Happy Snapping: Geisterstunden im Berliner Hinterhof

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100 Millionen Nutzer weltweit. 8.796 versendete Fotos pro Sekunde und 1.500.000.000 Snaps pro Tag. Der Messaging-Dienst Snapchat mit dem kleinen Geistsymbol boomt. Wer jetzt denkt, es handle sich hierbei um eine Art neues Facebook, der täuscht sich gewaltig. Bilder und Videos werden nach spätestens zehn Sekunden gelöscht. Eine Story löst sich nach 24 Stunden in Luft auf. Besonders junge Menschen schätzen diese Tatsache, wenn man dem 14-jährigen Schüler Joshua Arntzen Glauben schenkt. Snapper-Fans und Kritiker haben sich gestern, am 3. Mai, fernab der re:publica-Stages im einhorn Berlin zusammengefunden, um die neue Veranstaltungsreihe „Happy Snapping“ einzuläuten. Kollegin Elke und ich waren selbstverständlich auch mit dabei.

Happy Snapchatter

Warum Snapchat? Ganz einfach: Snapper sind glücklicher als Facebooker. Das zumindest will eine Studie aus dem Jahre 2015 von der University of Michigan herausgefunden haben. 154 Studenten wurden bei der Smartphone-Nutzung beobachtet. Sie erhielten zwei Wochen lang sechsmal am Tag Nachrichten und sollten anschließend berichten, wie sie sich danach fühlten. Das Ergebnis: Nach dem Snapping waren die Studenten positiver gestimmt. Mag es nun am Hochgefühl liegen oder an der Tatsache, dass die Videos und Bilder verschwinden oder vielleicht doch einfach daran, weil es neu bzw. anders ist und Mama und Papa da eben (noch) nicht sind. Fakt ist, die Zahl der Nutzer steigt. Dies wird auch beim Blick auf die re:publica deutlich: So fand sich in diesem Jahr Snapchat in einigen Sessions wieder. Das Highlight war allerdings die Auftaktveranstaltung Happy Snapping im einhorn Berlin. Philipp Steuer hatte hier auf Facebook eingeladen. Der Andrang war groß. Neben dem Snapchat-Experten Richard Gutjahr gab es noch viele weitere interessante Speaker an diesem Abend, die einen Einblick in den Messaging-Dienst gaben. Von der privaten Nutzung über den Einsatz bei Marken bis zu „Was soll der Sch… eigentlich?“: Die Bandbreite war groß.

Happy Snapping: Von der Snapchat-Stadtführung bis zum Hassliebe-Slam

Es war viel geboten. Felix Hummel von Buzz Bird startete mit einigen Marken-Beispielen. So setzte beispielsweise bereits die Süßwaren-Firma Cadbury Snapchat für ihren Schokoriegel Time Out ein. Cadbury rief die User dazu auf, Snaps zu schicken, wo sie mit dem Riegel zu sehen sind. Die originellsten Fotos erhielten einen Preis. Cadbury selbst verschaffte sich dadurch mehr Sichtbarkeit und Zugriff auf User-Content. Sour patch kids versuchte ebenfalls, mehr Aufmerksamkeit für ihr Produkt zu generieren. Dafür holten sie sich einen Markenbotschafter mit ins Boot: Vine-Star Paul Logan übernahm deren Snapchat-Account. Das Ergebnis: 120.000 neue Snapchat-Follower für Sour patch kids. Speakerin @NiniaLaGrande gab uns einen privaten Einblick. Als Snapchat-Stadtführerin setzt sie ihre Heimat Hannover in den Mittelpunkt. @mariemeimberg und die besorgte Bürgerin standen der Geister-App zunächst etwas kritisch gegenüber: Die Stories seien einfach noch zu schlecht und auch nach Wissensformaten würde man noch vergeblich suchen. Beide waren sich aber einig, dass sich in Zukunft bestimmt geniale Storyteller auf der Plattform tummeln werden. Zumindest hoffen sie das. Manuel Lorenz – der Bild-Snapchatter – machte das Kritik-Trio perfekt: Er verpackte seine Hassliebe zur Messaging-App in einem Slam. Genialer Text. Vielleicht stellt er ihn ja mal irgendwo online und macht ihn der Öffentlichkeit verfügbar. Der Social-Media-Berater von Brandpunkt Jan Firsching zeigte auf, warum es sich für Unternehmen lohnt, auf Snapchat mitzumischen. So würden die User dort werbliche Inhalte (Branded Content) freiwillig konsumieren. Gut gemachte Kampagnen könnten also enormen Traffic und Aufmerksamkeit generieren. Richard Gutjahr schloss die Veranstaltung mit seinem Vortrag. Sein Fazit: Er hätte noch nie so viel positives Feedback bei einem anderen Medium bekommen.

Snapchat_Jasmin_kleinUnd wie sieht es bei euch aus? Heute schon gesnappt? Ich bin übrigens auch schon auf der Plattform zu finden. Öffentlich ist aber noch nichts zu sehen. Ich verschicke noch private Nachrichten an Freunde und experimentiere mit Filtern, Farben und Emojis.

P.S.: Wer die App verstehen und bedienen möchte, wirft am besten einfach einen Blick in das kostenlose E-Book von Philipp Steuer „Snap me if you can“.

 

 

 

 

 

Über Jasmin La Marca

Die Augs(ch)burgerin mit italienischem Migrationshintergrund liebt es, Texte fürs Netz zu schreiben. Bloggen, skypen, twittern und natürlich facebooken: Social Media – *thumbs up* --> gefällt mir

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Am 4. Mai 2016
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