#digicamp19: Wenn’s bei der Digitalisierung menschelt

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Wer bei Digitalisierung nur an Roboter, clevere Tools und Künstliche Intelligenz denkt, wurde beim #digicamp19 in Augsburg eines Besseren belehrt. Statt um Codes, Pixel und Blockchains stand etwas ganz anderes im Mittelpunkt: der Mensch.

Es war irgendwann am späten Samstagnachmittag im ersten Stock des Augsburger Technologiezentrums. Unten wurde bereits das Bier für die Abschlusssession gekühlt. Oben saßen rund 20 Teilnehmer in einer der letzten Sessions des Tages zusammen. Sie hatten ihre Buzzwords zusammengetragen: von „New Work“ bis „Internet of Everything“ – ein Glossar der Digitalisierung sozusagen.

Ein Satz, der alles sagt

Sie hatten die Begriffe, die auf bunten Kartons geschrieben an einem Flipchart hafteten,  geordnet, sortiert, übersetzt und priorisiert.

Die Buzzwords der Digitalisierung: In dieser Session ging es um Trends – und darum, was wirklich hinter den Begriffen steckt.

Bis einer der Teilnehmer fast schon beiläufig das Sammelsurium zusammenfasste: „Was nutzen all die Tools, die Techniken und die Plattformen, wenn wir alle weitermachen wie bisher. Dann ist doch nichts gewonnen.“

Diese Bemerkung, die so unscheinbar daherkam, sie zeigt wohl am besten, um was es bei diesem Barcamp tatsächlich ging: um die Menschen, die mit all den digitalen Trends konfrontiert werden; um die Aufgaben, die vor uns stehen, wenn wir diese nachhaltig umsetzen wollen; und um die Frage, wie das eigentlich geht – und was wir wollen und was nicht. Damit wir eben nicht so weitermachen wie bisher.

Bis aus Berlin angereist

Bereits zum zweiten Mal hatten Initiator Tobias Kollewe und sein Team ein Barcamp rund um das Thema Digitalisierung in Augsburg organisiert. Bei der Premiere im vergangenen Jahr waren auf Anhieb mehr als 100 Teilnehmer gekommen – diesmal noch mal zwei Dutzend mehr. Schon bei der Vorstellungsrunde am frühen Morgen zeigte sich, dass sich das Format etabliert hat.

Volles Haus bei der Begrüßung durch Tobias Kollewe am Morgen.

Dass das Thema Digitalisierung die Leute von weit her anlockt – und so viele Berufszweige, Branchen und Menschen berührt. Da waren die Legaltech-Bloggerin aus Würzburg, der Schulleiter vom Tegernsee, Studenten, Kommunikatoren, IT-Experten, die zum Teil aus Dresden, Hamburg oder Berlin angereist waren.

Ebenso vielfältig waren die Sessions, die sich über den ganzen Tag zogen. Ein kurzer Input, danach wurde fleißig diskutiert und experimentiert.  Wie können wir Ältere für Digitalisierung begeistern? Was steckt hinter „Working out Loud“? Werden wir Dank Lego wirklich kreativer? Wie wollen wir in Zeiten der Digitalisierung arbeiten, lernen, leben und kommunizieren? Wie steht es in dieser digitalen Welt um unsere Werte? Fünf Slots, fünf Räume – die Entscheidung fiel nicht immer leicht. Gut, wer sich einen cleveren Session-Titel ausgedacht hatte.

Was Netzflix mit Krankheitstagen zu tun hat

„Mit der Netflix-Methode Krankheitstage im Unternehmen reduzieren“ war so einer. Also, hoch in den ersten Stock, zweite Tür links. Leider ging es weder um „Game of Thrones“ noch um „House of Cards“, sondern um ein Start-up, das eine App für betriebliche Gesundheitsförderung entwickelt. Hmpf! Yoga mit virtuellem Coach und Veggie-Rezepte per Push-Meldung – eher nicht so mein Ding. Und doch lieferte die Diskussion Impulse, die nachwirkten.

Das Netflix-Prinzip ist Symptom unserer digitalen Welt geworden – nicht nur beim Streamen. Wir sind es gewohnt zu konsumieren, was, wann und wo wir wollen. Und wenn sich selbst das betriebliche Gesundheitsmanagement darauf einstellt, dann doch erst recht wir als Kommunikatoren. Was heißt das für die PR? Wie steht es um unsere Konsumenten? Wann und wo macht das Netflix-Prinzip Sinn? Und wo nicht? Fragen, über die es sich auf jeden Fall nachzudenken lohnt.

Tolle Location: das Technologiezentrum in Augsburg.

Willkommen in der Selbsthilfegruppe

Zeit blieb dafür erst einmal allerdings nicht viel. Im großen Saal formten Thomas und Rainer aus ihrem Auditorium so etwas wie Mini-Selbsthilfegruppen. Und dann wurde es persönlich. Zehn Schlagworte, die einen selbst beschreiben, sollte man den anderen Gruppenmitgliedern verraten. Und – schwupps – war man mittendrin in lebhaften Gesprächen und Diskussionen. Was das mit Digitalisierung zu tun hat? Sehr viel.

Während alles um uns herum automatisiert und digitalisiert wird, rückt die Frage, was sinnstiftend ist, für viele Menschen immer mehr in den Mittelpunkt. Die Sehnsucht, sich auch in der Arbeitswelt jenseits von fest definierten, digitalen Prozessen als Menschen zu begegnen, ist gerade in Großunternehmen präsent. Die Methode „Working out Loud“ soll dazu beitragen und das Soziale und Emotionale wieder mehr in den Mittelpunkt rücken – eben mithilfe kleiner Gruppen, deren Mitglieder sich offen begegnen und bei Veränderungsprozessen gegenseitig unterstützen: in einem zwölfwöchigen Circle, mit fest definierten Schritten. Klingt kompliziert? Ist es nicht, sagt Rainer und rät: Einfach machen. Vielleicht.

Viele Impulse und eine Erkenntnis

Impulse, Ideen, Anregungen – das gab ein praktisch jeder Session. Dazu Überraschendes (wer hätte gedacht, dass es eine veggiefreundliche Betriebskrankenkasse gibt?!). Und die Erkenntnis, dass es den einen, den richtigen Weg in die digitale Zukunft nicht gibt – egal in welcher Branche. Aber darum ging es ja auch gar nicht, beim Digitalisierungs-Barcamp 2019. Ich freue mich auf jeden Fall aufs nächste Jahr.

 

Über Monika Schmich

Themen erfassen. Schnell umsetzen. Mit der Zielgruppe im Blick. Journalismus trifft PR.

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Am 8. April 2019
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