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re:think – die Kehrseite der bunten Social-Media-Welt

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Mai. Berlin. Die Sonne scheint. Zeit für die re:publica, ihre Pforten zu öffnen. Unter den tausenden Konferenzteilnehmern: ICH. Per definitionem noch ein Digital Native, die die sozialen Netzwerke auch unwahrscheinlich mag und selbstverständlich nutzt. Facebook, Instagram, WhatsApp usw. gehören zu meinem Alltag. Dass die Netzwerke jedoch nicht nur positive Seiten haben, ist mir durch einige besuchte Sessions wieder deutlich vor Augen geführt worden.

POP: POPkultur, POPulismus, Power Of People

republica Logo POPPOPkultur, POPulismus, Power Of People; POP eben. So lautete das diesjährige Motto der re:publica. An spannenden Vorträgen mangelte es nicht. Ob aus dem Bereich der Wissenschaft, Kultur, Politik oder dem Journalismus. Algorithmen, künstliche Intelligenz, die Macht der Massen, aber auch die Macht einiger weniger spielten dabei häufig eine zentrale Rolle.

 

Das Massenmedium Internet: rechtspopulistische Parteien auf dem Vormarsch

Eigentlich wollte ich in diesem Jahr wieder einen kleinen Beitrag über eine Session schreiben, die mir besonders gut gefallen hat, in der ich vielleicht neue App-Vorschläge für Euch habe oder sonst irgendwelche wichtigen Medientrends. Doch Ihr wisst ja: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Deshalb werde ich diesmal den Emotionen den Vorzug lassen.

So besuchte ich u. a. die Sessions „Rechtsruck in Deutschland – Linksabbiegen (un)möglich?“ und „Warum sind die Rechten so hip im Netz?“. Und hier wurde deutlich: Ja, das Internet ist mittlerweile ein Massenmedium, das Fluch und Segen zugleich ist. Denn leider kann dort jeder seine Gedanken äußern und teilen, seien sie noch so rechtsextrem und diskriminierend. Und leider schafft es dieser quantitativ geringere Teil häufig, mehr Sichtbarkeit im Netz zu erzeugen als die breite Masse. Woran das liegt? Die Sprache spielt dabei eine entscheidende Rolle. Sie wissen ganz genau, was sie sagen müssen, welche Schlüsselworte sie verwenden müssen, um ein bestimmtes Handeln zu bewirken. Mehr zum politischen Framing erfahrt ihr übrigens in der Publikation „Politisches Framing: Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht“ von Elisabeth Wehling.

Und diese Sprache wissen Populisten eben auch in den sozialen Medien einzusetzen. Sie verstehen die Mechanismen der Netzwerke und erlangen Sichtbarkeit durch emotionale Posts. „Wut bringt die Menschen zum Klicken“ und der Algorithmus tut sein Übriges, sagt Journalistin Ingrid Brodnig und erklärt so die Popularität der Rechten. Was die Politik tun kann? Eigene Themen setzen und nicht gegen „DIE“ schimpfen. Was wir tun können? Wir – die Mitte der Gesellschaft – müssen einfach lauter sein als der kleinere rechte Rand, rät Extremismusforscherin Julia Ebner.

The Cleaners – die Digitale Müllabfuhr

Über die Content-Moderation in Manila haben wir bereits in einem früheren Beitrag berichtet. Jetzt hat der Laokoon-Gründer Moritz Riesewieck  seine Recherchen zu den Moderatoren, die Millionen von Bildern von Gewalt und Pornographie sichten und löschen, in einem Dokumentarfilm visuell aufbereitet.  „The Cleaners“  zeigt auf eindrucksvolle Weise, was dieser Job mit den Menschen macht. Unbedingt anschauen!

Shitstorm: Wenn der Tsunami einen überkommt

„Ich bin noch nie so ungerne auf eine Bühne getreten.“ So begann der Talk des Journalisten Richard Gutjahr, der explizit schilderte, wie er und seine Familie in den Shitstorm-Strudel von Verschwörungstheoretikern gerieten. Aber schaut es Euch doch am besten einfach selbst noch einmal an. Seine Learnings aus dieser negativen Erfahrung:

  1. Don’t feed the troll war gestern. Wartet lieber nicht zu lange und reagiert darauf.
  2. Schafft eine alternative Story und erzählt Eure Geschichte.
  3. Schweigt lauter. Schaut nicht weg.

Eine wirklich sehr emotionale Session, die mir richtig nahe ging. Der minutenlange Applaus zeigt wohl, dass es nicht nur mir so erging.

re:publica-Fazit

republica ImpressionIn einer Zeit, in der rechtspopulistische Parteien in ganz Europa und der Welt auf dem Vormarsch sind, in der Algorithmen über die Sichtbarkeit von Inhalten auf sozialen Netzwerken bestimmen und Hate-Speeches nichts Neues sind, ist es umso wichtiger, nicht wegzuschauen. Wie hieß es im Vortrag von Richard Gutjahr: Fight back!

 

Über Jasmin La Marca

Die Augs(ch)burgerin mit italienischem Migrationshintergrund liebt es, Texte fürs Netz zu schreiben. Bloggen, skypen, twittern und natürlich facebooken: Social Media – *thumbs up* --> gefällt mir

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Am 5. Mai 2018
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