Gebrauchsanleitung für den Kommunikationskongress

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In den kommenden zwei Tagen herrscht personeller Ausnahmezustand in Deutschlands Pressestellen: Rund 1.500 Pressesprecher und PR-Spezialisten kommen in Berlin zum Kommunikationskongress zusammen, dem Klassentreffen der Branche. Das Verlangen nach Motivation – so das Fokusthema in diesem Jahr – scheint hoch. Hier eine Gebrauchsanleitung, inspiriert von Nico Lumma.

1. Die Vorbereitung
Ist natürlich schon lange gelaufen. Angesichts knapper Budgets nimmt man den Frühbucherrabatt gerne mit. Doch nicht übertreiben: Ignorieren Sie Angebote wie airbnb und Uber – das spart zwar Geld, entspricht möglicherweise aber nicht den Reiserichtlinien Ihres Arbeitgebers. Von der Diskussion darüber, ob die Belege den Anforderungen Ihrer Buchhaltung entsprechen, ganz abgesehen. Kongress-App und Teilnehmerverzeichnis runterladen – und los geht’s. Offliner drucken das Teilnehmerverzeichnis (57 Seiten) aus. Es wurde dieses Jahr zwei Tage vor Kongressbeginn per E-Mail an die Teilnehmer verschickt – ein super Service, wie ich finde. Wie sich das mit dem Datenschutz und den AGB verträgt („Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben“) wollen wir mal nicht so laut hinterfragen. Gemeinsam mit dem Kongressprogramm (74 Seiten) griffbereit ins Handgepäck packen (siehe Punkt 2). Praktisch: Da das Heft in diesem Jahr gleich zweimal per Post verschickt wurde, nimmt man das aktualisierte mit und hat später noch eines als Andenken.

2. Die Anreise

Erfolgt nach Berlin bevorzugt mit dem Zug – klimaneutral mit Ökostrom. CSR verpflichtet. Außerdem ist das mit dem Flughafen ja so eine Sache in der Hauptstadt. Überhaupt ist das Bahnfahren viel kommunikativer als das Fliegen. Mithilfe des Twitter-Dienstes @dblocator lässt sich schon beim Reiseantritt feststellen, ob sich im Zug gesprächsbereite Mitreisende befinden. Offliner platzieren dazu das Programmheft so, dass es für jeden gut sichtbar ist. Das erfüllt den gleichen Zweck. Wer (noch) keine Lust auf Kommunikation verspürt, nutzt die Zeit, um das Kongressprogramm und die Teilnehmer zu sichten.

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3. Mitgliederversammlung und Warmup

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Für alle, die schon am Mittwochabend anreisen. Für die, die sich in den Gremien des Bundesverbands deutscher Pressesprecher (BdP) engagieren. Und für die, die nicht mehr an ihrem Vortrag schleifen. 😉

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4. Einchecken
Zwischen 8.15 und 9.00 Uhr. Angesichts der Menge an Teilnehmern gut organisiert. Und kommunikativ. Denn jetzt kann man sich in der Kommunikation in der Warteschlange üben und dabei neue Kontakte schließen. Gelegenheiten, das während des Kongresses anzuwenden gibt es: an der Garderobe, an der Gepäckaufbewahrung, am Buffet und vor den Toiletten.

5. Das Programm

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Bestimmt haben Sie sich an der Abfrage der Veranstalter beteiligt und schon vorab genau gewusst, welche der mehr als 100 Keynotes, Diskussionen, Best Cases und Workshops Sie besuchen werden. Haben Sie (auch) nicht? Bewundernswert, dass es den Veranstaltern trotzdem immer wieder gelingt, die unterschiedlich großen Räume so zu verteilen, dass das große Chaos ausbleibt.

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Nicht immer halten die Veranstaltungstitel, was sie versprechen (wir Kommunikatoren sind eben geübt darin, Themen ansprechend zu verpacken). Dafür entpuppen sich vermeintliche Mauerblümchen-Themen als hintergründige und spannende Sessions. Twitterer sind dann klar im Vorteil: Sie erfahren in Echtzeit, welches Thema und welcher Referent besonders gut ankommen. Unter dem Hashtag #kk14 wird mit Lob und Kritik nicht gespart. So können sie spontan und gezielt den Raum wechseln. Rücksichtsvoll ist es, wenn Sie sich als latenter Raumpendler an den Rand und nah zur Tür setzen, um möglichst wenig zu stören. Offliner können bestimmt auch in diesem Jahr wieder auf einer Twitterwall im Ausstellungsbereich nachlesen, was sie womöglich gerade verpassen oder verpasst haben. Livestreams gibt es leider nur von ausgewählten Sessions und die Aufzeichnungen sind auch nur begrenzte Zeit verfügbar.

6. Zwischen den Veranstaltungen
Natürlich Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation. Mit Kollegen, Bekannten, Freunden und Ausstellern. Darüber nicht vergessen, Tageslicht zu tanken und Berliner Luft zu schnuppern.

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Ich habe den Kongress bisher immer bei sonnigem Herbstwetter erlebt, so dass sich im Hof spontan Grüppchen bilden und schöne Gespräche ergeben. Natürlich kann ein Kommunikationskongress auch andere Formate: Worldcafé, Fish Bowl, Speednetworking, Pecha Kucha, Networkingpoint.Wem gerade nicht nach Dialog ist, für den liegen die wichtigsten Tageszeitungen sowie Fachmedien rund um Kommunikation aus. Das WLAN tröstet darüber hinweg, dass man nicht überall im Gebäude Netzempfang hat. Also besser Whatsapp oder Twitter nutzen statt SMS, um sich zu verabreden. Gespannt bin ich darauf, ob es die PC-Stationen mit Internetzugang noch gibt: Es sind in den vergangenen Jahren immer weniger geworden. Auch wenn die meisten Besucher des Kommunikationskongresses immer noch weit von der Online-Kultur einer republica entfernt sind: Smartphones und Tablets sind inzwischen nicht nur als Statussymbol Standard, sie werden auch genutzt.

Unverzichtbar: Den besten Kaffee und eine Tankstelle für mobile Geräte gibt es bei newsaktuell.

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7. Die Speakersnight
Nach Admiralspalast und Friedrichstadtpalast diesmal an neuer Location: im Stage Theater am Potsdamer Platz. Hier feiert sich die Branche auf einer rauschenden Galaveranstaltung selbst – ganz unter dem Motto sehen und gesehen werden. Dresscode entsprechend! Mit dem „Goldenen Apfel“, dem Oscar der Kommunikationsbranche, wird die „Pressestelle des Jahres“ ausgezeichnet. Außerdem wird ein Nachwuchsförderpreis an den Absolventen eines Kommunikationsstudiengangs für seine Abschlussarbeit verliehen. Durch den Abend führt jedes Jahr charmant Jörg Thadeusz. Showact ist dieses Jahr Ivy Quainoo, Gewinnerin von „The Voice of Germany“. Stellen Sie sich auf einen langen Abend ein. Die interessantesten Gespräche werden hier geführt. Schön auch die Erkenntnis: Auch Pressesprecher sind ganz normale Menschen. Je später die Stunde, umso lockerer werden sie. Zurück ins Hotel kann man dann mit dem Limousinen-Shuttle fahren – man gönnt sich ja sonst nichts.

8. Der zweite Kongresstag
Beginnt offiziell um 9.00 Uhr, gefühlt viel zu früh. Die Speakersnight fordert ihren Tribut. Wichtig: Kaffee (siehe Punkt 6)! Und: vor der Keynote die Kongresszeitung checken. Die Redaktion des pressesprecher, die übrigens auch den Twitter-Account @kkongress füttert, produziert über Nacht eine Sonderpublikation (print, was sonst?) mit den Höhepunkten des ersten Kongresstags und den schönsten Momenten der Speakersnight. Wer mit Bild und Zitat drin ist, hat es geschafft! Ab mittags beginnen die Auflösungserscheinungen: Die ersten zieht es nach Hause ins Wochenende, die anderen wollen noch die Stadt genießen. Doch es heißt Durchhalten bis zum Presseclub, einer der Höhepunkte des Kongresses. In lockerer Runde lassen Koryphäen der deutschen Medienwelt die Themen des Jahres Revue passieren – respektlos und bissig moderiert von Hajo Schumacher. Lacher garantiert!

9. Abreise
Siehe Anreise. Statt Kongressbroschüre gibt man sich nun durch das Armbändchen als Teilnehmer des Kommunikationskongresses zu erkennen. Wahlweise durch das vergessene Namensschild am Revers. Verabschiedungs- und Dankeschön-Tweet nicht vergessen! Offliner holen das beim Ausfüllen des Feedback-Fragebogens (online!) nach.

10. Berlin Berlin
Ist immer eine Reise wert. Warum also nicht das Wochenende dranhängen? Was gerade los ist, erfährt man unter http://www.visitberlin.de. Einen großen Bogen werde ich um den Alexanderplatz machen. Die Karikatur des Oktoberfests ertrage ich als gebürtige Münchnerin einfach nicht. Umgekehrt scheinen die Berliner inzwischen nicht nur mit zugezogenen Schwaben ein Problem zu haben, sondern auch mit Touristen: Also Vorsicht, wenn Sie mit dem Trolley unterwegs sind. 😉

Für mich geht der Kongress- und Kommunikationsmarathon am Sonntag mit dem Berlin Marathon zu Ende – als Zuschauer. Einige der Kongressteilnehmer sind dort als Läufer unterwegs. Respekt! Und wer weiß: Vielleicht hole ich mir in den nächsten Tagen ja die nötige Portion Motivation, um irgendwann selbst mal einen Marathon zu laufen.

Über Sandra Strüwing

Kommunikatorin und Netzwerkerin aus Leidenschaft. Liebstes Hobby und persönlicher Anspruch: candid communications.

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Am 25. September 2014
Von
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2 Antworten auf "Gebrauchsanleitung für den Kommunikationskongress"

  1. Elke sagt:

    Herzlich geschmunzelt beim Lesen! Viel Spaß dort!

  2. […] bereits besucht und weiß, worauf ich mich einlasse. Meine Erfahrungen habe ich vorab in einer Gebrauchsanleitung […]

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