Augsbugrer Puppenkiste Kistenkobolde in Friedberg 2012

Happy Birthday, Augsburger Puppenkiste!

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Die Augsburger Puppenkiste feiert heute ihren 70. Geburtstag. Sie ist Teil meiner Kindheit und begleitet mich seit einiger Zeit auch beruflich. Denn seit sechs Jahren unterstützen wir das Sozialunternehmen Papilio bei der Pressearbeit. Und Papilio geht regelmäßig auf Tournee mit der Augsburger Puppenkiste.

Am 26. Februar 1948 eröffnete Walter Oehmichen (1901-77) mit der Aufführung des Märchens „Der gestiefelte Kater“ die Augsburger Puppenkiste. Ab 1953 wurden die Stücke ins Fernsehen übertragen, was sie bundesweit bekannt machte. So lernte auch ich Urmel aus dem Eis und all die anderen Geschichten kennen. Und freute mich jedes Mal, wenn sich auf der Mattscheibe der typische Kistendeckel öffnete und dahinter Meereswellen in Form einer wehenden Plastikfolie zu sehen waren! Und wenn dann der Pinguin, der kein sch sprechen kann, heimlich die „Mupfel“ von Waran Wawa besetzte …

Rund 30 Jahre später erlebte ich mein erstes Puppenkisten-Revival – als meine Tochter einen Narren an Jim Knopf gefressen hatte. Auf keinen Fall durften wir auch nur einen einzigen Teil der Serie verpassen. Das war zum Glück einige Jahre bevor der öffentlich-rechtliche Sender Kinderkanal Kika die Serien der Puppenkiste aus dem Programm nahm, weil er sie für „nicht mehr zeitgemäß“ hielt. Die Empörung, vor allem unter den älteren Zuschauern, war groß. Und nach einigen Verhandlungen mit dem Hessischen Rundfunk war die Puppenkiste zwei Jahre später wieder zurück im Fernsehen.

Puppenkiste live

Für mich als Augsburgerin ist es naheliegend, die Stücke auch live im hiesigen Puppentheater anzuschauen. Nur ist es gar nicht so einfach, an Karten zu kommen. An einen Besuch als Kind – mit der Schule – erinnere ich mich nur vage. Als Erwachsene sah ich dann einmal das Kabarettprogramm, das die Puppenkiste bereits seit den 1950er-Jahren regelmäßig zum Jahreswechsel inszeniert. Mein persönliches Highlight damals war der Rundgang hinter die Bühne, den die Zuschauer in der Pause machen durften. Die Marionetten kamen mir plötzlich viel kleiner vor als auf der Bühne, wo sie einen durch ihr Spiel faszinieren und dadurch fast lebendig (deshalb vielleicht auch größer?) wirken.

Paula und die Kistenkobolde

Im Oktober 2012 sah ich dann zum ersten Mal einen Auftritt der Kistenkobolde. Das war in Friedberg, wo die Augsburger Puppenkiste zusammen mit Papilio zu Gast war, um für frühe Prävention im Kindergarten zu werben. Unsere Agentur hatte kurz zuvor begonnen, das Augsburger Sozialunternehmen in der Pressearbeit zu unterstützen. Papilio hat ein Kindergartenprogramm entwickelt, das die sozial-emotionalen Kompetenzen der Kinder stärkt. Die Geschichte „Paula und die Kistenkobolde“ ist ein wesentlicher Teil davon. Sie entstand zusammen mit der Augsburger Puppenkiste und wurde von dieser als Bühnenstück inszeniert. Seit 2006 gehen sie regelmäßig zusammen auf Deutschland-Tournee. Und ich darf dafür jedes Mal die Journalisten vor Ort einladen. Bei Erwähnung der Augsburger Puppenkiste werden manche ganz rührselig. Und nehmen sich für meinen Anruf vermutlich mehr Zeit als bei den üblichen Nachfasstelefonaten von PR-Agenturen. Da schwelgen sie dann einen Moment lang in Kindheitserinnerungen. Und so manch einer schaut nochmals in den Kalender, ob es nicht doch möglich wäre, zu dem Termin zu kommen.

Augsburger Puppenkiste_Tourtag Essen 2014

Bei den Auftritten vor Ort bin ich jedoch nur selten mit dabei. Nach dem Gastspiel in Friedberg durfte ich die Kistenkobolde noch einmal in Essen erleben. Das Schönste für mich war immer zu sehen, wie die Kinder auf die Marionetten reagieren: Die Puppenspieler stehen zwar mit auf der Bühne, sind also komplett zu sehen, aber die Kinder haben nur Augen für die Puppen. Und am Ende der Vorstellung dürfen sie auf Tuchfühlung mit ihnen gehen, um sich von Paula, Heulibold, Zornibold, Bibberbold und Freudibold zu verabschieden. Da entstehen dann auch die schönsten Bilder.

Augsburger Puppenkiste_Tourtag_Friedberg_Abschied-Zornibold

Abschied von Zornibold beim Tourtag in Friedberg

Augsburger Puppenkiste_Papilio-Tourtag_Lüdenscheid_2015_Abschied-Heulibold

Abschied von Heulibold beim Tourtag in Lüdenscheid. Bild: Papilio e.V.

Augsburger Puppenkiste_Papilio-Tourtag_Gerolsbach_2015_Abschied-Bibberbold

Abschied von Bibberbold beim Tourtag in Gerolsbach. Bild: Papilio / A. Jungclaus

Kasperl-Ampel

Viel älter als die Kistenkobolde ist der Kasperl. Er ist von Anfang an dabei, spricht tiefstes Augsburgerisch und regelt auch mal den Verkehr in der Fuggerstadt. Denn seit Juli 2017 gibt es nahe der Augsburger Puppenkiste an der Kreuzung Milchberg/Spitalgasse eine Fußgängerampel mit einem grünen Kasperl.

Eine Insel mit zwei Bergen

Der Kasperl spielt auch beim Fußball eine wichtige Rolle: So tippt er vor jedem Heimspiel des FC Augsburg das Ergebnis. Und die Kooperation des FCA mit der Augsburger Puppenkiste geht noch weiter: Als Torhymne erklingt das Lied „Eine Insel mit zwei Bergen“ aus Jim Knopf und anstelle von Wimpeln überreicht der Verein der gegnerischen Mannschaft eine jährlich wechselnde Marionette. Ich als bekennender Fußballignorant wusste lange nichts von dieser schönen Geste – bis mir meine Kolleginnen einmal davon erzählten und ich ganz neidisch auf die gegnerischen Mannschaften wurde. Und so bekam ich kurz darauf zum Geburtstag einen Jim Knopf von ihnen geschenkt! Womit wir wieder beim Thema wären … Ja, liebe Augsburger Puppenkiste, im Namen des candid-Teams wünsche ich euch alles Gute zum 70.Geburtstag!

Jim Knopf_2013

Über Andrea Finkel

Die Komma-Queen: begeistert sich für alles, was mit Sprache zu tun hat – auch Grammatik und Rechtschreibung. Komplexe Themen wecken ihren Ehrgeiz.

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Am 26. Februar 2018
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