Zersplittertendes Smartphone mit Flammen

Augsburger Mediengespräche: Themaverfehlung. Setzen, Sechs.

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Was ist digitaler Burnout, wie entsteht er und was kann man dagegen machen? Auf den 14. Augsburger Mediengesprächen blieb man dem Publikum die Antworten auf diese Fragen schuldig. Immerhin war das Essen danach lecker. Unsere zwei Cent.

Teilnehmer der Podiumsdiskussion zum Thema "Digitaler Burnout"

Diskutierten bei den Augsburger Mediengesprächen (v.l.): Gero Gode, Verena Weigand, Dirk von Gehlen, Katrin Müller-Hohenstein, Dr. Tagrid Leménager, Dr. Alexander Markowetz.

 

13. Oktober, 21.12 Uhr. Goldener Saal, Rathaus Augsburg.

Elke: Oh Mann. Das war wieder mal nur Phrasen-Bingo. Blabla Bodenampeln, blabla wie oft schauen Sie täglich auf Ihr Handy, blabla Smartphone ist gar nicht smart, blabla Cybermobbing, blabla Eltern überfordert mit Mediennutzung… mir war das alles zu banal.

Andrea: So schlimm war es doch gar nicht. Ich finde schon, dass es zum Nachdenken angeregt hat. Mir hat ganz gut gefallen, was der Dr. Markowetz gesagt hat. Wenigstens sieht er das Smartphone- Nutzungsverhalten doch ein bisschen kritischer als manch anderer in der Runde. Etwa, als er von einer Fragmentierung des Alltags sprach, wenn man das Smartphone 60 Mal am Tag eine Minute nutzt anstatt morgens eine Stunde am Stück. Außerdem hat er mit seinen historischen Herleitungen den digitalen Wandel ganz gut erklärt, und eben auch, warum die Gesellschaft damit nicht so zurechtkommt.

Elke: Naja, ich hatte ja das Gefühl, dass er nur sein neues Buch verkaufen wollte.

Andrea: Aber das hat er doch gar nicht explizit erwähnt.

Elke: Das nicht, aber er hat schon sehr angestrengt versucht, zu polarisieren. Mir kommt er mit seinem erhobenen Zeigefinger vor wie der neue Manfred Spitzer. Wobei sie sich auf dem Podium ja dann doch irgendwo einig waren. Als der Markowetz meinte, dass die Antwort in der Mitte liegt, die Mitte aber schwierig ist, haben sie ihm ja zugestimmt.

Andrea: Das ist sicherlich näher an der Wahrheit.

Elke: …, klingt aber nicht so reißerisch wie „permanente Smartphone-Nutzung ist gefährlich“. Immerhin hatte er die vier Leute auf seiner Seite, die sich auf die Frage gemeldet haben „Wer hier hat KEIN Smartphone?“. Die wollten bestimmt nicht von Verena Weigand hören, dass bestimmte Dinge kommen werden und dass man die Medien nicht verteufeln, sondern lieber Hilfestellung und richtige Antworten bieten sollte – wie es die BLM ja versucht. Gero Gode meinte ja auch, dass Smartphones Vor- und Nachteile haben und man sie nicht sofort mit Gefahr verknüpfen sollte. Ich fand dabei den Hinweis auf den Titel der Veranstaltung ganz gut – dass man über digitalen Burnout nicht mit einem Ausrufezeichen, sondern eben wie im Titel mit einem Fragezeichen sprechen sollte. Das war dann aber auch das einzige Mal, dass das eigentliche Thema überhaupt angesprochen wurde, oder?

Andrea: Stimmt. In der Schule wäre es eine Themaverfehlung gewesen. Denn letztendlich ging es in der ganzen Diskussion mehr um Internetsucht. Dass hierbei das Smartphone eine wichtige Rolle spielt, hat ja Dr. Leménager gut erklärt. Durch das Smartphone ist das Internet eben ständig verfügbar und begünstigt somit eine Suchtentwicklung. Aber leiden Internetsüchtige damit automatisch unter einem Burnout? Wohl kaum, oder?

Elke: Keine Ahnung. Leider blieben ja die Antworten auf Fragen zum digitalen Burnout offen. Mir ging es zu viel über Mediennutzung allgemein. Dafür war es dann aber zu wenig visionär. Für die Aussage, dass große Durchbrüche bei Virtual Reality und die digitalisierte Pornografie unser tägliches Leben künftig verändern werden, brauche ich doch keinen Dr. Markowetz.

Dr. Alexander Markowetz erläutert die Telefonnutzung verschiedener Altersgruppen.

Drei Stunden täglich nutzen wir das Smartphone, nehmen es 55 Mal in die Hand: Dr. Alexander Markowetz stellte bei den Augsburger Mediengesprächen die Ergebnisse seiner Studie vor.

Andrea: Na ja, wenigstens hat der dem Gero Gode, der das Smartphone ja quasi in den Himmel gelobt hat, ein wenig Contra gegeben. Aber dank Dirk von Gehlen weiß ich jetzt, warum ich meine Tochter oft schimpfe, wenn sie ihr Smartphone (ich nenne es liebevoll „Blechdepp“) wieder gar nicht aus der Hand legen mag: Ich bin halt anders sozialisiert worden. In meiner Jugend gab es noch kein Internet. Damals wurde noch das Fernsehen als mögliche Suchtgefahr verteufelt, vor dem Kinder geschützt werden mussten. Wir empfinden technischen Fortschritt als bedrohlich. Für unsere Eltern war es der Fernseher, für mich ist es das Smartphone.

Elke: Aber man kann sich dem Fortschritt doch nicht verschließen und das Handy einfach weglegen. Wie hat der Gode gesagt? Etwas in die Richtung „nicht klicken und swipen heißt, die Zukunft zu verpassen, wie es sie schon in den USA gibt“.

Andrea: Aber Kindern sollte man schon einen gesunden Umgang mit dem Smartphone und mit dem Internet beibringen, oder? Wie hat das Frau Leménager gleich noch erklärt – was passiert beim Multitasking, wenn Kinder zum Beispiel fernsehen und gleichzeitig whatsappen?

Elke: Da kann sich das Gehirn nicht so gut entwickeln, also der Teil, der für die Vernunft zuständig ist.

Andrea: Na schau, da haben wir doch ein bisschen was gelernt heute Abend. War doch a bissel mehr als nur Phrasendrescherei, oder?

Elke: Mag sein. Auf alle Fälle war das Essen wieder lecker.

Andrea: Dann sind wir nächstes Jahr wieder mit dabei?

Elke: Logisch. Komm, wir holen uns noch einen Nachtisch.

Andrea: Da sind wir uns absolut einig.

 

Entscheiden Sie selbst, ob der Abend Phrasendrescherei oder „die wohl unterhaltsamsten und kontroversesten Mediengespräche der vergangenen Jahre“ waren: Auf a.tv wird die Aufzeichnung der Veranstaltung am 15. und 16. Oktober um 19 Uhr ausgestrahlt.

Über Elke Brown

Kommunikative Kontakterin, kreative Texterin und Frau für alles Technische bei candid communications. InDesign-, WordPress- und Pixelwelten-Fan.

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Am 14. Oktober 2016
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