Mit eigenen Worten

Fachliches, Sprachliches Kommentare (4)

Von Berufs wegen sind Worte zu besonderen Gelegenheiten meine Spezialität. Eine Storyline entwickeln, die passende Tonalität erarbeiten und Aussagen zuzuspitzen macht Spaß – aber nur, solange die Rede für jemand Anders ist!

Eigentlich hätte es mir leicht fallen sollen, diese Rede zu schreiben: Ich kannte das Publikum, die Rahmenbedingungen, die Kernbotschaften. Das Thema war positiv besetzt und ich war zu hundert Prozent damit vertraut. Einziger Knackpunkt: Die Rednerin selbst. Nämlich ich.

Seit ich im Sommer dieses Jahres von meiner besten Freundin gefragt wurde, ob ich ihre Trauzeugin sein wolle, arbeiten die passenden Worte zu diesem sehr speziellen Anlass in meinem Kopf. Berufsgewohnheit, denn auch dort lege ich mir die Ideen und Struktur einer Story zumindest grob zurecht, bevor ich anfange, die Gedankenstränge in ein stimmiges Bild zu weben.

So viel Vorlauf wie diesmal ist sonst allerdings eher ungewöhnlich. Und verleitete dazu, in zu viele mögliche Richtungen zu denken. So sehr ich knappe Deadlines zu vermeiden versuche, so zuverlässig bringen sie einen dazu, fokussiert zu arbeiten. Anders als bei den sonst üblichen Aufträgen war ich es auch nicht gewohnt, dermaßen ausführlich gebrieft zu sein. Nachdem ich mein Bildarchiv durchforstet und mit der Familie des Brautpaars gesprochen hatte, ließ ich die letzten Jahre Revue passieren – und besaß irgendwann so viel verwertbares Material, dass ich locker mehrere Stunden Redezeit hätte füllen können. Ein Problem, mit dem ich mich sonst eher selten konfrontiert sehe.

Ich weiß noch, wie ich mit Sandra mitgefiebert habe, als sie sich im Juli für ihren „Auftritt“ auf unserer 10-Jahresfeier vorbereitete:

„Reden schreiben ist eben etwas anderes als Reden halten.“

Wer hätte gedacht, dass ich wenige Monate später in einer ähnlichen Klemme stecke: Passt die Einleitung? Ist die Rede zu gefühlvoll? Oder eher zu nüchtern? Fügen sich die einzelnen Bausteine logisch in den roten Faden ein, sind die Überleitungen zu platt? Werden alle Zuhörer abgeholt? Schreibt man eine Rede für sich selbst, gelten zwar die gleichen Grundregeln wie sonst auch. Diese konsequent anzuwenden fällt aber deutlich schwerer. Immerhin: Man kennt den Redner, wie er denkt und wie er spricht. Die Momente, in denen man innehält und sich fragt, „wie würde er das jetzt sagen?“ kommen deutlich seltener vor. Und es fällt viel leichter, mit passenden Worten die lauernden Fettnäpfchen geschickt zu umgehen – man ist ja schließlich voll im Thema drin.

Hochzeitsrede

 

So stand ich dann vergangenes Wochenende mit meinen fünf Spickzetteln, beschrieben mit 16 Punkt großer Schrift in eineinhalbfachem Zeilenabstand. Keine Zeit, mir Notizen zu geschickt gesetzten Pausen, Betonung oder Körpersprache zu machen. Egal, denn wie bemerkte schon der römische Staatsmann und Schriftsteller Cato der Ältere: „Rem tene, verba sequentur!“ – Halte dich an die Sache, die Worte werden schon folgen. So war es dann auch, selbstredend.

Über Elke Brown

Kommunikative Kontakterin, kreative Texterin und Frau für alles Technische bei candid communications. InDesign-, WordPress- und Pixelwelten-Fan.

» Fachliches, Sprachliches » Mit eigenen Worten
Am 16. Dezember 2013
Von

4 Antworten auf "Mit eigenen Worten"

  1. Dirk Otten sagt:

    Ja wie!? Und wie ist es dann gelaufen? Schöner Spannungsbogen bis hierhin; jetzt will ich doch wissen, wie es ausgegangen ist…

  2. Elke sagt:

    …die Worte flossen – und am Schluss auch die Tränen. Kernbotschaft mit dem letzten Satz also (ungeplanterweise) auf den Punkt gebracht. 😉

  3. Die Geschichte ist der beste Lehrer mit den unaufmerksamsten Schülern.

    Indira Gandhi

    • Elke sagt:

      Hallo Herr Müller-Krey, ein schönes Zitat – auch wenn ich nicht ganz sicher bin, was Sie mir damit sagen wollen? Als Einstieg für mehr: super (wie Sie ja als Redenschreiber wissen), nur für sich stehend ohne Zusammenhang: etwas verwirrend…

      P.S.: Meine Kollegin, die ebenfalls ein Zitat von Ihnen erhielt, wäre auch an einer genaueren Erklärung interessiert…vielen Dank schon mal! 😉

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