Sprachliche Irrungen und Wirrungen (Teil 2): Kommaregeln!

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Widmen wir uns heute mal den Kommaregeln – auch so ein typischer Fall für Irrungen und Wirrungen. Die Rechtschreibreform hat mit ihren vielen Kann-Regeln sicher dazu beigetragen, dass man oft nicht mehr weiß, wo nun Kommas zu setzen sind, wo nicht und wo beides möglich ist.

Kommas? Moment mal, muss das nicht „Kommata“ heißen? Beides ist richtig, denn auch in der Pluralbildung gibt es mitunter zwei Möglichkeiten. Noch ein Fall für Irrungen und Wirrungen – und vielleicht ein Thema für einen weiteren Blogbeitrag? Aber zurück zu den Kommaregeln.

Ein bunter Strauß an Regeln – aber wie viele sind es genau?

33 stehen im Duden, durch nummeriert von Nr. 100 bis 132. Allerdings lassen sie sich grüppchenweise nach acht Gesichtspunkten zusammenfassen, was bei der Orientierung hilft. Der Fachverlag für Kommunikation und Management hat 17 Regeln zusammengestellt, die Sekretärinnen kennen sollten. Eine ähnliche Anzahl (16) listet das Grammatik-Woxikon auf. Schüler müssen heute laut Focus nur noch sieben anstelle von vorher 52 Regeln beherrschen, aber schaut man sich deren Texte an, kommt einem schon manchmal das Gruseln. Sie scheinen bei der Kommasetzung einem inneren Gefühl zu folgen – das da lautet: Man lasse Kommas einfach weg. Das kann aber auch fatal sein, denn:

Satzzeichen können Leben retten

T-Shirts, die diesen Hinweis in Verbindung mit Sätzen wie „Wir grillen jetzt Opa“ oder „Wir essen jetzt Kinder“ aufgedruckt haben, werben auf lustige Weise für die Kommasetzung, die in Fällen wie diesen eben für das richtige Verständnis notwendig ist. Auch um Ehen zu retten, gibt es passende Aufdrucke – hier lautet der (kommalose) Satz „Was willst du schon wieder?“ Ein Komma nach dem ersten Wort könnte das Liebesleben beflügeln! In der gesprochenen Sprache wird die Bedeutung solcher Sätze durch Betonung und Sprechpausen klar. Wir setzen beim Sprechen sozusagen imaginäre Kommas. In der geschriebenen Sprache brauchen wir Satzzeichen für ein eindeutiges Verständnis.

Vom gegensätzlichen Trend, nämlich zu viele Kommas zu setzen, am besten gleich nach jedem Wort, ist dagegen noch nichts zu spüren. Und das, obwohl die Bundesregierung angeblich eine passende Satzzeichen-Reform beschlossen hat, wie Eine Zeitung im November 2012 berichtete. 😉

Rechtschreibreform: Fluch oder Segen?

Wie Die Welt vor kurzem herausgefunden hat, hat sich dank der Rechtschreibreform die Fehlerquote bei Schülern verdoppelt. Jedoch tun sich auch Menschen, die noch mit der alten Rechtschreibung groß geworden sind, schwer mit der Kommasetzung. Viele scheinen nach folgendem Prinzip vorzugehen: Man schreibe einen Text, nehme dann eine Handvoll Kommas und werfe sie irgendwo hinein.

„Genglish“ Kommaregeln

Einer der häufigsten Fehler, der auch von erfahrenen Textschreibern gerne gemacht wird, ist wohl dem Englischen geschuldet: das Komma nach einer einleitenden Adverbiale. Wo im Englischen das Komma richtig ist (Beside the house, there was a huge tree), darf im Deutschen hier keines stehen (Neben dem Haus stand ein riesiger Baum). Wird dennoch immer wieder gern gemacht. Je länger die einleitende Adverbiale, umso verlockender ist es, danach ein Komma zu setzen (getreu dem Motto: Es wäre halt wieder mal an der Zeit für ein Komma – nach so vielen Wörtern). Auch meine liebe Kollegin, die lange Zeit in den USA lebte, blieb davon nicht unverschont. In ihren erstklassigen Texten verirrt sich gerne ab und zu eines dieser „genglish“ Kommas. Da sie mich dann meist um Rat fragt, habe ich bei ihr schon den Ruf als „Komma-Queen“. Das ist nun aber wirklich zu viel der Ehre, denn auch ich setze Kommas oft nach Gefühl und könnte wohl kaum auswendig die sieben, 17 oder 33 Regeln aufzählen, die es gibt.

Deppenleerzeichen und Idiotenapostrophe

Der Einfluss der Englischen auf unsere Sprache führte noch zu weiteren Unsitten in der Rechtschreibung. Zu erwähnen sind hier das Deppenleerzeichen und der Idiotenapostroph bzw. Deppenakzent. Wer zusammengesetzte Wörter, von denen es im Deutschen jede Menge gibt (man denke nur an Donaudampfschifffahrtskapitänsmütze), gerne getrennt voneinander und dann auch noch ohne Bindestriche schreibt, oder wer meint, die Plural- oder Genitivform von „Foto“ heißt „Foto’s“, der sollte sich einfach mal die verlinkten Webseiten dazu anschauen. Empfehlenswert, weil sehr unterhaltsam, auch für diejenigen, die die Regeln schon beherrschen! Besonders die Apostrophitis scheint immer mehr um sich zu greifen, wie die Fundstücke auf weiteren Seiten (Apostrophen-Alarm, Deppenapostroph oder Apostrophitis) zeigen.

Der natürliche Feind des Deppenleerzeichens ist übrigens der Deppenbindestrich. Er steht da, wo eigentlich ein Leerzeichen stehen müsste. Wenn auf der Damentoilette „WC-Damen“ steht (anstelle von korrekt „WC Damen“ als Kurzform für „WC für Damen“), sind damit die Damen gemeint, die einen Obolus für die Toilettenreinigung entgegennehmen. Die Bedeutung eines zusammengesetzten Wortes leitet sich immer vom letzten Teil des Begriffs ab, bei einem Damen-WC handelt es sich um ein WC, eine WC-Bürste ist eine Bürste, ein Bürstenverkäufer ist ein Verkäufer etc. Und WC-Damen sind nun mal Damen.

Mit diesem Exkurs sind wir jedoch schon bei anderen sprachlichen Themen, die für Irrungen und Wirrungen sorgen: Getrennt-/Zusammenschreibung oder auch gezielt falsche Schreibweisen, die aufgrund von Marketingmaßnahmen entstanden sind. Möchte jemand damit diese Blogserie fortsetzen? Oder ein ganz anderes sprachliches Fass aufmachen? Gastbeiträge sind willkommen!

Über Andrea Finkel

Die Komma-Queen: begeistert sich für alles, was mit Sprache zu tun hat – auch Grammatik und Rechtschreibung. Komplexe Themen wecken ihren Ehrgeiz.

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Am 6. Dezember 2013
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