Digital Media Barcamp München #dmcmuc Microsoft

#dmcmuc: Zwei Tage in der Barcamp-Bubble

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Jetzt noch bei Snapchat einsteigen oder besser gleich bei WeChat? Brauche ich einen eigenen Bot? Und wie zum Teufel funktioniert das mit den Influencern? Das mit den digitalen Medien ist schon eine komplizierte Sache: für Journalisten, PR-Verantwortliche und Software-Experten gleichermaßen. Gut, wenn man mal mit Leuten darüber diskutieren kann, die offen sagen: „Wir haben auch nicht zu allem eine eindeutige Meinung. Und da, wo wir eine haben, ändern wir sie oft.“ So wie beim Digital Media Camp in München.

Es ist diese Mischung aus Offenheit, Neugier und dem Bekenntnis, nicht auf alle digitalen Herausforderungen eine Antwort zu haben. Dafür den Mut, einfach mal was auszuprobieren. Bei einem Barcamp stehen keine gebuchten Referenten auf dem Podium. Niemand, der sein Expertenwissen dogmatisch verkündet. Keine Agenda, keine Themenvorgaben.

Da diskutieren Praktiker aus unterschiedlichen Bereichen, mit unterschiedlichen Blickwinkeln, Hintergründen und Interessen in Sessions, die sich oft ganz spontan ergeben. Leute, die keine fixen Lösungen suchen, sondern Ideen, Inspirationen und neue Denkansätze.

Barcamp zu Gast im Office mit Windows

Zwei Tage lang barcampten Digital Natives, Anfänger und Interessierte, sprich: alle, die irgendwas mit digitalen Medien am Hut haben, in München. Genauer: in der neuen Microsoft-Zentrale in der Schwabinger Parkstadt, im #officemitwindows. Das Media Lab Bayern hatte bereits zum zweiten Mal ein solches Barcamp in der Landeshauptstadt organisiert.

Und es begann: mit einer Enttäuschung. „Herausforderungen und Chancen des Journalismus 4.0“ – so der Titel einer der ersten Sessions am Samstagmorgen. Klingt nach viel: nach Bubbles, Echokammern, nach unterstützenden Algorithmen und einer Gesellschaft, der der Konsens über die Wahrheit abhandenzukommen droht. Und weckt beim Barcamp-Laien Erwartungen. Schließlich wollte der Chefredakteur von msn, dem Nachrichtenkanal von Microsoft, höchstpersönlich darüber sprechen.

Die msn-Redaktion bezieht Content von Partnern wie Reuters, SZ oder Bunte und kuratiert diese – mit Unterstützung von Algorithmen. Heißt: Die Redakteure entscheiden, welche dieser Nachrichten sie über die verschiedenen Microsoft-News-Kanäle hinaus zu den Usern jagen. Die Algorithmen helfen dabei, sind also zum Gatekeeper geworden. Und dabei ziemlich erfolgreich: Häufig erziele ihre Auswahl deutlich höhere Klickzahlen als die der Redakteure.

Zwischen Klicks und gesellschaftlicher Verantwortung

Aber wie weit darf die von Klicks getriebene Themenauswahl gehen? Was ist mit journalistischen Kriterien wie Relevanz? Mit der Verantwortung der Redakteure, nicht nur klickbringende Meldungen über Bachelor-Rosen oder Top-Models zu verbreiten, sondern auch über die Lage in der Ukraine oder den Bundeshaushalt? Und wie will man mit diesem Spannungsfeld in Zukunft umgehen? Der Chefredakteur Florian Stickel war offen: Eine eindeutige Meinung dazu? Habe man nicht. Und wenn, dann sei man da durchaus auch flexibel. Ja, was nun?

Digital Media Barcamp München

67 Sessions in zwei Tagen: voller Terminplan beim Barcamp.

Erstmal weiter beim #dmcmuc. In einer Session berichtete die Journalistin Johanna Wild, wie sie bei ihrer Arbeit in Ruanda erlebt hat, wie wichtig User Generated Content für eine glaubwürdige Berichterstattung ist, und dass sie nun mit ihrer Kollegin Ursula Trischler wafana gründet, die erste Fact-Checking-Nachrichtenagentur Deutschlands für soziale Netze. Man traf den Tech-Blogger Sascha Pallenberg, den Daimler kürzlich zum Head of Digital Content gemacht hat und der nun mit seinem Hoodie-Style die Konzernkommunikation aufwirbelt. Eine ehemalige Redakteurin der Mini-Playback-Show, die sich und die Teilnehmer ihrer Session fragte, wie sich Storytelling durch die Möglichkeiten der Virtual Reality verändern wird. Oder Carsta Maria Mueller, die mit ihrem Team bei ProSiebenSat.1 täglich 200 Social-Media-Kanäle betreut. Social-Media-Experten verschiedener Unternehmen diskutierten, wie man Mitarbeiter zu internen Markenbotschaftern macht.

Sich einfach drauf einlassen

Oder man konnte den Vortrag eines Software-Dienstleisters hören, der Native Ads als Rettung für den Qualitätsjournalismus anpries – während sich eine Bloggerin über dessen lockeren Umgang mit der Kenntlichmachung der Anzeigen empörte, eine Journalistin die Unabhängigkeit dieser Art der Berichterstattung hinterfragte und eine Web-Designerin anprangerte, dass die Vermengung von Content und Werbung das Vertrauen in Medien weiter erschütterte. Und dann dämmerte es auch dem Barcamp-Neuling, um was es hier wirklich ging: nicht um perfekte Lösungen, sondern um unterschiedliche Perspektiven auf ein und dasselbe Thema, von denen alle profitieren können. Um die Offenheit, sich darauf einzulassen. So wie es der msn-Chefredakteur vorgemacht hatte. Von wegen enttäuschend.

Die erste Sonntags-Session gab dem Ganzen dann auch noch thematisch einen Rahmen. Da ging es um das Verhältnis zwischen Medien und Publikum. Um die Frage, ob die AfD mit ihren „Lügenpresse-Vorwürfen“ nicht manchmal doch Recht habe. Ob wirklich nur die Filterblasen schuld sind. Oder doch die Journalisten. Das Publikum, das ein Thema gerne in 140 Zeichen abgehandelt hätte. Ob man aus der Art, wie Trump kommuniziert, Schlüsse ziehen sollte. Oder lieber nicht. Eindeutige Antworten? Fehlanzeige. Wie auch? Aber dafür viele, viele Denkanstöße, die noch lange nachwirken werden. Die einen neuen Blick auf vieles Alltägliche in der Kommunikation werfen lassen. Und auch ein bisschen Angst machen. Aber vor allem Lust darauf, nächstes Jahr wieder zu kommen.

Über Monika Schmich

Themen erfassen. Schnell umsetzen. Mit der Zielgruppe im Blick. Journalismus trifft PR.

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Am 14. Februar 2017
Von
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One Response to #dmcmuc: Zwei Tage in der Barcamp-Bubble

  1. Robert B. sagt:

    Toller Bericht
    Ich war selbst vor Ort und war ebenfalls begeistert
    Auch ich werde im nächsten Jahr wieder dabei sein

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