Stempel Leichte Sprache

Deutsche Sprache, leichte Sprache

Fachliches, Sprachliches Kommentare (7)

Vor ein paar Wochen hörte ich im Radio von der leichten Sprache. Das fand ich sehr interessant. Jetzt möchte ich selbst einen Text in leichter Sprache schreiben. Oder es zumindest versuchen.

Ich telefoniere oft mit Ingenieuren.
So spricht man das: Indschenören.
Ein Ingenieur baut Sachen.
Zum Beispiel: Brücken. Oder Autos. Oder Computer.
Der Ingenieur erzählt mir von seiner Arbeit.
Ich schreibe das auf. Diesen Text
können andere Menschen lesen.
Und etwas lernen.

Halt! Leichte Sprache

Ingenieure benutzen oft schwere Wörter. Dann ist dieses Schild nützlich.

Manchmal schreiben die Ingenieure selbst einen Text.
Das nennt man Fach-Text. Beim Lesen finde ich
oft schwere Wörter. Oder lange Sätze.
Dann überlege ich:

  • Gibt es ein leichteres Wort.
  • Kann ich den Satz kürzer schreiben.
  • Wie kann ich Fremd-Wörter vermeiden.
  • Wo kann ich Verben benutzen. Verben sind Tu-Wörter.

Wenn ich fertig bin, ist der Fach-Text
leichter zu lesen. Man sagt dazu auch:
Es ist ein guter Text.

Damit der Text keine Fehler hat, muss er
geprüft werden. Das macht meine Kollegin.
Sie liest den Text genau durch.
Und streicht Fehler an. Oder schwere Sätze.
Meine Kollegin schreibt auch Texte.
Die lese ich durch. Und prüfe, ob es
ein guter Text ist. Wir arbeiten
gern zusammen. Damit alle
Texte gut sind, die wir schreiben.

Leichte Sprache im Alltag

Vor ein paar Wochen hörte ich im Radio
von der leichten Sprache. Menschen erzählten
von ihren Erfahrungen. Einer dieser Menschen
ist Maria Hütter. Sie arbeitet im Fach-Zentrum
für Leichte Sprache. Das gehört zur
Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH.
Dort ist Maria Hütter Prüferin für Leichte Sprache.
Sie hat viele Schulungen mitgemacht. Jetzt darf
Maria Hütter Texte prüfen. Und andere Menschen
ausbilden. Damit die auch Texte prüfen können.

Leichte Sprache_Maria Hütter_KLEIN

Maria Hütter vom Fach-Zentrum für Leichte Sprache.

Frau Hütter ist 5 Tage in der Woche in der Arbeit.
Das ist ein bisschen wie meine Arbeit. Frau Hütter
liest sich Texte durch. Und überlegt: Sind im Text
zu schwere Wörter. Oder zu schwere Sätze.
Die Schrift-Größe ist auch wichtig. Und der Abstand
zwischen den Zeilen. Wenn sie den Text
gut lesen kann, holt sie einen Stempel.
Den macht sie auf den Text. Das bedeutet:
Dieser Text ist in leichter Sprache.

Es gibt schon viele Sachen in leichter Sprache.
Zum Beispiel:

Regeln der leichten Sprache

Für leichte Sprache gibt es Regeln. Die Regeln
für leichte Sprache macht das Netzwerk Leichte Sprache.
Das ist ein Verein, den es seit 2013 gibt.
Leichte Sprache hilft vielen Menschen.
Zum Beispiel:

  • Menschen mit Lernschwierigkeiten.
  • Menschen, die nicht so gut lesen können.
  • Menschen, die nicht so gut Deutsch sprechen.

Die Regeln für leichte Sprache soll man einhalten,
wenn man einen Text schreibt. Damit er gut zu lesen ist.
Viele dieser Regeln helfen auch bei Fach-Texten.

Zum Beispiel:

Benutzen Sie einfache Wörter.

Gut ist: erlauben Schlecht ist: genehmigen

Benutzen Sie Wörter, die etwas genau beschreiben.

Gut ist: Bus und Bahn Schlecht ist: Öffentlicher Nahverkehr

Benutzen Sie aktive Wörter.

Gut ist: Morgen wählen wir den Heim-Beirat. Schlecht ist: Morgen wird der Heim-Beirat gewählt.

Benutzen Sie positive Sprache.

Gut ist: Peter ist gesund. Schlecht ist: Peter ist nicht krank.

Manche Regeln gelten nur für leichte Sprache. Und nicht
für Fach-Texte. Zum Beispiel: Den Genitiv vermeiden.
Den Genitiv erkennt man an dem Wort: des. In leichter
Sprache sagt man: Das Haus von dem Lehrer.
In meiner Arbeit darf ich das sagen. Aber nicht schreiben.
Weil ich mich an Grammatik-Regeln halten muss.
Grammatik heißt, dass man Wörter und Sätze richtig schreibt.
Also wie sie im Wörter-Buch stehen.
In einem Text von mir steht dann: Das Haus des Lehrers.

Schluss-Wort

Nun bin ich mit meinem Text in leichter Sprache fertig.
Ich habe viel gelernt. Zum Beispiel: Es ist schwer,
in leichter Sprache zu schreiben. Man muss über Worte
nachdenken. Und in welcher Reihen-Folge man sie schreibt.
Das ist eine gute Übung.

Fazit. Das Experiment „Leichte Sprache“ ist abgeschlossen. Für die nicht mal 4.000 Zeichen habe ich länger gebraucht als für so manchen Fachartikel. Und das nicht, weil das Thema für mich neu war. Sondern weil ich wie schon lange nicht mehr so stark gefordert war, Wörter herunterfeilen auf ihre grundlegendste Bedeutung und mit Satzstrukturen zu ringen – also genau das, was den Spaß am Texten für mich ausmacht. Was ich für mich persönlich mitgenommen habe: Ich bin unheimlich dankbar dafür, dass ich keine Lese- und Verständnisprobleme habe. Dass ich es ohne größere Probleme (wenn auch mit wenig Lust) schaffe, mich durch Bleiwüsten und Fachchinesisch durchzukämpfen. Und dass ich mich über „schöne“ Sätze, facettenreiche Wortspiele und kreative Wortneuschöpfungen immer wieder freuen kann. Deutsche Sprache, schöne Sprache.

 

Zum Weiterlesen:

 

Über Elke Brown

Kommunikative Kontakterin, kreative Texterin und Frau für alles Technische bei candid communications. InDesign-, WordPress- und Pixelwelten-Fan.

» Fachliches, Sprachliches » Deutsche Sprache, leichte Sprache
Am 3. Juli 2014
Von
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7 Antworten auf "Deutsche Sprache, leichte Sprache"

  1. Andrea sagt:

    Ein bisschen irritierend finde ich, dass Komposita (also „Wörter, die man aus mehreren Wörtern zusammen-setzen kann“ … wäre das so korrekt beschreiben in der leichten Sprache?) anscheinend grundsätzlich mit Bindestrich geschrieben werden, also auch wenn es sich um ein so kurzes Wort wie „Fachtext“ handelt. Aber wenn man damit Menschen das Lesen erleichtert, die sich samit nicht so leicht tun, ist das schon sinnvoll (auch wenn es nicht so schön aussieht in meinen Augen). Ich versuche ja auch oft, Texte einfacher zu schreiben, aber alles konsequent so stark herunterzubrechen, wie du das gemacht hast, stelle ich mir richtig anstrengend vor. Respekt!

  2. Elke sagt:

    Ja, das mit den Bindestrichen find ich auch irritirend und unschön – aber durchaus sinnvoll. Finde es eine wirklich gute Übung, Texte „leicht“ zu schreiben. Was ich schade finde: Nuancen gehen verloren. Romane in leichter Sprache lesen sich bestimmt nicht so schön. Aber gerade für Sachen wie politische Programme oder Texte von Ämtern finde ich es super. Das ist auch für Leute ohne Leseschwäche einfach viel besser zu verstehen. Und die Schreiber können sich nicht hinter platten Phrasen verstecken…

  3. Su Franke sagt:

    Ein sehr schöner Beitrag. Dankeschön. Ich beschäftige mich seit ein paar Jahren mit leichter Sprache. Vermittle sie in Kursen. Dort lernen PR-Leute das Bloggen. Es fasziniert mich sehr, dass intelligente Menschen kompliziert schreiben. Na jedenfalls ich bin Fan der Bindestrich-Schreibweise (weil die nämlich auch google mag).

    • Elke sagt:

      Ich hab den Verdacht, dass nur halb-intelligente Menschen kompliziert schreiben. Die denken nämlich, dass es sich schlauer anhört. Wirklich intelligente Menschen wissen, dass es sehr viel schwieriger ist, etwas verständlich zu schreiben, das eigentlich kompliziert ist. 😉
      Ach ja und danke für den Tipp mit Google. Das wusst ich noch gar nicht. Ist aber irgendwie logisch, dass zwei Wörter sich leichter zuordnen lassen als ein langes (das ist zumindest meine Erklärung dafür, wie Google denkt…)

  4. […] gehören, sondern sich ihren Grundwortschatz mühsam erarbeiten müssen. Denen man eher mit leichter Sprache statt mit Dialekt begegnen müsste. In einer Zeit, in der wir mobil und vernetzt sind, in der wir […]

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