Sprachliche Irrungen und Wirrungen (Teil 1)

Fachliches, Sprachliches Kommentare (2)

Gehst du Schule? Wegen dem Lehrplan? Im neuesten Kinokassenschlager „Fack ju Göhte“ geht es sprachlich drunter und drüber. Da wird eben mal der Dativ anstelle des Genitivs verwendet und auch Artikel werden eher selten benutzt. Inspiriert durch den Film kam mir die Idee für einen neuen Blogbeitrag bzw. eine neue Blogreihe zum Thema „Sprachliche Irrungen und Wirrungen“. Als PR-Volontärin beschäftige ich mich selbstverständlich viel mit Sprache, Zeichensetzung und Grammatik. Beinahe täglich begegnen einem hierbei interessante Schreibweisen oder grammatikalisch falsche Sätze.

Deutsche Sprache – schwere Sprache!

Der deutsche Schriftsteller Ernst Moritz Arndt (1769 – 1860) sagte einst:

„Die deutsche Sprache ist nach allgemeinem Einverständnis eine der wichtigsten der Welt, tief und schwer an Sinn und Geist, in ihren Gestalten und Bildungen unendlich frei und beweglich, in ihren Färbungen und Beleuchtungen der innern und äußern Welt vielseitig und mannigfaltig. Sie hat Ton, Akzent, Musik. Sie hat einen Reichtum, den man wirklich unerschöpflich nennen kann und den ein Deutscher mit dem angestrengtesten Studium eines langen Lebens nimmer umfassen mag.“

Ausgelernt hat man also nie.

Wenn der Babo spricht, haben die Krümel Pause – die Jugendsprache von heute!

Fehlerfreies Deutsch ist unter Jugendlichen verpönt. Da wird gerne einmal ein Wort abgekürzt, der Artikel weggelassen oder eine neue grammatikalische Struktur verwendet. Als studierte Sprachwissenschaftlerin konnte ich mich während des Studiums mit einer Reihe von verschiedenen Aufsätzen und Abhandlungen zu diesem Thema auseinandersetzen. Schon alleine der Begriff „Jugendsprache“ ist differenzierter zu betrachten. Es gibt nämlich nicht die eine Jugendsprache. Regionale Unterschiede sind ein typisches Merkmal des jugendlichen Sprachjargon. Des Weiteren ist die Jugendsprache einem zeitlichen Wandel unterworfen. Jugendliche in Münster werden also anders sprechen, als die Teenager in Augsburg. Und was früher cool war, fand man später nur noch geil. Aufgepasst, denn „geil“ war schon im Jahr 2012 out. Heutzutage wissen Chabos, wer der „Babo“ ist. Sie kennen „Babo“ nicht? Denken Sie sich nichts. Es liegt im Sinn der Sache, dass Erwachsene die Jugendsprache nicht verstehen sollen, denn man möchte sich dadurch ja abgrenzen. „Babo“ ist übrigens zum Jugendwort des Jahres 2013 gekürt worden, stammt aus dem Türkischen und bedeutet sinngemäß „Anführer“ oder „Boss“. Und „Chabos“ heißt  „Leute“ und gelangte durch ein Lied des umstrittenen Rappers Haftbefehl zu großer Bekanntheit.

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod!

Das grammatikalische Problem steckt hier schon in der Überschrift. Eigentlich müsste es nämlich „Der Dativ ist des Genetivs Tod“ oder alternativ auch „Der Dativ ist der Tod des Genitivs“ heißen. Mittlerweile gibt es bereits eine fünfteilige Buchreihe von Bastian Sick zu diesem Thema. Das zeigt die bestehende Aktualität. Denn es heißt eben nicht „wegen dem Lehrplan“, sondern „wegen des Lehrplans“. Jeder, der sich intensiver mit der Sprache auseinandersetzt, dürfte das im Grunde genommen schon wissen. Dennoch gibt es immer Momente der Unsicherheit bei manchen sprachlichen Ausdrücken, der Kommaregelung oder der Artikelbestimmung bei eingedeutschten Fremdwörtern. Über welcher Satzkonstruktion oder Kommasetzung haben Sie das letzte Mal gebrütet oder mussten den Duden zu Rate ziehen? Wir freuen uns über Kommentare, aber auch Gastbeiträge sind sehr willkommen!

Über Jasmin La Marca

Die Augs(ch)burgerin mit italienischem Migrationshintergrund liebt es, Texte fürs Netz zu schreiben. Bloggen, skypen, twittern und natürlich facebooken: Social Media – *thumbs up* --> gefällt mir

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Am 28. November 2013
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2 Antworten auf "Sprachliche Irrungen und Wirrungen (Teil 1)"

  1. Andrea sagt:

    Bei „Deutsche Sprache – schwere Sprache“ muss ich immer an Mark Twain denken. Aus der Sicht eines Nicht-Muttersprachlers sieht das dann ganz anders aus. So beschreibt Mark Twain in seinem Buch „Die schreckliche deutsche Sprache“ die sogenannte „Parenthesekrankheit“, unter der die deutsche Sprache leidet:
    „Es gibt zehn Wortarten, und alle zehn machen Ärger. Ein durchschnittlicher Satz in einer deutschen Zeitung ist eine erhabene, eindrucksvolle Kuriosität; er nimmt ein Viertel einer Spalte ein; er enthält sämtliche zehn Wortarten – nicht in ordentlicher Reihenfolge, sondern durcheinander; er besteht hauptsächlich aus zusammengesetzten Wörtern, die der Verfasser an Ort und Stelle gebildet hat, sodass sie in keinem Wörterbuch zu finden sind – sechs oder sieben Wörter zu einem zusammengepackt, und zwar ohne Gelenk und Naht, das heißt: ohne Bindestriche; er behandelt vierzehn oder fünfzehn verschiedene Themen, von denen jedes in seine eigene Parenthese eingeschlossen ist, und jeweils drei oder vier dieser Parenthesen werden hier und dort durch eine zusätzliche Parenthese abermals eingeschlossen, sodass Pferche innerhalb von Pferchen entstehen; schließlich werden alle diese Parenthesen und Überparenthesen in einer Hauptparenthese zusammengefasst, die in der ersten Zeile des majestätischen Satzes anfängt und in der Mitte seiner letzten Zeile aufhört – und danach kommt das Verb, und man erfährt zum ersten Mal, wovon die ganze Zeit die Rede war; und nach dem Verb hängt der Verfasser noch „haben sind gewesen gehabt haben geworden sein“ oder etwas dergleichen an – rein zur Verzierung, soweit ich das ergründen konnte –, und das Monument ist fertig. Ich nehme an, dieses abschließende Hurra ist so etwas wie der Schnörkel an einer Unterschrift – nicht notwendig, aber hübsch.“
    Das ist wohl ein Teil dessen, was Ernst Moritz Arndt als „unendlich frei und beweglich … vielseitig und mannigfaltig“ beschreibt. Und wenn das schon ein „Deutscher mit dem angestrengtesten Studium eines langen Lebens nimmer umfassen mag“, wie sollte es Deutschlernern wie Mark Twain gelingen? 😉

  2. Petra sagt:

    Danke liebe Jasmin!

    Dein Blog hat mir sehr gefallen.
    Aus gutem Grund, denn mir stellen sich fast täglich die Nackenhaare, ob solcher sprachlicher Wirrungen auf.

    Gerade eben ist es wieder passiert. In der Straßenbahn.
    Und plötzlich trifft es mich wie ein Schlag – die Erkenntnis:

    ICH BIN ALT!
    URALT!
    MORLA IST JÜNGER ALS ICH!

    Und ich gestehe:

    ICH VERSTEHE DIESE (JUGEND)SPRACHE NICHT!!!

    Es sind nicht nur die „Wortfindungen“. Nein!
    Für mich klingt das vielmehr so, als ob die „Gesprächspartner“ (sofern diese überhaupt die Augen vom Smartphone heben und sich die Mühe machen, mit ihrem Gegenüber in laut ausgesprochenen Worten zu kommunizieren) sich trotzdem weiterhin in der
    Twitter-, Whatsapp- oder Facebook-Welt befinden.

    Ich lebe schon ziemlich lange in Schwaben und weiß, dass hier auch und gerne an Endungen oder Wortteilen gespart wird.
    Aber nun fehlen ganze Artikel, Verben und Adjektive, die diese Jugendworte zu Sätzen zusammenfügen würden. Aus deren Zusammenhang könnte sich dann ja vielleicht doch noch ein, auch für mich verständlicher Inhalt ergeben.
    So bleibe ich wohl für immer ausgeschlossen aus den Gedankengängen der Jugendlichen.
    Na ja: das ist wahrscheinlich auch der Sinn dieser Sprache?!

    Der von mir sehr verehrte Geheimrat würde im hier und jetzt vielleicht stöhnen: „Die Worte hör ich wohl, allein erschließt sich mir kein Inhalt!“

    Ganz ehrlich: Ich werde mich nicht mit der Jugendsprache beschäftigen.
    Mir genügen die Grammatiksünden, denen ich täglich! begegne. Sie dringen in mein Ohr und bereiten mir manchmal wirklich Schmerzen.
    Immer wieder begegnet mir jemand, der mir heimlich „Internas“ zuflüstern möchte oder noch schnell in der Apotheke „Antibiotikas“ abholen muss.
    Meinen ganz persönlichen Lieblingsplural höre ich jedoch auf der Skipiste: „Gib mir mal meine Ski-Stöcker.“
    Autsch!

    Dass wir mit „Allerersten“ und“ Allerbesten“ gerne die Superlative steigern, gilt zwischenzeitlich nicht einmal mehr als Kavaliersdelikt.
    Es ist vielmehr allgegenwärtiger Sprachgebrauch. Sogar die Moderatoren meines Lieblingsradiosender B5 verwenden solche Hypersteigerungen.
    Und niemals vergesse ich den Chef, der von uns immer die „optimalste“ Lösung wollte.
    Unser Loddar beklagte erst kürzlich die „Ignoration“. Gerne verwenden wir „als wie“ oder „wie wenn“ und in Thüringen darf man auch „hinzu“ und „rückzu“ fahren.
    usw. usw….

    Wie gesagt, ich zucke immer innerlich zusammen.

    Nur manchmal. Gelegentlich. Da reagiere ich mit einem Schmunzeln und verspüre etwas Schadenfreude.
    In den zugegebenermaßen seltenen Momenten nämlich, in denen mich meine Lieblingskommunikationswissenschaftlerin mit Sätzen wie diesen beglückt:
    „….während meines Studiums, wo ich…“
    oder
    „…verschiedener wie wir kann man nicht sein…..“

    (Liebste S., bitte verzeih mir diese Indiskretion ;-))

    Ich bin schon jetzt sehr gespannt auf Teil 2!

    P.S.: Allzu streng darf man das Ganze wie so vieles im Leben aber auch nicht sehen. Immerhin erspart uns der Dativ auch so Manches.
    Stellen wir uns z.B. vor, Nicki hätte grammatikalisch korrekt „Deinetwegen schlaf i ofd net ei“ gesungen…..

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