Kommunikationskongress 2014

Kommunikationskongress 2014: ein Kaleidoskop

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Zufrieden und voller Ideen komme ich in diesem Jahr zurück vom Kommunikationskongress. Ein kritischer Rückblick.

Dass man den Kommunikationskongress nicht mit der republica vergleichen darf, darüber hat Elke schon geschrieben. Ich habe beide Veranstaltungen bereits besucht und weiß, worauf ich mich einlasse. Meine Erfahrungen habe ich vorab in einer Gebrauchsanleitung zusammengefasst.

Weil Storify mich gerade wieder einmal ärgert und keinen Text zur Tweetauswahl zulässt, muss ich hier ein paar Anmerkungen ergänzen.

Die Organisation war top!
Lange Schlangen habe ich diesmal nicht erlebt. Auch die Raumaufteilung hat wieder erstaunlich gut funktioniert. Mit wenigen Ausnahmen: Die Pecha-Kucha-Session war offenbar so heiß begehrt, dass leider einige Interessierte draußen bleiben mussten.

Über Krawatten und Damen
Beim Dresscode dominiert nach wie vor Anzug mit Krawatte – zumindest bei den vielen Herren, die reichlich im Auditorium und überproportional auf den Podien repräsentiert waren. Bin gespannt, ob sich das im kommenden Jahr ändert: weniger Krawatten („Reisepass für Arschlöcher“ – Zitat Willemsen, der selbst eine trug) und mehr Damen auf den Podien.

Keynotes: Willemsen ein Höhepunkt, Kelly eine Überraschung
Willemsen war mit der ersten Keynote des Kongresses für mich auch gleich der Höhepunkt. Ein rhetorisch brillanter und intellektuell fordernder Vortrag über die Kunst des Streitens, der hoffentlich lange zum Nachhören verfügbar sein wird.

Überhaupt die Keynotes: Sie waren durchweg auf hohem Niveau. Schade, dass es diesmal nur vom Presseclub einen Livestream für die Daheimgebliebenen gab. Für mich die größte Überraschung: Joey Kelly.

Leitthema „Motivation“
Zum Leitthema „Motivation“: Ich war überrascht zu hören und zu spüren, wie viel Frust in der Branche mitunter vorhanden ist. Noch immer muss offenbar das Mantra wiederholt werden, dass das Internet mit hoher Wahrscheinlichkeit bleiben und große Veränderungen für die (Unternehmens-)Kommunikation mit sich bringen wird. Einen Grundkurs dazu lieferte zum Beispiel Kanzleramtschef Peter Altmaier in seiner Keynote. Fast könnte der Eindruck entstehen, je länger man darüber redet und diskutiert, desto länger könne man auf Altbewährtes setzen und aufschieben, etwas Neues anzupacken. Dabei ist unbeschwertes Experimentieren gefordert – Handeln, bei dem Fehler erlaubt sind („You have to admit failure“, Altmaier; „Fail harder“, Tina Kulow).

Diskussion über Kommunikationshoheit noch zeitgemäß?
Irritierend finde ich auch die ebenso andauernde wie müßige Diskussion darüber, wer denn nun die Kommunikationshoheit besitze. Session-Titel wie „Kommunikation vs. Marketing vs. Vertrieb – Quo vadis, PR?“ oder „Journalismus contra PR, PR contra Journalismus“ sagen viel über die vorherrschende Geisteshaltung aus. Ebenso die Berufsbezeichnung „Kanalarbeiter“, die ich zum ersten Mal gehört habe. Oder das spitzfindige Statement von Thomas Mickeleit: „Content Marketing segelt unter falscher Flagge“. Ist es noch zeitgemäß, Disziplinen gegeneinander zu positionieren, die miteinander statt gegeneinander arbeiten sollten? Beneidenswert die kleinen Unternehmen, die diese politische Diskussion mangels Ressourcen gar nicht erst führen müssen und so ihre Kommunikation schon aus der Not heraus erfrischend unkonventionell gestalten können. Erfreulich auch die Newsroom-Ansätze, die von Themen (Stichwort: Storytelling), nicht von Disziplinen oder Kanälen getrieben werden.

Forderung nach Qualitätsjournalismus
Bezeichnend auch, wie vehement die Branche Qualitätsjournalismus einfordert. „PR zittert längst nicht mehr vor Bild und Spiegel“, so etwa Oliver Schumacher von der Deutschen Bahn. Sie wünscht sich „kritische, informierte und professionelle Gesprächspartner“ auf Augenhöhe. Ob der Ruf gehört wird? Die radikalen Einsparmaßnahmen und Entlassungswellen vor allem bei Printpublikationen lassen anderes vermuten. Entsprechend ernst war auch die Diskussion im abschließenden Presseclub – natürlich auch dem aktuellen Weltgeschehen geschuldet.

Speakersnight
Nennt mich eine Spaßbremse: Aber auf der Speakersnight haben die Veranstalter für mich eine Grenze überschritten. Der Einspieler zur Nachwuchspreisträgerin ging gar nicht. Wieso führt man das private Umfeld einer jungen Absolventin, die sich auf der Veranstaltung im besten Licht vor potenziellen Arbeitgebern präsentieren möchte, so vor? Offenbar wusste sie nichts davon und wurde auf der Bühne erstmals damit konfrontiert. Ich habe höchsten Respekt davor, wie souverän sie damit umgegangen ist. Hätte es nicht eine Umfrage auf dem Campus getan? Unter Dozenten und Kommilitonen?

Austausch mit Kollegen aus der Praxis
Wie das so ist auf solchen Veranstaltungen: Am meisten haben mir die Berichte aus der Praxis gebracht. Und natürlich die Gespräche mit Kollegen und Kunden. Vergangenes Jahr ist hier zum Beispiel die Idee für das Rotation Curation-Projekt @IchbinAugsburg entstanden. Und dieses Jahr? Mal schauen…

Und hier ist er nun: mein Rückblick, ein Kaleidoskop in Tweets.

Über Sandra Strüwing

Kommunikatorin und Netzwerkerin aus Leidenschaft. Liebstes Hobby und persönlicher Anspruch: candid communications.

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Am 1. Oktober 2014
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