Deutscher Bundestag

Corporate Social Responsibility: Bundestag beschließt neue Berichtspflichten für große Unternehmen

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Gestern Nacht hat das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz den Bundestag passiert. Damit werden Unternehmen stärker in die Pflicht genommen, gesellschaftliche Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen und darüber transparent zu berichten.

Wen betrifft die Neuregelung?
Betroffen sind große kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften und haftungsbeschränkte Personengesellschaften sowie große Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen mit mehr als 500 Arbeitnehmern.

Wann und wo muss berichtet werden?
Sie müssen künftig über wesentliche nichtfinanzielle Belange berichten – und zwar erstmals für das Geschäftsjahr 2017. Die Veröffentlichung hat innerhalb von sechs Monaten nach dem Bilanzstichtag zu erfolgen.

Die nichtfinanzielle Erklärung kann entweder in den Lagebericht aufgenommen oder als gesonderter Bericht auf der Website des Unternehmens veröffentlicht werden.

Worüber muss berichtet werden?
Neben einer Beschreibung des Geschäftsmodells und den wesentlichen Risiken, die etwa mit der Lieferkette verbunden sind, sind Angaben zu folgenden nichtfinanziellen Faktoren zu machen:

  • Umwelt
    zum Beispiel: Treibhausgasemissionen, Wasserverbrauch, Luftverschmutzung, Nutzung von erneuerbaren und nicht erneuerbaren Energien, Schutz der biologischen Vielfalt
  • Arbeitnehmer
    zum Beispiel: Gleichstellung der Geschlechter, Arbeitsbedingungen, sozialer Dialog, Gesundheitsschutz, Sicherheit am Arbeitsplatz
  • Soziales:
    zum Beispiel: Dialog auf kommunaler oder regionaler Ebene, Maßnahmen zur Sicherstellung des Schutzes und der Entwicklung lokaler Gemeinschaften
  • Achtung der Menschenrechte
  • Bekämpfung von Korruption und Bestechung

Nach welchem Standard muss berichtet werden?

Der Gesetzentwurf schreibt ausdrücklich keinen bestimmten Standard vor. Die Unternehmen haben freie Wahl, müssen aber offenlegen, an welchem nationalen, europäischen oder internationalen Rahmenwerk sie sich orientiert haben. Beispiele dafür sind die G4 Leitlinien zur nachhaltigen Berichterstattung (GRI), ISO 26000, die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen, der UN Global Compact, die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte.

Verstöße gegen die Berichtspflichten sind kein Kavaliersdelikt. Sie können mit Bußgeldern bis zu fünf Prozent des Konzernumsatzes oder zehn Millionen Euro geahndet werden. Sogar Freiheitsstrafen stehen im Raum.

Unternehmen, die von der Neuregelung betroffen sind, sollten sich möglichst bald darüber klar werden, was das für sie bedeutet. Gibt es bereits eine Nachhaltigkeitsstrategie? Wurde darüber schon öffentlich berichtet? Folgt die Berichterstattung einem anerkannten Standard? Sind alle gesetzlich geforderten Aspekte berücksichtigt? Liegen aussagekräftige Kennzahlen vor, die die Aussagen stützen?

Viele Unternehmen haben die Chancen bereits erkannt, die eine transparente Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Unternehmenskommunikation bietet. Investoren, Geschäftspartner und Verbraucher verlangen mehr und bessere Informationen über die Geschäftstätigkeit von Unternehmen. Sie stützen darauf ihre Entscheidung, ob sie investieren, Lieferbeziehungen eingehen oder Produkte kaufen.

Über Sandra Strüwing

Kommunikatorin und Netzwerkerin aus Leidenschaft. Liebstes Hobby und persönlicher Anspruch: candid communications.

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Am 10. März 2017
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