Choosatron im ZKM

Storytelling per Choosatron: Fundstück im ZKM

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Erst gestern fiel er mir wieder in die Hände: der schmale, rund ein Meter lange Streifen Thermopapier mit einer Geschichte. Meiner Geschichte. Denn die habe ich mir im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe selbst zusammengestellt. Am Choosatron, einem Drucker, der per Knopfdruck Abenteuergeschichten auf Endlospapier ausspuckt: Episode für Episode, von Cliffhanger zu Cliffhanger, von Entscheidung zu Entscheidung. Am Ende durfte ich mein individuelles Werk abreißen und als Souvenir mitnehmen – einen linear erzählten Pfad durch einen vielfach verzweigten Episoden-Dschungel, Teil einer großen Geschichte.

Die Flucht aus Pompeji: eine Geschichte von James Mitchell

Ausgangpunkt: Italien. Per Zeitreise gelange ich nach Pompeij – mitten hinein in den Ausbruch des Vesuv. In einem der hölzernen Bootshäuser verstecken oder weglaufen? Ich laufe. An dem kleinen Jungen, der vor einem Schrein betet, vorbeilaufen oder stehenbleiben? Ich bleibe stehen. Jede Entscheidung verleiht der Geschichte – meiner Geschichte – einen neuen, eigenen Dreh. Schließlich muss ich auf der Flucht vor dem Lavastrom an einer Weggabelung einen von drei Wegen wählen. Ich lande auf einem völlig überfüllten Platz voller Einwohner. Historiker, so das Fazit, werden Jahre lang darüber grübeln, wie dieser fremde Körper inmitten der toten Menschenmenge endete. Hätte mir die Flucht aus der Stadt oder sogar die Rückkehr in meine Zeit gelingen können, hätte ich mich an der ein oder anderen Stelle für einen anderen Geschichtenverlauf entschieden? Ich muss wohl bald wieder einmal ins ZKM fahren, um das herauszufinden.

Das Choosatron von Jerry Belich

Der Kopf hinter diesem schönen Spieleerlebnis ist der Spieleentwickler Jerry Belich. Seine Idee zum Choosatron mündete 2013 in einem außerordentlich erfolgreichen Kickstarter-Projekt: Im Sommer 2013 trugen 570 Menschen mit insgesamt 75.080 US-Dollar dazu bei, das Projekt zu verwirklichen. Einwerben wollte er eigentlich nur 22.000 US-Dollar. Seither hat es Platz in zahlreichen Museen gefunden und wird auf Kunst- und Medien-Festivals eingesetzt. Auf dem internationalen Independent-Festival A-MAZE in Berlin hat es 2014 das Herz der Teilnehmer erobert und den Publikumspreis erhalten.

Über Sandra Strüwing

Kommunikatorin und Netzwerkerin aus Leidenschaft. Liebstes Hobby und persönlicher Anspruch: candid communications.

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Am 6. Februar 2017
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