Binnenmajuskel

Sprachliche Irrungen und Wirrungen (Teil 3): Binnenmajuskel

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Die Binnenmajuskel – immer wieder begegnet man ihr, auch wenn ihr Name vielen nicht bekannt sein wird. Wie auch mir nicht bis vor kurzem. Allein der Klang des Wortes lässt mich unwillkürlich an Loriots Steinlaus denken. Dabei gibt es die Binnenmajuskel wirklich! Jedoch hat sie nur in ganz seltenen Fällen ihre Daseinsberechtigung, etwa in Eigennamen wie McKinsey oder DeJong. Ein Großbuchstabe (Versal) im Wortinnern kann in der deutschen Rechtschreibung nämlich gar nicht vorkommen. Dennoch ist die Binnenmajuskel immer häufiger anzutreffen – man denke nur an die Kreationen der Deutschen Bahn (BahnCard, EuroCity, InterRegio), von Apple (iPhone, iPad) und viele weitere wie eBay, WhatsApp oder OpenOffice. Weit verbreitet sind Binnenmajuskeln insbesondere in Wortzusammensetzungen mit Anglizismen, aber auch Schreibweisen wie SonnenStudio, KinderClub, FernUniversität und PrivatKredit findet man immer häufiger. Und im Dezember hat sogar die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) ein solches Wort zum Wort des Jahres gewählt: GroKo, eine Kurzform für die große Koalition, die als Twitter-Hashtag in dieser Schreibweise entstanden ist.

Marketingsprache vs. Mediensprache

Die meisten solcher Schreibweisen stammen jedoch aus den Marketingabteilungen von Unternehmen, die glauben, damit etwas Neues und Unverkennbares geschaffen zu haben, das eindeutig dem jeweiligen Unternehmen zuzuordnen ist. Sie erwarten auch, dass jeder sich an diese Schreibweise zu halten hat. Bei Anzeigenschaltungen machen entsprechende Corporate-Design-Vorgaben durchaus Sinn, aber in der Pressearbeit geht es ausschließlich um Inhalte. Mit dem Slogan „Fakten, Fakten, Fakten“ hat der Focus auf den Punkt gebracht, was für Journalisten zählt. Und was sie von den Pressestellen der Unternehmen erwarten – und zwar in korrekter deutscher Rechtschreibung. Denn alles andere müssen sie mühsam korrigieren: Binnenmajuskeln ebenso wie in Versalien geschriebene Firmen- und Produktnamen, die keine echten Akronyme sind. Diese gehen übrigens häufig Hand in Hand mit Floskeln wie „führender Anbieter von“ und „das innovative, fortschrittliche Produkt XYZ“. Als PR-Dienstleister raten wir unseren Kunden immer wieder von solchen Formulierungen ab, erklären ihnen, wie viel Arbeit es für Journalisten ist, einen vor Worthülsen strotzenden Text in die Mediensprache zu „übersetzen“, und dass diese Arbeit Zeit kostet – Zeit, die der Journalist oft nicht hat. Und wenn dann noch 50 bis 100 andere Meldungen auf seinem Tisch liegen, von denen einige genauso relevant sind, ist die Entscheidung, welche im Papierkorb landen, oft schnell getroffen.

Quelle: http://www.sagen.at/fotos/showphoto.php/photo/42826

Quelle: www.sagen.at

Binnen-I

Aber zurück zur Binnenmajuskel, denn da gibt es noch einen Sonderfall: das Binnen-I, wie in LehrerInnen, SchülerInnen oder StudentInnen, das wir vermutlich einigen übereifrigen Feministinnen zu verdanken haben. Vor allem Gleichstellungbeauftragte lieben das Binnen-I, sie verwenden es, wo es nur geht – und übertreiben es dabei mitunter, etwa durch Schöpfungen wie „MitgliederInnen“, was grammatisch völliger Unsinn ist, da „Mitglied“ ein Neutrum ist. Selbstverständlich begrüße ich jede Art der Gleichberechtigung von Frauen, jedoch äußert sich diese für mich nicht in einem „Innen“, das an jede maskuline Personenbezeichnung angehängt wird. Das Binnen-I schadet der Lesbarkeit von Texten und es sieht einfach nicht schön aus. Die Alternative – damit sich keine Frau ausgeschlossen fühlen muss – wäre „Lehrer und Lehrerinnen“. Aber die Häufung solcher Konstrukte wirkt in Texten genauso ermüdend wie sich Reden von Politikern anhören („Liebe Wählerinnen und Wähler“). Ganz schlimm wird es in Wortzusammensetzungen. Meist bleiben Wörter wie Schülerzeitung, Lehrerzimmer, Kundenservice und Mitarbeiterzeitung vom Binnen-I verschont, aber mir sind auch schon die „ErzieherInnenausbildung“ und „PädagogInnenbildung“ begegnet! Ich vermute, dass es sicher noch viel schlimmere Kreationen gibt – welche davon sind euch schon begegnet? Lasst sie uns hier sammeln und dann eine Art „Goldene Zitrone“ für die gruseligste Wortschöpfung vergeben!

Über Andrea Finkel

Die Komma-Queen: begeistert sich für alles, was mit Sprache zu tun hat – auch Grammatik und Rechtschreibung. Komplexe Themen wecken ihren Ehrgeiz.

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Am 3. Februar 2014
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