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Was heißt eigentlich candid?

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Immer wieder werde ich gefragt, warum unsere Agentur candid heißt, und was das bedeutet. Als ich mich 2003 selbstständig machte, suchte ich nach einem Namen, der gut klingt. Dass er inhaltlich passen sollte, war sowieso klar. Außerdem sollte er verschiedene Assoziationen und Bedeutungen zulassen – die beste Voraussetzung, um schnell ins Gespräch zu kommen und im Gedächtnis zu bleiben.

Also blätterte ich eine Weile im Duden, im Thesaurus und in Wörterbüchern auf der Suche nach Inspiration und passenden Alliterationen zu Kommunikation oder Communications. Bis ich auf das englische Adjektiv „candid stieß. Das steht für offen, ehrlich, aufrichtig, geradlinig – genau mein Anspruch an gute und vertrauensvolle Kommunikation. Das passte!

Candid, nicht zu verwechseln mit candied: Auch wenn uns natürlich bewusst ist, dass manche Unternehmen gerne Süßholz raspeln und „überzuckerte“ bzw. „kandierte“ Kommunikation bevorzugen.

Schnell stellte sich heraus: Da steckt noch viel mehr drin. Die beiden Verben „can“ und „did“ zum Beispiel. Sie beschreiben unsere „can do“-Mentalität ganz gut. Geht nicht, gibt’s bei uns nicht: Wir tun, was wir können und wir können, was wir tun.

Die Lateiner unter uns erkennen mit „candidus“ eine weitere Nuance: weiß, glänzend, strahlend, ungekünstelt, aufrichtig und redlich. Der Candidatus ist denn auch derjenige, der sich – bekleidet mit einer weißen Toga – um ein Amt bewirbt. Dann mal her mit den Pitch-Anfragen!

In Anlehnung an die weiße Strahlkraft hat das schweizerische Einzelhandelsunternehmen Migros wohl auch eine ganze Marken- und Produktreihe rund um Mund- und Zahnpflege nach Candida benannt. Davon erfuhren wir erst, als uns Su Franke darauf hinwies.

Zugegeben: Dass Candida auch eine Hefe-Gattung bezeichnet, die Pilzinfektionen verursachen kann, ist eher unappetitlich. Kreativ umgedeutet kann ich jedoch einer Substanz, die dafür sorgt, dass etwas langsam vor sich hin quillt und gärt, auch noch etwas Kommunikatives abgewinnen. Auch wenn es manchmal nur heiße Luft ist, die ein Thema antreibt.

Grafiker kennen Candida als Serifen-Schriftart. Sie wurde ursprünglich in den 1930er-Jahren vom Typografen Jakob Erbar entwickelt. Als Agenturschrift haben wir allerdings die schnörkellosere Century Gothic gewählt.

Auch als weiblicher Vorname begegnet uns Candida immer wieder. Zum Beispiel im gleichnamigen Theaterstück des englischen Literaturnobelpreisträgers George Bernard Shaw. Oder bei Candida Höfer, der deutschen Fotografin, deren Aufnahmen von Bibliotheken ich so bewundere.

Das französische Namenspendant Candide kommt als Hauptfigur einer Voltaire-Novelle vor, die Leonard Bernstein später als Musical vertont hat. Auch wenn Voltaire den unerschütterlichen Optimismus „der besten aller Welten“ spöttisch verhöhnt: Mir gefällt diese Einstellung. Soll jeder für sich entscheiden, ob er nach dem Motto handelt: „Travaillons sans raisonner, […] c’est le seul moyen de rendre la vie supportable“ („Lasst uns arbeiten ohne nachzudenken, das ist das einzige Mittel, das Leben erträglich zu machen“). Oder nach der Erkenntnis: „Cela bien dit, […] mais il faut cultiver notre jardin“ („Gut gesagt, aber unser Garten muss bestellt werden“). Bei uns wird jedenfalls gedacht beim Arbeiten und Spaß macht es auch noch.

Häufig hören wir statt „kändid“ auch „kanndit“.Das kommt vor allem in Süddeutschland vor. In München kennt man eine Straße, einen Platz und einen stauträchtigen Tunnel mit diesem Namen. Dass diese nach Peter Candid benannt sind, wissen wahrscheinlich nur wenige. Der um 1548 in Brügge geborene Maler war ab 1586 am bayerischen Königshof tätig. Auch für den Goldenen Saal im Augsburger Rathaus hat er ein Gemälde entworfen, in St. Ulrich und Afra befindet sich ein Altarbild des Künstlers.

Schließlich fällt mir noch die amerikanische Fernsehsendung „candid camera“ ein. Die ist vergleichbar mit „Verstehen Sie Spaß?“ bei uns. Der Jingle dazu, der candid song, stammt von Little Richard.

So viele Geschichten und Bedeutungen. Ich fühle mich immer noch sehr wohl mit unserem Agenturnamen. Wenn Euch noch zusätzliche Geschichten dazu einfallen, immer her damit. Es dauert bestimmt nicht lange, und ich brauche wieder eine Antwort auf die Frage: „Was heißt eigentlich candid?“

Über Sandra Strüwing

Kommunikatorin und Netzwerkerin aus Leidenschaft. Liebstes Hobby und persönlicher Anspruch: candid communications.

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Am 12. Juni 2015
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2 Antworten auf "Was heißt eigentlich candid?"

  1. Andrea sagt:

    Einprägsam ist der Name auf alle Fälle: Die Pressesprecherin eines OEM-Partners von einem unserer Kunden hatte sich sofort daran erinnert, als ich sie zwei Jahre nach unserer ersten Begegnung wieder auf einer Messe traf. Sie meinte, dass sie ein Agenturname selten an eine Süßigkeit erinnnert. Ist doch schön, wenn man mit einer positiven Assoziation im Gedächtnis bleibt!

  2. Sandra sagt:

    Ha! Den Candystorm sollte ich in meine Assoziationsliste noch aufnehmen: https://de.wikipedia.org/wiki/Candystorm

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