Humboldt-Buch_Suedamerika

Ein ganzes Jahr lang Geburtstag feiern – 2019 ist Humboldt-Jahr!

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Inzwischen feiert man Geburtstage ja mehrfach. Das fing schon bei meiner Tochter an, als sie noch ganz klein war. Da wurde einmal im Kindergarten gefeiert, einmal mit der Familie und dann nochmals mit Freunden. Ab einem bestimmten Alter feiert man dann am liebsten gar nicht mehr, doch meist erinnern einen schon die lieben Mitmenschen daran, dass man wieder ein Jahr älter wird. Die Geburtstage von berühmten Persönlichkeiten feiern wir auch über deren Tod hinaus – wie etwa den von Alexander von Humboldt. Der würde dieses Jahr im September 250 Jahre alt werden. Und weil er nicht nur ein begnadeter Wissenschaftler, sondern auch als Weltbürger, Entdecker und Humanist eine schillernde Persönlichkeit war, wird ihm sogar ein ganzes Jahr gewidmet: 2019 ist Humboldt-Jahr.

Doch was passiert so alles im Humboldt-Jahr? Und wer feiert ihn – den großen Naturforscher? Den Anfang machte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, als er am 14. Februar in Ecuador das Humboldt-Jahr eröffnete. Nach dem offiziellen Festakt in Quito besuchte er noch die Galapagos-Inseln, die von einer nach Humboldt benannten kalten Meeresströmung umspült werden, und rief dort zu mehr Umweltschutz auf, insbesondere um Plastikmüll im Meer zu vermeiden. Ganz nach dem Humboldt’schen Vorbild, der schon vor über 200 Jahren Respekt vor der Natur gelehrt hatte.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel holte in ihrer Rede auf der 55. Münchner Sicherheitskonferenz bis zu Alexander von Humboldt aus und erinnerte an sein Credo „Alles ist Wechselwirkung“. Sie beschrieb Humboldt als Wissenschaftler und Reisenden, der durchdrungen war von dem Willen, die Welt als Ganzes zu verstehen und zu sehen. Und ganz in diesem Sinne appellierte sie an ihr Publikum, dass man über den Tellerrand schauen müsse und Dinge nur gemeinsam lösen könne.

Informationsplattform Humboldt 250

Doch nicht nur Politiker würdigen Alexander von Humboldt in seinem Jubiläumsjahr. Bereits Ende 2018 hat die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) die Informationsplattform Humboldt 250 ins Leben gerufen. Dort findet man jede Menge Informationen rund um das Forschergenie und natürlich das Jubiläumsprogramm. Es reicht von Ausstellungen, Vorträgen, Workshops über Podiumsdiskussionen bis hin zu Konzerten und Festveranstaltungen. In Kooperation mit dem Auswärtigen Amt und dem Goethe-Institut gibt es unter dem Titel „Humboldt y las Américas“ auch eine Reihe von Veranstaltungen in Lateinamerika.

#WIRSINDHUMBOLDT

Über die Mitmach-Kampagne #WIRSINDHUMBOLDT möchte die HU der Humboldt-Familie ein Gesicht geben – bzw. viele Gesichter. Denn man kann dort sein Foto hochladen, es mit einem von Humboldt gezeichneten Motiv schmücken, sich ein Humboldt-Attribut geben (von Abenteurer bis Weltvermesser) und den Bezug zur HU angeben. Auch wer keinen direkten Bezug zur HU hat (wie ich), kann mitmachen. Und es gibt auch etwas zu gewinnen: So werden jede Woche unter allen Teilnehmern Humboldt-Biografien und Karten für Veranstaltungen verlost.

WirsindHumboldt-Mitmachaktion

Lesen statt feiern

In einem Interview auf Deutschlandfunk Kultur empfahl der Literaturwissenschaftler Oliver Lubrich, man solle Humboldt weniger feiern, dafür mehr von ihm lesen. Ich gebe zu: Ich habe noch nichts von Humboldt selbst gelesen, doch erst vor kurzem habe ich die Lektüre von Daniel Kehlmanns Bestsellerroman „Die Vermessung der Welt“ beendet, in dem Alexander von Humboldt auf den Mathematiker und Astronomen Carl Friedrich Gauß trifft. Der Roman schildert in Rückblenden das Leben der beiden gegensätzlichen Wissenschaftler. Fiktiv zwar, dennoch ziemlich nah an den reellen Ereignissen der damaligen Zeit. Und so erfuhr ich auf recht unterhaltsame Weise über Humboldts Leben und vor allem von seiner Reise durch Südamerika.

Kehlmann_Vermessung der Welt

Was noch auf mich wartet: Humboldts Buch „Die Reise nach Südamerika“. Seit Jahren steht es in meinem Bücherregal, mit einem Lesezeichen zwischen den Seiten 14 und 15. Weiter bin ich damals nicht gekommen mit dem über 400 Seiten dicken Wälzer. Am Autor oder am Thema lag es sicher nicht, vielmehr fehlte es mir wohl damals an Muse, mich weiter darauf einzulassen. Vielleicht schaffe ich es dieses Jahr. 🙂

Humboldt als Influencer

In dem oben erwähnten Interview lobt Oliver Lubrich übrigens auch die verschiedenen Stile von Humboldt und seine – schon damals– enorme mediale Vielseitigkeit. Denn er schrieb nicht nur literarische Reiseberichte, sondern auch politische Essays, Stellungnahmen und vieles mehr. Darüber hinaus hat er seine Texte selbst illustriert. Ob er heute tatsächlich als Youtuber und Influencer unterwegs wäre, wie Lubrich mutmaßt? Vermutlich würde ihm der mitunter harsche Tonfall in den sozialen Medien missfallen. Und auf alle Fälle wäre er heute sicher ein ebenso kritischer Weltbürger wie damals. Denn obwohl er aus einem gutbürgerlichen Haus stammte und doch eher der Oberschicht zuzurechnen war, schien er ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsverständnis zu haben. So prangerte er soziale Missstände, die Unterdrückung der indianischen Bevölkerung und die Sklaverei an. Die zunehmenden nationalistischen Bewegungen heutzutage würden ihm sicher auch missfallen. Er wusste schon damals:

Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben.

Was für ein kluger Mann er doch war. Er hat es verdient, ein ganzes Jahr lang gefeiert zu werden!

 

Nachtrag:

Kaum hatte ich den Blogpost fertig, da bekam ich eine Mail von der HU Berlin: Ich habe bei der Aktion #WIRSINDHUMBOLDT ein Buch gewonnen (die Biografie „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ von Andrea Wulf). Wow, damit hätte ich gar nicht gerechnet! Dann habe ich bald ein weiteres Humboldt-Buch zum Lesen, wie schön! Danke, liebe HU!

Update 26.02.2019:

Heute ist das Buch gekommen, das ich gewonnen habe! Es lagen auch noch ein paar nette Humboldt-Postkarten und -Aufkleber im Päckchen.

Humboldt-Buch-Gewinn

Über Andrea Finkel

Die Komma-Queen: begeistert sich für alles, was mit Sprache zu tun hat – auch Grammatik und Rechtschreibung. Komplexe Themen wecken ihren Ehrgeiz.

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Am 18. Februar 2019
Von
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