lieferdiensten angeht – ja, das ist wohl echt ein Problem. Ob sich was konsolidieren würde, wenn Amazon jetzt neben dem anderen Kram auch noch Lebensmittel verschickt? Keine Ahnung…

      Und wegen den verstopften Radwegen: Ich fahre eher Abends Fahrrad, hier von der Innenstadt übers Rote Tor rauswärts. Und da hat mir noch nie jemand den Weg zugeparkt. Von daher kann ich das nicht ganz so beurteilen/nachvollziehen. Aber ich kann mir vorstellen, dass es nervt.

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