Ist die Internetnutzung altersabhängig? – Ein Beitrag zur Blogparade von Lisa Figas: Wie nutzt du das Internet? (3)

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Nach den Beiträgen von Jasmin als Digital Native und Dani als Digital Immigrant bringe ich nun unseren Generationenvergleich, zu dem uns Lisa Figas‘ Blogparade animiert hat, zum krönenden Abschluss – ganz im Sinne von „Das Beste kommt zum Schluss“. 😉

Silver Surfer: Andrea Finkel, 47

Genau genommen bin ich für die Einstufung als „Silver Surfer“ noch zu jung, aber im Vergleich zu meinen jüngeren Kolleginnen, die sich gerne über meine etwas hinterherhinkende Internetnutzung lustig machen, trifft sie doch ziemlich gut zu. Zwar stehe ich vielen Entwicklungen im Internet kritisch gegenüber, dennoch könnte ich mir ein Leben ohne täglichen Zugriff ins World Wide Web nicht mehr vorstellen – außer im Urlaub, wo ich höchstens mal einen Rechner fürs Online-Checkin kurz vor dem Rückflug brauche.

Internet und E-Mails – aber bitte nicht mobil

Im Internet bin ich täglich viele Stunden unterwegs, meist beruflich zu Recherchezwecken, aber auch privat nutze ich es sehr häufig. Ich finde es großartig, mit ein paar Klicks jede nur erdenkliche Info zu bekommen, für die man früher ganze Bücher hätte wälzen müssen. Auch weiß ich die Vorteile von bequemen Online-Einkäufen und -Reisebuchungen sehr zu schätzen.

E-Mail ist für mich das wichtigste Kommunikationsmittel im Netz, beruflich wie privat. Ob es sich um Terminvereinbarungen mit Freunden zum Kaffeetrinken handelt oder den Austausch mit den Kollegen meiner Amnesty-International-Gruppe – fast alles läuft über E-Mail. Von Nachrichten, die ich über soziale Netzwerke erhalte, erfahre ich in der Regel zuerst durch die E-Mail-Benachrichtigung. Und beim Überfliegen meiner abonnierten Newsletter finde ich wertvolle Tipps für die weitere Recherche im Netz. Meine E-Mails zu checken ist somit das erste, was ich mache, wenn mich an den Rechner setze.

Nur eines geht gar nicht: E-Mails auf dem Handy lesen oder schreiben. Vielleicht liegt es an den schlechteren Augen im Alter (ich drücke mich noch vor der Gleitsichtbrille) oder an meiner mangelnden Feinmotorik – ich brauche einfach ein Mindestmaß an Bildschirmgröße und eine richtige Tastatur, um einen Text zu tippen. Das gilt auch fürs Surfen im Netz: Internetseiten auf dem Handy-Display sind mir zu klein und unübersichtlich, und bei langen Ladezeiten werde ich ungeduldig.

Mein Handy ist also tatsächlich noch das, wofür es ursprünglich entwickelt wurde: ein Telefonapparat! Natürlich schreibe ich auch hin und wieder eine SMS, aber sowohl mobile Telefonate als auch Kurznachrichten halten sich bei mir so in Grenzen, dass ich mit einem 9-Cent-Prepaid-Tarif immer noch günstiger als mit einer Flatrate fahre. Erst seit knapp einem Jahr besitze ich ein internetfähiges Smartphone – es ist überhaupt erst mein zweites (!) Mobiltelefon. Mein erstes hat mehr als zehn Jahre gehalten – in Sachen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung dürfte ich damit als vorbildlich gelten!

Soziale Netzwerke: Xing, Facebook und Flickr

Xing war mein erstes soziales Netzwerk; dort habe ich mich 2005 registriert (damals hieß es noch Open-BC), um mich mit geschäftlichen Kontakten zu vernetzen. Aktiv genutzt habe ich es dann im Laufe der Zeit immer weniger.

Auf Facebook bin ich seit 2009, wobei ich hier nicht sehr aktiv bin (was eigene Einträge angeht), und schon gar nicht 24/7 wie meine jüngeren Kolleginnen, aber immerhin schaue ich fast täglich kurz rein. Ich sehe es als gute Möglichkeit, um mit Freunden und Familie aus aller Welt Kontakt zu halten, zum Beispiel mit meinem Patenkind in Nicaragua. Und manchmal unterhalte ich mich mit meiner Tochter via Facebook – sie in ihrem Zimmer, und ich nebenan im Wohnzimmer. Ziemlich albern, ich weiß!

Ich teile gerne meine Bilder mit meinen Freunden, will aber nicht die Nutzungsrechte daran an Facebook abgeben. Deshalb stelle ich dort kaum noch Bilder ein. Stattdessen habe ich mir vor kurzem einen Flickr-Account eingerichtet, über den ich zum Beispiel meine letzten Urlaubsfotos hochgeladen habe.

WhatsApp, Instagram, Twitter …

… sind Dienste, die ich nicht nutze. Aus unterschiedlichen Gründen: Für WhatsApp hat mein Handy das falsche Betriebssystem (Bada), aber für die paar SMS, die ich schreibe, lohnt sich kein neues Handy. Instagram: Ginge wohl auch nicht mit Bada, aber ich hatte bisher noch nicht das Bedürfnis, Handy-Bilder mit möglichst vielen Nutzern zu teilen. Ebenso geht es mir mit Twitter, damit kann ich mich auch nicht anfreunden. Vielleicht, weil ich mich nicht auf 140 Zeichen begrenzen kann, wenn ich was sagen will … 🙂

Blogs …

… dagegen gefallen mir viel besser. Gute Blogposts sind wie Prosa in der Literatur, wohingegen Tweets eher Gedichtzeilen gleichen. Und für Gedichte konnte ich mich noch nie so richtig erwärmen, Prosa dagegen verschlinge ich geradezu. Meine Erfahrungen mit eigenen Blogposts beschränken sich noch auf den candid-Blog. Zu mehr fehlte mir bisher die Zeit oder das geeignete Thema – am ehesten könnte ich mir einen Reiseblog vorstellen, aber dann müsste ich mehr reisen und weniger arbeiten. 🙂

Damit ist unsere kleine Serie beendet. Sind wir nun repräsentativ für die Internet-Stereotypen, in die wir vom Alter her fallen? Wir freuen uns über Kommentare dazu!

Über Andrea Finkel

Die Komma-Queen: begeistert sich für alles, was mit Sprache zu tun hat – auch Grammatik und Rechtschreibung. Komplexe Themen wecken ihren Ehrgeiz.

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Am 24. Oktober 2013
Von
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2 Antworten auf "Ist die Internetnutzung altersabhängig? – Ein Beitrag zur Blogparade von Lisa Figas: Wie nutzt du das Internet? (3)"

  1. Kirsten sagt:

    Die drei Beispiele waren sehr interessant zu lesen. Natürlich sind alle drei Damen allein des Berufes wegen webaffin. Was ich sehr spannend fand war, dass sowohl Andrea als auch Dani ihre Töchter erwähnten. Danis Tochter „nützt“ Youtube. Andrea und ihre Tochter facebooken hin und wieder von Zimmer zu Zimmer. Was ist mit der nächsten Generation www-User? Wieweit können wir vorbereiten? Und was ist für uns beim Umgang unserer Kinder mit dem Web fremd?

  2. Andrea sagt:

    Ja, das sind tatsächlich spannende Fragen, die ich mir als Mutter auch stelle. Vor allem weiß die nächste Generation www-User meist nicht mehr, das manche Dinge auch anders zu lösen sind als übers Internet. Andererseits sind sie uns (älteren Usern) in vielem voraus, was neue Entwicklungen angeht, und sie sind schneller und mutiger Neues auszuprobieren. Ich würde mir dabei nur wünschen, dass sie nicht alles unkritisch akzeptieren, und dass sie lernen, ihre persönlichen Daten zu schützen.

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