Die Augsburger Extrawurst

Augschburg Kommentare (3)

Mit einer ordentlichen Portion Neid hatte ich bislang aus anderen Städten auf die bayerisch-schwäbische Metropole am Lech geblickt. Nur hier und nirgendwo anders ist der 8. August ein Feiertag. Jetzt darf auch ich mich über einen exklusiven freien Tag freuen. Aber warum eigentlich?

Zwist der christlichen Religionen

Meine Online-Kurzrecherche ergibt: Schuld sind die Katholiken. Das Fest soll nämlich an die Leidenszeit der evangelischen Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg erinnern. Am 8. August 1629 ließ das katholische Stadtregiment alle evangelischen Kirchen schließen und die Prediger ausweisen. Es dauerte bis zum Jahr 1650, dass sie endlich die im Westfälischen Frieden errungene Gleichberechtigung mit der katholischen Kirche feiern und ihren Glauben wieder öffentlich ausüben konnten. Seitdem wird daher immer am 8. August das Hohe Friedensfest – so der offizielle Name – gefeiert.

Aha. Außerdem lerne ich, dass seit 1950 das Augsburger Friedensfest ein gesetzlicher Feiertag ist. Und 1985 verzieh man auch den Katholiken, seitdem dürfen sie mitfeiern. Führt man sich die damaligen Probleme der beiden christlichen Religionen vor Augen, wird schnell klar, dass sie so weit nicht von den aktuellen Herausforderungen entfernt sind. Über 40 Prozent Bürger mit Zuwanderungsgeschichte wohnen heute in Augsburg – vielleicht rückt diese gesellschaftliche Vielfalt ja auch näher zusammen, wenn man gemeinsam den Frieden feiert.

Anleitung zum Frieden feiern

Aber wie macht man das eigentlich – den Frieden feiern? Dazu habe ich meine Ur-Augsburger Kolleginnen befragt und erfahren: ganz unterschiedlich. Die eine hält  zum Beispiel während der Nacht zuvor Mahnwache im extra aufgebauten Flüchtlingsboot am Elias-Holl-Platz. Empfohlen wird mir auch ein Besuch der Augsburger Friedenstafel auf dem Rathausplatz, wo Menschen unterschiedlichster Herkunft gemeinsam das speisen, was sie mitgebracht und geteilt haben. Oder ich könnte beim Kinderfriedensfest im Botanischen Garten vorbeischauen.

Angesichts der angekündigten Temperaturen locken jedoch auch die Badeseen der Umgebung. Oder man könnte – so verraten sie mit einem Augenzwinkern – shoppen gehen. Direkt an der Ortsgrenze endet nämlich die Feiertagszone, die Nachbarn Augsburgs müssen ganz normal zur Arbeit gehen. Auch mich wird dieser Wermutstropfen treffen: Fällt der 8. August auf einen Homeoffice-Tag, sitze ich alleine an meinem Schreibtisch. Der steht nämlich auch außerhalb der Augsburger Stadtgrenze.

Über Simone Hedler

Sie fühlt sich in der Welt der Wörter zu Hause und erklärt Kompliziertes so, dass es jeder versteht; und zudem noch spannend findet.

» Augschburg » Die Augsburger Extrawurst
Am 7. August 2018
Von
, ,

3 Antworten auf "Die Augsburger Extrawurst"

  1. Andrea sagt:

    Der krönende Abschluss der Mahnwache im Flüchtlingsboot war dann eine Aktion des Augsburger Flüchtlingsrats in Kooperation mit Bluespots Productions und weiteren Organisationen: Claus-Peter Reisch, der Kapitän der Lifeline, trat als Überraschungsgast auf und nach seiner Rede wurde ein Manifest verlesen mit der Forderung, dass Augsburg ein sicherer Hafen für Flüchtlinge werden soll. Dann stiegen 300 orangefarbene Luftballons in den Himmel, die wir zuvor an die Gäste der Friedenstafel verteilt hatten. Denen schien die Aktion übrigens gefallen zu haben – im Gegensatz zur Stadtspitze, wie hier zu lesen ist: https://www.br.de/nachrichten/schwaben/inhalt/streit-wegen-fluechtlingsaktion-beim-friedensfest-in-augsburg-100.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »