Frauen treffen die besseren Entscheidungen

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Mit solchen Aussagen sicherte sich Florian Schröder in seinem Vortrag über Entscheidungsfähigkeit in der Stadthalle Gersthofen einen ersten Applaus – und die Sympathie vieler Zuhörerinnen. Nun gut, das ist – wie vieles, was er sagte – nichts, was wir nicht schon vorher gewusst hätten. Aber er hat einige Dinge sehr schön auf den Punkt gebracht und durch sein kabarettistisches Talent unterhaltsam veranschaulicht.

„Alle Möglichkeiten, aber keine Wahl? – Entscheiden in der Multioptionsgesellschaft“ lautete der gestrige Vortragstitel aus der AZ-Wissen-Reihe. Was erwarten die Zuhörer von solch einem Vortrag? Ein Coaching, wie sie sich besser, schneller, klüger entscheiden können? Immerhin wirbt die AZ für ihre Vortragsabende damit, dass man sich durch sie einen Vorsprung durch Wissen sichern könne. Wer bahnbrechend neue, womöglich wissenschaftlich fundierte Kenntnisse von Schröders Vortrag erwartete, wurde vermutlich enttäuscht – wie meine beiden Sitznachbarinnen, die sich als weibliche Pendants zu Statler und Waldorf entpuppten. Wer kennt sie nicht, die beiden Opas aus der Muppets-Show, die bei jedem Auftritt was zu meckern haben?

AZ-Wissen-Reihe

Das Programm der AZ-Wissen-Reihe

Entscheidertypen: Optimierer und Gelassene

Und hier kommt die Erwartungshaltung ins Spiel: Ist sie zu hoch, sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Wer jedoch nicht nur auf den Titel des Vortrags achtete, sondern auch wahrnahm, dass der Referent Kabarettist und Autor ist, hat sich (wie ich) auf einen unterhaltsamen Abend eingestellt. Ich wurde nicht enttäuscht und habe durchaus auch etwas gelernt: etwa, dass es zwei Entscheidertypen gibt, die Optimierer und die Gelassenen. Die Optimierer wollen permanent das Beste, verdienen mehr, sind erfolgreicher, aber auch unzufriedener. Die Gelassenen haben weniger, sind insgesamt aber zufriedener. Die ewige Weitersuche nach Optimierung mache unglücklich, und so plädiert Schröder für weniger Optionen („maximal sechs bis sieben Optionen reichen völlig“). Wie recht er doch hat. Mich überfordern manchmal schon Speisekarten, wenn sie mehr als fünf Gerichte enthalten. Oft muss man fast schon Bücher wälzen, bevor man weiß, was das Restaurant alles bietet. Und dann weiß ich immer noch nicht, was ich essen soll. Über das befreiende Gefühl der Entoptionalisierung schreibt auch die Stern-Kolumnistin Meike Winnemuth in ihrem Beitrag „Keine Wahl, keine Qual“. Sie berichtet darin sehr schön über ihren Besuch auf der Insel Spiekeroog, die sich durch einen Mangel an Optionen auszeichnet: „Im einzigen Café gibt es mittags Kartoffelsuppe mit Krabben, Kartoffelsuppe mit Wurst und Kartoffelsuppe.“ Wie schön! Für mich bitte die Kartoffelsuppe!

Ein- und Zwei-Matratzenpaare

Nachdem Schröder über die oft fehlende Entscheidungsfähigkeit sogenannter Entscheider klagte, beim Thema Geldentscheidungen dafür plädierte, das Bargeld doch bitte nicht abzuschaffen, kam er schließlich auf Entscheidungen in der Partnerwahl zu sprechen. Es gäbe hier zwei Paartypen, die Ein-Matratzenpaare und die Zwei-Matratzenpaare. Während bei ersteren eine wirtschaftliche Abhängigkeit bestehe (Frau vom Mann), begegnen sich die Partner eines Zwei-Matratzenpaars auf Augenhöhe und – weil die wirtschaftliche Abhängigkeit wegfällt, wollen sie sich ständig gegenseitig optimieren. Dabei muss er immer „spüüüren“, was sie von ihm erwartet, und sie hat’s auch nicht leicht, weil sie allerhand Rollen (Mutter, Karrierefrau, Ehefrau, Nutte, … und dabei immer topmodellschlank) gleichzeitig erfüllen muss, um optimal zu sein. Hierzu lieferte Schröder eine wunderbare kabarettistische Einlage. Mein persönliches Highlight war jedoch der Seitenbacher-Mann, den er wirklich perfekt imitierte. Und wie er mir aus der Seele sprach, als er dazu aufrief, nicht zu diesem überteuerten Müsli zu greifen. Denn auch ich würde nie, nie, nie, niemals ein Seitenbacher-Müsli kaufen, allein, weil ich jedes Mal den Radiosender wechseln muss, wenn ich diese grottenschlechte Werbung höre.

Mein Fazit zu dem Abend: Ich hatte meinen Spaß, habe einiges gelernt bzw. bekannte Fakten wurden mir anders und nett verpackt präsentiert. Und wie wirkt sich das auf meine Entscheidungsfähigkeit aus? Ich gebe zu: Manchmal neige ich zum Optimierer, meist gehe ich es aber gelassen an. Eine Entscheidung steht schon jetzt fest: Ich werde mich beim nächsten Vortrag nicht mehr neben Statler und Waldorf setzen. 😉

Über Andrea Finkel

Die Komma-Queen: begeistert sich für alles, was mit Sprache zu tun hat – auch Grammatik und Rechtschreibung. Komplexe Themen wecken ihren Ehrgeiz.

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Am 17. März 2016
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2 Antworten auf "Frauen treffen die besseren Entscheidungen"

  1. Statler sagt:

    Nice link to „Waldorf und Statler german“. If I get it right, the essence of yesterday evening’s performance is stated between 1:43 and 1:56. Best regards from the balcony, Statler

    • Andrea sagt:

      Hallo Mrs. Statler, das liegt natürlich im Auge des Betrachters bzw. Zuhörers, gell? Und was wäre die Welt ohne Statlers und Waldorfs … 😉 Neben Miss Piggy gehört ihr eindeutig zu meinen Lieblingscharakteren in der Show!

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