Facebook Account löschen?

Blogparade: Was müsste passieren, damit ich meinen Facebook-Account lösche?

Fachliches Kommentare (9)

Blogparaden haben einen besonderen Reiz. Es werden Fragen aufgeworfen, die man sich selbst so noch nicht gestellt hat – oder vielleicht sogar verdrängt hat. Die darauf folgenden Blogposts sind oft sehr interessant zu lesen und beleuchten Themen aus vielfältigen Blickwinkeln, aus denen man sie vorher noch nicht betrachtet hatte.

Eine Frage, die ich immer wieder gerne verdrängt hatte, stellte nun Stefan Grabner, seines Zeichens „Systemtechniker, Geek, Datenschützer, Denker, Analytiker, Student, Zocker, Motorradfahrer, Weltverbesserer, WordPress skilled und Blogger“ aus Graz. Er fragt auf seinem Blog 9AG: „Was müsste passieren, damit ihr euren Facebook-Account löscht?“

Vorab: Ich bin noch auf Facebook

Ich habe mir diese Frage immer dann gestellt, wenn mich akut zwei Dinge nervten:

  • Wenn Facebook mal wieder irgendwas an den Nutzungsbedingungen oder Privatsphäre-Einstellungen geschraubt hat und ich das Gefühl hatte, dass ich sowieso irgendwie machtlos bin, als kleines Rad in diesem Getriebe.
  • … und wenn ich mal wieder feststellte, dass es doch so einige Leute in meinem Facebook-Freundeskreis gibt, die nur passiv anderen auf Facebook folgen, selbst aber selten posten. Sprich: Ich finde das dann irgendwie „unfair“, dass ich so viel preisgebe (was ich ja nicht müsste) und dann nichts zurückkommt.

Mein rosarotes Facebook-Leben

Letztlich habe ich mich dann doch immer wieder abgeregt und die Sache wieder nüchterner betrachtet. Einzig Fotos meiner Tochter stelle ich in letzter Zeit seltener auf Facebook und ich poste tendenziell gerade etwas weniger über mein Privatleben. Isabella Tonn hat auf ihrem Blog schon irgendwie recht: Positives Feedback auf Facebook macht auf seine Art süchtig. Ist doch toll, wenn man gesagt bekommt, dass man eine tolle neue Frisur hat, oder dass jemand jetzt auch gerne bei der Theatervorstellung, im tollen neuen Restaurant, im Urlaub etc. wäre. Da fühlt man sich doch gleich immer viel besser und in seiner rosaroten Facebook-Lebensversion bestätigt. Natürlich würde man nie die chaotische Wohnung fotografieren und posten, dass man jetzt gleich aufräumen und putzen muss. Wie uncool wäre das denn? Wobei, es gibt ja auch die „eine Runde Mitleid bitte“-Version auf Facebook.

Und genau von dieser Art Facebook möchte ich ein bisschen mehr Abstand nehmen (auch wenn ich gleich sagen muss, dass ich sicher manchmal einen „Rückfall“ erleiden werde). Lieber ein bisschen weniger „ich“, ein bisschen mehr „wir“. Ich poste gerade ganz gerne einfach interessante News oder Videos, die ich auf Facebook sehe. Erst kürzlich teilte ich den Link zu einer Online-Petition. Das lässt sich auf Facebook leicht tun und trägt letztlich zum Gemeinwohl bei. Ohne Facebook wäre ich zum Beispiel nie auf die Tatsache aufmerksam geworden, dass es ab Juli 2015 wohl keine Haftpflichtversicherung mehr für freiberufliche Hebammen geben wird. Also habe ich meine Freunde auf diese Online-Petition hingewießen.

Zum Thema Freunde: Ich bin schon sehr lange bei Facebook, da ich damals in den USA lebte, wo es schon mehr Leute kannten. Deshalb schätze ich, dass sicher mehr als die Hälfte meiner Facebook-Freunde auf anderen Kontinenten leben. Alle Kontakte habe ich übrigens persönlich zumindest einmal kennengelernt. Ich nehme keine Freunde um der Freunde-Zahl willen an. Deshalb habe ich, obwohl ich schon seit 2006 dabei bin, „nur“ 215 Freunde. Manche zählen natürlich eher als „Bekannte“, weswegen sie dann bei mir auch entsprechend eingeordnet sind und sie nicht alles sehen können.

Übersee-Freunde = Facebook-Freunde

Facebook löschen?Da ich es schön finde, auf diese unkomplizierte Art in Kontakt zu sein, gibt es leider in der „realen Welt“ keine wirkliche Alternative zu Facebook. Mir sind die Menschen wichtig genug, dass ich ab und an von ihnen hören möchte und auch mal ihre Posts kommentiere. Aber ich würde es im Alltag schlichtweg nicht schaffen, eigens E-Mails zu schreiben oder gar den Telefonhörer abzunehmen. Allein schon wegen der Zeitverschiebung ist das wenig realistisch.

Deshalb mein Fazit: Ich würde Facebook nur aus ganz triftigen Gründen löschen. Zum Beispiel wenn jemand durch Identitätsklau Schindluder mit meinem Account treiben würde. Ich hoffe jedenfalls, dass ich und meine Freunde von solchen Dingen auch weiterhin verschont bleiben.

Was allerdings in den letzten Tagen passiert ist – die Übernahme von WhatsApp durch Facebook – hat bei mir Unbehagen ausgelöst. Alle Firmen sammeln Daten, das ist klar. Aber dass Facebook jetzt auch noch meine WhatsApp-Nachrichten überwachen kann, das ging mir jetzt doch zu weit. Da liegt dann zu viel Information an einer Stelle. Deshalb werde ich jetzt nach anderen Möglichkeiten Ausschau halten und in diesem Fall nicht Facebook, aber WhatsApp den Rücken kehren.

Wie sieht es bei euch aus? Schon mal daran gedacht, den Facebook-Account zu löschen?

 

Über Daniela Reif-Schülein

candid-Alumni, Weltbürgerin und sesshafte Nomadin, Tech-Geek und Bücherwurm, leidenschaftliche Netzwerkerin und Mama einer kleinen Tochter.

» Fachliches » Blogparade: Was müsste passieren, damit...
Am 19. Februar 2014
Von

9 Antworten auf "Blogparade: Was müsste passieren, damit ich meinen Facebook-Account lösche?"

  1. isa sagt:

    Hallo Dani,

    toller Beitrag, finde ich. Du beleuchtest das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln und an jedem ist sicher was dran. Man kann Facebook durchaus sinnvoll und ohne zu viel von sich selbst preiszugeben nutzen. Wie „sinnvoll“ und „viel von sich preisgeben“ definiert wird, entscheidet natürlich jeder für sich selbst.

    Ich würde meinen Facebook-Account übrigens auch nicht löschen, habe ihn aber schon mehrfach für einige Monate deaktiviert, was mir immer ein wenig Abstand und Objektivität geschenkt hat.

    Viele Grüße
    isa

  2. Danke für deinen Beitrag Dani. Ich habe vor Kurzem eine Masterarbeit eines Sozialogiestudiums gelesen welche sich auch sehr stark um das Thema des rosaroten Facebook Lebens gedreht hat. Es ging darum, dass es halt irgendwie schön ist an positive Erlebnisse erinnert zu werden (und die chaotische Wohnung vergisst *gg*)

  3. Dani sagt:

    Ja, wohl wahr (das mit den positiven Erlebnissen). So sehr man die Chronik auch verteufeln mag – ich habe neulich mal wieder mein Profilbild upgedated und dabei gesehen, was ich so vor zwei oder drei Jahren als Bild hatte. Das war eine nette kleine Überraschung. Hätte ich die Überraschung vermisst, wenn die Bilder nicht da gewesen wären? Nein, sicher nicht, aber es macht halt einfach Spaß.

    Isa – den Account für einige Zeit zu deaktivieren finde ich auch eine interessante Option. Einfach mal um zu sehen, wie es so ohne Facebook wäre. Das habe ich so noch gar nicht gesehen. „Löschen light“ quasi ;-).

  4. Stefan Mack sagt:

    Die Datenschutz-Debatte war für mich nie ein Grund, eine Deaktivierung meines Accounts zu erwägen. Jeder, der bei FB ist, muss wissen, worauf er sich einlässt. Und wenn FB jetzt auch meine WhatsApp-Nachrichten überwacht, wünsche ich viel Spaß und hoffe, dass der FB-Prakti nicht vor Langeweile einschläft dabei.
    Das stetig sinkende Niveau ist da schon mehr ein Grund, FB zu verlassen, finde ich. Das laufende Teilen irgendwelcher offensichtlicher Fake-Meldungen („Teilt das kranke Baby, dann spendet Facebook zwei Cent“), das Teilen irgendwelcher angeblicher Skandale ohne jegliches Hinterfragen oder nervige Rätsel-Postings („Der Tag heut is voll fürn Arsch!“ „Oh Süße – wasn los?“) ist weitaus nerviger.
    Natürlich könnte man mich jetzt völlig zurecht fragen, mit welchen Leuten ich FB-Kontakt pflege. 🙂

  5. Dani sagt:

    @Stefan: Die Frage lag mir ab dem zweiten Absatz auf der Zunge ;-). Nein, ernsthaft, danke für deine Meinung. Wie gesagt, für mich geht es nicht darum, dass ich nicht weiß, dass meine Daten gesammelt werden. Aber ich finde es geht hier auch ums Prinzip – ich muss und will nicht unterstützen, dass ein Unternehmen „fast alles“ von mir hat.

    Zur Zeit hinterlässt dieses Thema sehr wohl ein großes Fragezeichen in meinem Kopf. Und auf die Frage „Was will/darf/soll ich wo online stellen?“ habe ich für mich selbst auch noch keine vollständig zufriedenstellende Antwort.

    Ich bin jedenfalls gespannt auf die Lektüre des Buchs „The Circle“ von Dave Eggers, das mir meine Kollegin Elke leihen wird. Danach wird man wohl aber tendenziell noch paranoider. 😉

    • Elke sagt:

      „Ich bin jedenfalls gespannt auf die Lektüre des Buchs “The Circle” von Dave Eggers, das mir meine Kollegin Elke leihen wird. Danach wird man wohl aber tendenziell noch paranoider. ;-)“

      …ja…auf jeden Fall…! Ich glaube, sonst hätte ich WhatsApp aus reiner Bequemlichkeit vielleicht doch nicht so schnell runtergelöscht, wie ichs dann getan hab…

      Ist aber auch eine echte Zwickmühle – einerseits will ich ja, dass meine Freunde wissen, was so los ist bei mir. Aber diese immer feineren Abstufungen (z.B. via Listen) wer was lesen soll/darf/kann nerven irgendwann, so dass man sich irgendwann entweder sagt „Ok, ich poste einfach NICHTS mehr!“ oder „Ok, dann poste ich nur noch so belangloses Zeug, das eh jeder lesen kann, der unbedingt will.“. Beides finde ich irgendwie unbefriedigend. Tja. Warte nur auf die Facebook-Killer-App. Dann heißt es auch da sofort „Bye-bye!“.

  6. Sabine sagt:

    Hallo Dani,

    falle hier wohl aus dem Rahmen … ich könnte wunderbar ohne. Wenn ich wüsste, das Facebook für mein zukünftiges Business keine Rolle spielen würde, wäre ich wohl von heute auf morgen weg.

    Ok, was mir dann fehlen würde wäre zu sehen wie Deine Tochter gedeiht 😉 und ja ich gehöre wohl zu denen über die Du Dich ab und an ärgerst. Habe aber wirklich keinen Faible auf FB was von mir preiszugeben – vielleicht liegt es aber auch daran, dass die meisten Followers bei mir Kunden sind … und ein bißerl Privatsphäre möchte ich doch noch behalten.

    Bei weltweit verstreuten Freunden kann ich gut verstehen, das man Facebook nutzt – dafür ist es sicher auch klasse. Müsste es vielleicht anders angehen, aber irgendwie hänge ich schon zu viel am Rechner, als das ich mich hier auch noch engagieren will. Hoffe ich darf trotzdem bei Dir weiterlesen 😉 …

    Und auch wenn es weniger wird, aber noch erreicht man Freunde und Bekannte auch per E-Mail – aber zugegeben, die ersten einfacher per Facebook 😉

    Viele Grüße
    Sabine 🙂

  7. Dani sagt:

    Liebe Sabine,

    ha! Du bist entlarvt! 😉 Nein, ernsthaft, u.a. auch aus diesem Grund finde ich Facebook ja toll. Man lebt so mit (ich kommentiere ja auch nicht bei allen Freunden aus USA) und verliert sich nicht aus den Augen.

    Danke jedenfalls für deinen Kommentar. Ich bin sehr gespannt, wie sich Facebook, Twitter, WhatsApp, Threema, Google und Co so entwickeln.

    Einen schönen Tag allerseits!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »