Angebissenes Herz

Die Äpfel der anderen

Fachliches Kommentare (5)

Mitte der 1990er hatten wir eine kurze, aber intensive Affäre. Seitdem versucht er immer wieder, sich in mein Leben zu mogeln – ohne Erfolg. Die Geschichte meines Lebens ohne Apple.

Man liest wieder mehr über dich, du feierst diese Tage einen runden Geburtstag. Da kommen einige Erinnerungen hoch. Ich weiß noch, wie wir uns kennengelernt haben. 1996 war das, und ich lebte seit ein paar Jahren in San Francisco. Gehört hatte ich schon öfter von dir. Total „awesome“ solltest du sein. Schick. Super easy zu handhaben. Und völlig anders als diese seelenlosen Klötze, die man damals überall sah. Ganz klar, ich musste dich haben: meinen ersten eigenen Computer überhaupt, einen PowerMac Performa 6200.

Ich und mein Mac: ein Dream-Team

Du warst aber auch ein echt heißes Teil: 100 MHz CPU, 64 MB RAM, eine Festplatte mit einer damals unglaublichen Kapazität von einem (!) Gigabyte inklusive internem Modem. Ich werde heute noch ein bisschen nostalgisch, wenn ich an das Fiepen und Quietschen denke, mit dem du mir das Tor zur digitalen Welt öffnetest. Gemeinsam erkundeten wir die (damals noch recht überschaubaren) Weiten des Internets. Dank deiner Hilfe chattete ich in Usenet-alt.-Newsgruppen und surfte stundenlang durch Seiten mit grellen GIFs und hässlicher Typo – beziehungsweise wartete darauf, dass eine Webseite endlich geladen hatte. Und, ganz wichtig: Endlich bekam ich innerhalb weniger Tage eine Antwort auf einen (jetzt elektronischen) Brief nach Hause anstatt mehrere Wochen auf Snail-Mail warten zu müssen. Ach ja – das waren noch Zeiten, als mich dein Hinweis auf eine neue E-Mail im Posteingang euphorisch werden ließ…!

Apfellos im Alltag

Was ist nur mit uns passiert? Knapp 20 Jahre später ist es, als hätte es das angeknabberte Apfel-Logo nie in meinem Leben gegeben. Kein iMac, kein iPhone. Dabei hätte ich doch allen Grund, dein Fan-Girl zu sein. Vielleicht habe ich dir insgeheim nie die Schließung von eWorld verziehen. Und auch der zaghafte Versuch anno 2004, über einen iPod Mini unsere Beziehung neu zu entfachen, scheiterte kläglich. Ein Wort: iTunes. Stattdessen begleiteten mich nun PalmPilot und Clié in einem Alltag, in dem Windows meine Nummer Eins war.

Heute sind es die anderen Leute, die dich lieben. Immer wieder reden sie mir gut zu. Dass es mit dir doch so einfach sei. Du dich weiterentwickelt hättest. Aber irgendwie haben wir uns schon vor langer Zeit auseinandergeklickt. Vor allem mit der rechten Maustaste. Und ich gebe zu: Android liegt mir einfach mehr als dein iOS. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel. Aber du kennst mich ja. Ich hatte schon immer eine Schwäche für neue Gadgets. Und wer weiß, was du in den nächsten 20 Jahren noch so auf die Beine stellen wirst – vielleicht ergibt sich bei iTV, iCar und sonstigen iVolutionen ja doch wieder eine gemeinsame Basis? Lass uns auf jeden Fall in Kontakt bleiben!

 

Das Internet 1995

eWorld

  • eWorld Ade-Seite von Apple-Enthusiast Riccardo Mori mit weiterführenden Links
  • Flickr-Album von Sonny Hung, mit eWorld-Screenshots von Andre Lipinski

Allgemeines zur Geschichte von Apple:

Über Elke Brown

Kommunikative Kontakterin, kreative Texterin und Frau für alles Technische bei candid communications. InDesign-, WordPress- und Pixelwelten-Fan.

» Fachliches » Die Äpfel der anderen
Am 23. Januar 2014
Von
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5 Antworten auf "Die Äpfel der anderen"

  1. Dani sagt:

    Simply awesomely written :-)!!!

  2. Sandra sagt:

    Faszinierend, wie Du der Versuchung konsequent widerstehst. Wie die Welt wohl heute aussehen würde, wenn Adam und Eva den Apfel vom Baum der Erkenntnis auch abgelehnt hätten? Fragt eine, die sich bekehren ließ und der Sekte vor zwei Jahren beitrat 😉

  3. Dani sagt:

    Du liebe Güte, jetzt dachte ich für ne Sekunde Sandra ist wieder katholisch. ha ha ha

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