Meine Woche auf @IchbinAugsburg – ein Resümee

Augschburg Kommentare (1)

Am 25. November haben wir @IchbinAugsburg gestartet – ein Rotation Curation Projekt, bei dem 52 Kuratoren abwechselnd je eine Woche lang Twitter-Botschafter für ihre Stadt sein dürfen. Als erste Kuratorin erlebte ich eine spannende und abwechslungsreiche Woche, in der ich viel lernen durfte. Über Augsburg. Über Menschen. Über Twitter und Technik.

Mit welchem Tweet beginnen? Diese Frage geisterte mir schon Wochen vorher durch den Kopf. Ich entschied mich für das Brecht-Gedicht „Die Städte sind für Dich gebaut“.

Zum Start ein Gedicht eines berühmten Sohnes der Stadt an unsere Gäste:

DIE STÄDTE SIND FÜR DICH GEBAUT

Sie erwarten dich freudig.

Die Türen der Häuser sind weit geöffnet. Das Essen

Steht schon auf dem Tisch. Da die Städte sehr groß sind

Gibt es für die, welche nicht wissen, was gespielt wird, Pläne

Angefertigt von denen, die sich auskennen

Aus denen leicht zu ersehen ist, wie man auf dem schnellsten Wege

Zum Ziel kommt.

Da man eure Wünsche nicht genauer kannte

Erwartet man natürlich noch eure Verbesserungsvorschläge

Hier und dort

Ist etwas vielleicht noch nicht ganz nach eurem Geschmack

Aber das wird schleunigst geändert

Ohne daß ihr euch einen Fuß ausreißen müßt.

Kurz ihr kommt

In die besten Hände. Alles ist seit langem vorbereitet. Ihr

Braucht nur zu kommen.

Schnell war mir war klar, dass das spontane Nebenbei-Twittern, wie ich es privat pflege, nicht klappen würde. Also mussten Ideen her und in meinen Alltag integriert werden. Die Jakobervorstadt, in der ich wohne, bot jede Menge Stoff. Das Brechthaus zum Beispiel und die Fuggerei, durch die ich einen virtuellen Rundgang mit Bildern und historischen Infos gestaltete. Ich nahm meine Follower mit zur Eröffnung des Christkindlesmarkts, auf den Stadtmarkt, in meine Lieblingskneipe und zum Joggen am Lech. Themen waren auch die Lechkanäle und Augsburgs Interessenbekundung als Welterbestätte, die aktuelle Ausstellung mit Werken von Paul Klee im H2 und die neu gestaltete Moritzkirche. „Mensch Sandra, Du musst den anderen doch auch noch Themen lassen“, bekam ich von meinen Kolleginnen im Büro zu hören. Im Laufe der Woche lief ich immer aufmerksamer durch die Stadt und stolperte über Bildmotive und Themen, die ich vorher gar nicht bewusst wahrgenommen oder noch nie vertieft hatte. Es war, als hätten sich liebe Freunde zu einem Besuch angekündigt und ich überlegte, was ich ihnen alles zeigen wollte. Am Ende der Woche ist mir klar: Es sind genug Themen für alle da, ich alleine könnte das ganze Jahr füllen. Doch das Projekt lebt gerade davon, dass verschiedene Menschen ihre Stadt aus unterschiedlichen Perspektiven schildern und so zeigen, wie bunt und vielfältig Augsburg doch ist. Damit wird @IchbinAugsburg auch zu einem spannenden sozialen Experiment. Die interessantesten Tweets aus meiner Kuratoren-Woche könnt ihr auch auf Wakelet nachlesen. Viel Spaß dabei!

Was mich besonders freut: wie schnell sich Dialoge entwickelten und sich neue Follower anschlossen. Menschen, die hier leben. Menschen, die hier geboren wurden, inzwischen weggezogen sind und den Draht zu ihrer Heimatstadt aufrechterhalten. Menschen, die als Touristen zu Besuch sind. Immer weiter zogen sich die Kreise derer, die diese Stadt lebens- und liebenswert finden. Und: Twitter zeigte, wie viel Power in ihm steckt. Ich hatte einen japanischen Eintrag aus dem öffentlichen Gästebuch der Fuggerei gepostet – am Tag darauf hatten wir die Übersetzung.

Es gab aber auch die ein oder andere technische Hürde zu nehmen. Obwohl ich gewohnt bin, auf unterschiedlichen Geräten mit mehreren Accounts parallel zu twittern, zeigten sich meine Geräte anfangs verwirrt. Die Twitter-App für’s iPhone akzeptierte zunächst den neuen Account nicht, das iPad mochte auf einmal keine Bilder mehr verschicken und gab kryptische Fehlermeldungen von sich. Auf einmal musste ich mich mit neuen Oberflächen auseinandersetzen: Die Kapazität meines Hootsuite-Kontos, mit dem ich sonst twittere, war ausgeschöpft. Und auch das Twibbon, mit dem Follower das Projekt unterstützen können, wollte nicht immer so wie wir. Heute Vormittag kämpften wir noch mit der Passwort-Übergabe an den zweiten Kurator. Beim Ausprobieren vorher hatte doch alles noch so schön geklappt.

Eines ist klar, die technischen Hürden lassen sich umgehen. Und die bisherige Resonanz lässt uns zuversichtlich sein, dass sich das Projekt über den Zeitraum von 52 Wochen trägt. Nach einer Woche haben wir die 100-Follower-Marke geknackt, die ersten Bewerbungen als Kuratoren sind auch schon eingegangen. Allen folgenden Kuratoren, allen die sich in den Dialog einbringen und denen, die nur mitlesen, wünsche ich ebenso viel Spaß wie ich ihn hatte.

Und hier noch ein paar Tipps und Erfahrungen, die ich in meiner Twitter-Woche gesammelt habe:

1. Themen sammeln und vorbereiten: Ohne Redaktionsplan hätte sich das Twittern nicht ohne weiteres in meine volle Arbeitswoche integrieren lassen. Für die historischen Fakten habe ich in meiner Privatbibliothek geblättert, mich inspirieren lassen vom Stadtlexikon  und vom Augsburg-Wiki. Platz für die Spontaneität, die Twitter ausmacht, bleibt natürlich trotzdem!

2. Morgens, mittags, abends: Die meisten Twitterer (zumindest in unserer Zeitzone und wenn sie nicht gerade eine Morningshow moderieren) sind morgens (zwischen 7 und 9 Uhr), mittags (zwischen 12 und 14 Uhr) und abends (zwischen 18 und 22 Uhr) aktiv. Entsprechend habe ich meine Themen getaktet und Dialoge angestoßen.

3. Auch mal geschwätzig sein: Als Kommunikationsberaterin bin ich sicher nicht auf den Mund gefallen. So mitteilsam war ich auf Twitter aber auch noch nie zuvor. Mehr als 400 Tweets habe ich vergangene Woche über @IchbinAugsburg verschickt. Zum Vergleich dazu habe ich es auf meinem privaten Twitter-Account innerhalb der letzten vier Jahre gerade mal auf rund 5.300 Tweets gebracht. Gerade zu Beginn des Projekts benötigten wir Traffic und wenn ich – so wie am Wochenende – nicht so viel twitterte, machte sich das auch gleich bei den Followerzahlen und im Dialog bemerkbar.

4. Dialog führen: „Kennt Ihr Filme, die in Augsburg gedreht wurden?“, „Was habt Ihr heute gemacht?“ – wer viel fragt bekommt auch Antworten. Nicht immer, aber immer öfter.

5. Aktiv folgen: Wer aktiv anderen folgt, dem wird zurückgefolgt. Ich hatte einen Suchstream nach dem Stichwort „Augsburg“ im Blick und bin dadurch auf andere Twitterer gestoßen, die über Augsburg geschrieben haben.

6. Fleißig retweeten: Auf die gleiche Weise bin ich auf schöne Bilder und Aussagen aufmerksam geworden, die es wert waren, retweetet zu werden. Im Laufe der Tage gab es auch immer mehr Tweets, die direkt an @IchbinAugsburg gerichtet wurden. Als Kurator habe ich mich als Dialogvermittler und Übersetzer verstanden, gerne und viel retweetet.

7. Hashtag verwenden: Leider erscheinen die Tweets von @IchBinAugsburg nicht automatisch, wenn man nach Augsburg sucht (Twitter erkennt das nicht). Deshalb habe ich sehr großzügig den Hashtag #Augsburg verwendet. Schließlich sollten ja möglichst Viele auf uns aufmerksam werden.

Über Sandra Strüwing

Kommunikatorin und Netzwerkerin aus Leidenschaft. Liebstes Hobby und persönlicher Anspruch: candid communications.

» Augschburg » Meine Woche auf @IchbinAugsburg –...
Am 2. Dezember 2013
Von
, , ,

Eine Antwort auf "Meine Woche auf @IchbinAugsburg – ein Resümee"

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »