Thomas Nast Nikolausmarkt

Der Pfälzer Pressezeichner, der das Bild von Santa Claus prägte

Pinnwand Kommentare (1)

Denken wir an Santa Claus, haben wir alle sofort ein Bild im Kopf: den gemütlichen und gutmütigen alten Mann mit roten Pausbacken und mächtigem Rauschebart. Über seinem dicken Bauch spannt eine rote Hose XXL. Er trägt schwere schwarze Stiefel, eine rote Jacke und Kapuze mit Pelzsaum. Dieses Bild prägte Thomas Nast aus Landau in der Pfalz, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als bekanntester Pressezeichner und einer der einflussreichsten Publizisten der USA Karriere machte. Und zwar lange bevor Coca-Cola die Weihnachtsfigur ab 1931 für seine Marketingkampagnen nutzte und rund um den Globus verbreitete.

Santa Claus: eine Auftragsarbeit für Abraham Lincoln

MerryOldSanta

US-Präsident Abraham Lincoln höchstpersönlich soll sich im Dezember 1862 ein besonderes Weihnachtsbild von Nast gewünscht haben. Der 22-Jährige ist zu dieser Zeit bereits bekannt für seine umfangreichen „Bildreportagen“ von den Schauplätzen des amerikanischen Bürgerkriegs. Mit seinem Zeichenstift tritt er pointiert für die Sache der Union ein und trifft damit den Nerv der Menschen. Dafür wird er von Lincoln als „bester Anwerbungsoffizier“ bezeichnet, der maßgeblich dazu beigetragen haben soll, die Moral der Nordstaatentruppe zu stärken. Und seinem Arbeitgeber, dem „Harper’s Weekly“, verhilft Nast damit zu enorm steigenden Auflagen, was das Blatt zu einer der ersten Massenillustrierten macht.

Für Lincolns Auftragsarbeit lässt sich Nast von einem Gedicht inspirieren: „A visit from Saint Nicholas“ von Clement Clarke Moore. Außerdem erinnert er sich an den Pelznickel, der in seiner deutschen Heimat zur Weihnachtszeit eine Rolle spielt – wenn auch nicht als derjenige, der Geschenke bringt, sondern als derjenige, der den unartigen Kindern Furcht einflößt und sie in den Sack steckt. Das Ergebnis prangt am 3. Januar 1863 auf dem Titelbild von „Harper’s Weekly“: Santa Claus sitzt auf einem Rentierschlitten und beschenkt die Soldaten im Feld. Der Stoff von Jacke und Hose ist mit Stars-and-Stripes-Muster gestaltet – eine stärkere patriotische Symbolik geht kaum. Schnell entwickelt sich Nasts Vorbild zur nationalen Ikone. Jahr für Jahr gibt es neue Illustrationen des Santa Claus in den Weihnachtsausgaben von „Harper’s Weekly‘. 1890 erscheinen diese gebündelt in einem Sammelband. Auch liebevoll kolorierte Postkarten und Sonderdrucke finden reißenden Absatz.

Ein Landauer macht Karriere: Begründer der US-amerikanischen Karikatur

Diese Bilder haben viele von uns schon einmal gesehen. Dass sie von einem Deutschen stammen, wissen nur wenige. Außer in Landau. Dort kennt Thomas Nast jedes Kind. Die Stadt ist stolz auf ihren Sohn, der sich in Amerika einen Namen gemacht hat und bis heute als Begründer der US-amerikanischen Karikatur verehrt wird. So begegnet man ihm dort auch auf Schritt und Tritt. Die Touristeninformation bietet Stadtführungen auf seinen Spuren an. Eine Straße, ein Platz und eine Schule sind nach ihm benannt. Ebenso eine Gastprofessur an der Universität Koblenz Landau. Und natürlich der örtliche Weihnachtsmarkt. Um das Andenken des gebürtigen Landauers kümmert sich der lokale Thomas-Nast-Verein.

Thomas Nast wurde am 27. September 1840 in der Roten Kaserne in Landau geboren. Mit seiner Mutter wanderte er im Alter von sechs Jahren nach Amerika aus, wie Zehntausende andere Pfälzer. Der Vater, ein Militärmusiker, kam nach. In der Schule hatte der kleine Thomas Probleme, tat sich mit dem Lesen und Schreiben in der fremden Sprache schwer. Stattdessen fiel sein zeichnerisches Talent auf und wurde von den Eltern gefördert. Er war 15, als seine ersten Illustrationen in einer Wochenzeitung abgedruckt wurden. Schnell machte er Karriere, der Durchbruch gelang ihm mit dem Bürgerkrieg. Neben Santa Claus schuf Thomas Nast eine Reihe anderer bekannter Ikonen. Uncle Sam zum Beispiel, oder Elefant und Esel als die bis heute etablierten Symbole für Republikaner und Demokraten, auch dem Dollarzeichen soll er den letzten Schliff gegeben haben. Mit seinem Zeichenstift übte Nast Macht aus, nahm Einfluss auf politische Laufbahnen. Bis zu Beginn der 1880er-Jahre hatte er sich einen beachtlichen Wohlstand erarbeitet. Dann veränderte sich die Presselandschaft: Seine Zeichnungen trafen immer weniger den Zeitgeist, die Technik des Holzschnitts wurde allmählich von der Fotografie abgelöst. Nach mehr als drei Jahrzehnten wurde er von „Harper’s Weekly“ entlassen. Die Karriere des einflussreichsten Zeichners Amerikas endete mit Anfang 50. Durch Finanzspekulationen verlor er sein Vermögen. Theodore Roosevelt verschaffte ihm im Sommer 1902 den Posten als amerikanischer Generalkonsul in Ecuador, um ihn vor dem vollkommenen Ruin zu retten. Nur wenige Monate später, am 7. Dezember – einen Tag nach dem Nikolaustag – starb Thomas Nast im Alter von 62 Jahren in Guayaquil an Gelbfieber.

Thomas-Nast-Nikolausmarkt

Plakat Nikolausmarkt LandauIn seiner Geburtsstadt Landau hält man das Andenken von Thomas Nast in Ehren. Nicht zuletzt zur Weihnachtszeit. Denn der Weihnachtsmarkt trägt den Namen des Santa-Claus-Schöpfers. Der Thomas-Nast-Nikolausmarkt findet noch bis 21. Dezember statt, täglich von 11 bis 20 Uhr, auf dem Rathausplatz.

Dies ist ein Beitrag zur Ersten Pfälzer Blogparade. Vom 1. bis 24. Dezember kannst Du dort in einem ganz besonderen Adventskalender täglich eine Geschichte über die (Süd-)Pfalz lesen. Eine schöne Aktion, die von Petra Hirsch vom Maximilians Boutique-Hotel in Landau initiiert wurde.

Danke auch an Petra für das Bild vom Nikolausmarkt. Und an Frau Hagedorn von Landau Tourismus, dass ich das Plakat zur Illustration verwenden darf.

Mit diesem Beitrag wünsche ich Euch eine schöne Weihnachtszeit mit viel Zeit zum Lesen und Genießen.

Über Sandra Strüwing

Kommunikatorin und Netzwerkerin aus Leidenschaft. Liebstes Hobby und persönlicher Anspruch: candid communications.

» Pinnwand » Der Pfälzer Pressezeichner, der das...
Am 15. Dezember 2017
Von
, , , , ,

Eine Antwort auf "Der Pfälzer Pressezeichner, der das Bild von Santa Claus prägte"

  1. Was für ein schöner Post 🙂

    Danke, liebe Sandra, dass du damit zum zweiten Mal unsere Blogparade bereicherst.
    Dass du Landau und Thomas Nast deinen Lesern näher bringst und damit für die schöne Pfalz und deren Traditionen wirbst. 😉

    Wie alle deine Blogbeiträge ist auch dieser unterhaltsam, weil spritzig geschrieben. Und informativ, weil perfekt und detailliert recherchiert.

    Ich wünsche dir einen wundervollen 3. Advent! Und ebenfalls Zeit zum Lesen und Genießen….

    Petra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte bestätige, dass du kein Spammer bist: *

« »