ADAC-Krisenkommunikation: Der gefallene Engel

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„Traue nie einer Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.“ Dieses Sprichwort scheint sich Michael Ramstetter, der verantwortliche Kommunikationschef des ADAC, wohl etwas zu sehr zu Herzen genommen zu haben. Seit Freitag ist bekannt, dass der Autoclub die Teilnehmerzahl bei der Umfrage zum „Lieblingsauto der Deutschen“ etwas frisiert hat. Ramstetter, der selbst bestätigte, „Sch… gebaut zu haben“, zog die Konsequenzen und legte alle Ämter beim ADAC nieder.

ADAC-Krisenmanagement: Nehmen Sie sich kein Beispiel daran!

Es ist nicht klug, Vorwürfe kategorisch abzustreiten, ohne vorher die Sachlage überprüft zu haben. Wer dann auch noch Journalisten verspottet und beleidigt, kann sicher sein, den Kritikern noch weiteren Nährboden zu liefern. „Unterstellungen und Unwahrheiten“, „Nichts ist älter als die Tageszeitungen von gestern. Mit der packt man den Fisch ein.“ Mit diesen Äußerungen reagierte ADAC-Geschäftsführer Obermair auf die Manipulationsgerüchte der Süddeutschen Zeitung. Nach deren Informationen soll es nur 3.409 Stimmen für das Siegerauto VW Golf gegeben haben. Das offizielle Ergebnis wies allerdings 34.299 Stimmen aus. Nur einen Tag nach den Beleidigungen gab Obermair schließlich doch zu, dass die SZ richtig recherchiert hatte. Eine anschließende Entschuldigung sucht man allerdings vergebens. Obermair ist sich keiner Schuld bewusst. Schließlich habe man nichts von den Manipulationen gewusst. Nur der Kommunikationschef Ramstetter hätte den Überblick über die Zahlen gehabt. Einen Sündenbock zu suchen und dafür verantwortlich zu machen, reicht allerdings nicht aus, um die Krise abzuwenden. Vor allem steht die Frage im Raum, inwieweit wirklich niemand im Automobilclub davon gewusst habe oder eben bewusst die Augen davor verschlossen wurden. Mit dem Rücktritt von Ramstetter allein ist es nicht getan – auch Obermair sollte für seine Fehler einstehen. Der ADAC muss das erschütterte Vertrauen seiner 19 Millionen Mitglieder wieder zurückgewinnen. Denn nun werden auch Stimmen laut, die die ADAC-Tests infrage stellen. Ein Geschäftsführer, der Journalisten beleidigt und anstelle einer souveränen Krisenkommunikation noch dazu beiträgt, das Feuer zu schüren – meiner Meinung nach ist das nicht die richtige Basis, das Vertrauen zurückzugewinnen, oder?

 

Über Jasmin La Marca

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Am 20. Januar 2014
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2 Antworten auf "ADAC-Krisenkommunikation: Der gefallene Engel"

  1. Wenn ein Wissen reif ist, Wissenschaft zu werden, so muß notwendig eine Krise entstehen.

    Johann Wolfgang von Goethe

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